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Abgasskandal : Audi haftet für VW-Dieselmotor

Audi entwickelte eigene, leistungsstärkere Dieselmotoren. In einigen Modellreihen stecken jedoch auch manipulierte Motoren EA 189 von Volkswagen. Bild: dpa

Der Ingolstädter Autohersteller Audi muss seine Kunden auch für die vom Mutterkonzern Volkswagen entwickelten Motoren entschädigen. Das hat Oberlandesgericht München am Montag in mehreren Fällen entschieden.

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          Im Abgasskandal von Volkswagen muss Audi für die manipulierten Dieselmotoren EA 189 haften, die in den Modellreihen der Tochtergesellschaft aus Ingolstadt verbaut wurden. Mit insgesamt acht Entscheidungen bestätigte das Oberlandesgericht (OLG) München am Montag, dass Audi Schadenersatz zahlen muss, obwohl die Motoren von der Konzernmutter aus Wolfsburg entwickelt wurden.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein Unternehmen, das für die von ihm hergestellten Geräte vorgefertigte Einbauteile verwendet, treffe grundsätzlich die Sorgfaltspflichten eines Herstellers, argumentierte der 21. Zivilsenat in einem Urteil, das der F.A.Z. vorliegt. In diesem Zivilstreit änderte das Oberlandesgericht ein Urteil des Landgerichts Ingolstadt ab und verurteilte Audi zur Zahlung von rund 8900 Euro nebst Zinsen an den Eigentümer eines Audi „Q5“. Alle Entscheidungen sind noch nicht rechtskräftig, Audi kann dagegen noch Revision einlegen (Az: 21 U 3457/19 u.a.).

          Viele Kunden von Audi klagten am Konzernsitz in Ingolstadt auf Schadenersatz und Rückgabe ihrer Dieselfahrzeuge, auch wenn eine Klage am eigenen Wohnort möglich gewesen wäre. In der bayerischen Justiz war deshalb von einer „Grundsatzentscheidung“ die Rede, weil die Berufungen aus Ingolstadt vor einem OLG-Senat verhandelt werden, der sich nun in dieser Rechtsfrage festgelegt hat.

          Klageflut in Ingolstadt

          Wie viele Klagen es in den vergangenen Jahren gegen Audi gegeben hat, konnte ein Gerichtssprecher in Ingolstadt nicht mitteilen. Derzeit seien rund 3000 Dieselverfahren bei den sieben Zivilkammern des Landgerichts anhängig, darunter befänden sich Klagen gegen andere Automobilhersteller. In den vergangenen Monaten verzeichnete das Landgericht deutlich mehr neue Dieselklagen.

          Dies mag an den verbraucherfreundlichen Urteilen des Bundesgerichtshofs von Ende Mai und Juli liegen. Zudem nahmen Verbraucher, die aus der Musterfeststellungsklage gegen Volkswagen am Oberlandesgericht Braunschweig ausgeschieden waren, ihre ruhenden Verfahren wieder auf. Mitte Dezember verhandeln die Karlsruher Richter in Dieselklagen über Verjährungsfragen. Wie der Bundesgerichtshof ebenfalls am Montag mitteilte, wird man sich am 23. Februar 2021 mit der Klage eines Audi-Fahrers beschäftigen.

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