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Geplatzter Philips-Deal : Amerika spielt Weltpolizei für Übernahmen

  • Aktualisiert am

Philips beleuchtet den New Yorker Times Square an Neujahr Bild: AFP

Der Philips-Konzern ist bei den Verkaufsverhandlungen für seine Sparte Lumileds nach Informationen der F.A.Z. unter erheblichen politischen Druck gesetzt worden. Jetzt hat eine amerikanische Behörde den Deal abgesagt. Anwälte vermuten „protektionistische Tendenzen“.

          Bei den Verhandlungen über den milliardenschweren Verkauf seiner Sparte Lumileds nach China ist der Philips-Konzern offenbar unter politischen Druck gesetzt worden. Nach Informationen der F.A.Z. hatte sich auch mindestens eine amerikanische Gesellschaft für die Sparte interessiert. Die Verhandlungen seien schon seit Langem geführt worden, die Offerte aus Übersee jedoch deutlich geringer ausgefallen als die aus China, berichtete ein mit dem Verkaufsprozess befasster Manager. Es soll um eine Differenz von rund einer halben Milliarde Dollar gegangen sein.

          Kurze Zeit nach dem offiziellen Aus für den amerikanischen Bieter habe die Aufsichtsbehörde, das Komitee für Auslandsinvestitionen in den Vereinigten Staaten (CFIUS), den Philips-Managern angedeutet, dass bei einem Verkauf an den chinesischen Mitbieter Importverbote für die bisherigen Philips-Produkte drohten.

          Die drohende Blockade in Nordamerika bei einem Verkauf an GO Scale Capital sei in Amsterdam und Eindhoven unterschätzt worden, gestand ein Manager ein. Philips und das CFIUS lehnten einen Kommentar ab.

          Vorhaben am Freitag abgesagt

          Philips hatte im März angekündigt, die Sparte, die Autolampen und LED-Teile herstellt, mehrheitlich an ein Konsortium unter Führung des chinesischen Investors Go Scale Capital zu verkaufen. Es ging um gut 80 Prozent der Anteile. Das CFIUS erhob aber Einwände. Deswegen sagte Philips am Freitag das Vorhaben ab. Lumileds betreibt einen großen Standort in San Jose und war 1999 als Gemeinschaftsunternehmen von Philips und Agilent entstanden.

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          CFIUS nimmt Akquisitionen unter dem Gesichtspunkt der „nationalen Sicherheit“ unter die Lupe. Es steht gelegentlich im Verdacht, Übernahmen zu verhindern, um die heimische Industrie zu stärken. Das Gremium hat nach den jüngsten verfügbaren Zahlen 2014 insgesamt 156 Übernahmen wegen möglicher Sicherheitsbedenken untersucht, deutlich mehr als im Vorjahr. Der Schwerpunkt liegt auf Informations- und Kommunikationstechnik sowie der Halbleiterindustrie.

          Im Jahr 2015 lag die Zahl der Verfahren nach Kalkulation der Anwaltskanzlei Freshfields auf dem höchsten oder zweithöchsten Stand der letzten 15 Jahre. Geographischer Schwerpunkt war wie in den Vorjahren China. Freshfields-Partner Christoph Seibt spricht von „protektionistischen Tendenzen“ in den Vereinigten Staaten, aber auch anderswo. „Was nationales Interesse ist, bestimmen die Länder selbst“, sagte er der F.A.Z..

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