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Genußmittel : Zigarettenindustrie warnt vor einem Kahlschlag

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Die Zigarettenindustrie befürchtet durch die Erhöhung der Tabaksteuer einen Umsatzrückgang um 20 Prozent. Der Schmuggel werde zunehmen.

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          Die Zigarettenindustrie befürchtet von der angekündigten Erhöhung der Tabaksteuer einen "Kahlschlag für die Branche". "Wir halten einen Umsatzrückgang um 20 Prozent für realistisch. Eine so massive Steuererhöhung hat es noch nie gegeben", teilte der Verband der Cigarettenindustrie am Freitag mit. Gleichzeitig sei mit einem deutlichen Stellenabbau zu rechnen, von der vor allem die Beschäftigten im Handel betroffen seien. Insgesamt hingen 100 000 Arbeitsplätze in Deutschland vom Tabak ab. "Vor allem von den Groß- und Facheinzelhändlern werden das viele nicht überleben". Allein im Tabakgroßhandel arbeiteten 14 000 Menschen.

          Die Bundesregierung hatte am Donnerstag angekündigt, die Steuer um einen Euro je Packung zu erhöhen. Damit sollen versicherungsfremde Leistungen der Krankenkassen finanziert und die Defizite der Kassen gesenkt werden. Bisher kostet eine Packung durchschnittlich 3,20 Euro. Die letzte Steuererhöhungen gab es zu Beginn 2002 und zu Beginn dieses Jahres um jeweils einen Cent je Zigarette. Nach der letzten Erhöhung hat sich der Absatz in den ersten drei Monaten um 5,1 Prozent verringert.

          Die Zigarettenindustrie wirft Gesundheitsministerin Ulla Schmidt vor, mit "gespaltener Zunge zu sprechen". Auf der einen Seite begründe sie die Steuererhöhung damit, daß sie das Rauchen eindämmen wolle. Auf der anderen Seite kalkuliere sie die zusätzlichen Steuereinnahmen auf der Basis der 7,5 Milliarden derzeit im Jahr verkauften Päckchen. "Das ist dilettantisch." Die Hersteller würden einen weiteren Absatzrückgang voraussichtlich über höhere Preise auszugleichen versuchen. Damit werde eine Schachtel vermutlich zwischen 1,30 und 1,50 Euro mehr kosten als bisher. Desweiteren sei damit zu rechnen, daß die Raucher künftig verstärkt auf Schmuggelware auswichen. Nach Schätzungen des Bundesverbandes Deutscher Tabak-Großhändler und Automatenaufsteller verlieren die Finanzämter schon heute rund eine Milliarde Euro im Jahr durch den Schmuggel.

          Die Zigarettenpreise in Deutschland liegen nach einer Erhebung der Deutschen Presseagentur etwa im Mittelfeld in Europa. Deutlich teurer sind Tabakwaren in Norwegen mit 8,30 Euro, wobei der Steueranteil dort 79 Prozent ausmacht. In Deutschland sind es 63 Prozent. Je Schachtel werden in Frankreich rund 3,40 Euro, in Italien bis 3,30 Euro und in Spanien bis 3 Euro gezahlt. In den osteuropäischen Ländern sind Zigaretten weit billiger. Das dürfte sich aber mit dem Beitritt zur EU ändern, wenn sich die Länder an die Mindeststeuersätze in der EU halten müssen. Im vergangenen Jahr haben die Deutschen 145 Milliarden Zigaretten und 3 Milliarden Zigarren und Zigarillos geraucht. Der deutsche Markt zählt damit zu den größten der Welt. Durchschnittlich gehen jeden Tag 386 Millionen Zigaretten in Rauch auf. Rein rechnerisch sind das fünf Zigaretten je Einwohner - Kinder und Nichtraucher eingeschlossen. Von den Einnahmen aus der Tabaksteuer entfallen auf jeden Einwohner umgerechnet etwa 35 Cent am Tag.

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