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Gericht stoppt Streik : Piloten müssen sofort zur Arbeit

  • Aktualisiert am

Ein Airbus A321-100 der Lufthansa. Nach dem Willen des Hessischen Landesarbeitsgerichts müssen die Piloten ihren Streik (vorerst?) unterbrechen. Bild: dpa

Das Hessische Landesarbeitsgericht hat den Pilotenstreik bei der Lufthansa vorerst untersagt. Das Gericht erließ eine einstweilige Verfügung gegen die streikende Pilotengewerkschaft. Begründung: Ihr Streikziel sei nur vorgeschoben.

          Das Landesarbeitsgericht Hessen hat den Pilotenstreik bei der Lufthansa vorerst gestoppt. Das Gericht erließ am Mittwoch auf Antrag der Airline eine einstweilige Verfügung gegen die streikende Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit.

          „Das Gericht hat bemängelt, dass unser Streikziel - nämlich das Thema Übergangsversorgung - angeblich vorgeschoben wäre und wir in Wahrheit für ein anderes Ziel streiken“, erläuterte Markus Wahl, Vorstand der Vereinigung Cockpit: „Wir sind vollkommen überrascht". Die Kammer ist in diesem Einzelfall der Auffassung, dass es der Gewerkschaft auch darum gehe, die künftige Unternehmensstrategie mit der geplanten Billigsparte Eurowings zu beeinflussen. Die Gewerkschaft wolle beim Low-Cost-Konzept des Konzerns mehr Mitsprache bekommen, erklärte der Vorsitzende Richter. Damit sei der Streik rechtswidrig.

          Lufthansa-Chef Carsten Spohr

          Die Lufthansa-Piloten müssen ihren Streik sofort abbrechen. Die Piloten müssten wieder zur Arbeit zurückkehren, sagte Wahl. Wann der Flugbetrieb wieder normal laufe, sei noch unklar. "Es wird eine Zeit dauern, bis die Lufthansa ihre Maschinerie wieder hochfahren kann", sagte Wahl.

          Am Dienstag hatte die erste Instanz den Arbeitskampf noch gebilligt. Im Laufe des Tages wollte auch das Landesarbeitsgericht Köln über eine gleich gelagerte Berufung der Lufthansa-Tochter Germanwings verhandeln.

          Der laufende Ausstand dürfte aber kaum noch zu stoppen sein. Die Pilotengewerkschaft hatte allerdings mit wöchentlichen Streiks bis Weihnachten gedroht, die Lufthansa verhindern wollte.

          Lufthansa begrüßt die Entscheidung. Ab morgen werde den Kunden wieder ein weitgehend normaler Flugplan engeboten, teilte das Unternehmen mit. Der heutige Sonderflugplan werde zur Planungssicherheit der Fluggäste aufrecht erhalten.

          Lufthansa wirft Piloten vor, einen „Mogel-Streik“ zu führen

          Das Unternehmen hatte der Gewerkschaft in der Frankfurter Berufungsverhandlung vorgeworfen, einen „Mogel-Streik“ zu führen. Die Pilotengewerkschaft hat in der Vergangenheit den von Konzernchef Carsten Spohr geplanten Umbau mit einer externen Billigtochter Eurowings heftig kritisiert. Piloten-Arbeitsplätze mit Billiglöhnen würden ins europäische Ausland exportiert und so dem deutschen Tarifrecht entzogen, lauteten unter anderem die Vorwürfe.

          Vor der Entscheidung hatte der inzwischen 13. Pilotenstreik seit April 2014 einen neuen Höhepunkt erreicht. Wegen der Verlagerung auf die Kurz- und Mittelstrecke waren am Dienstag etwa 1000 Lufthansa-Flüge abgesagt worden. Die Pläne von rund 140.000 Passagieren wurden zum süddeutschen Ferienende in Mitleidenschaft gezogen.

          Die Gewerkschaft forderte die Lufthansa auf, sich nicht hinter juristischen Positionen zu verstecken. „Der Konzernvorstand muss endlich erkennen, dass ein Dienstleistungsunternehmen nicht gegen das eigene Personal geführt werden kann“, sagte Pilotengewerkschafts-Sprecher Markus Wahl. Die Vereinigung Cockpit sei bereit, zukunftsfähige Strukturen mitzugestalten.

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