https://www.faz.net/-gqe-49nn

Genuss : Philip Morris muss nur sechs Milliarden Dollar Kaution zahlen

  • Aktualisiert am

Der amerikanische Zigarettenhersteller Philip Morris muss nur noch sechs Milliarden Dollar Kaution zahlen, wenn er gegen ein Schadenersatz-Urteil in Berufung geht.

          Mit Erleichterung haben Analysten und Anleger auf die Entscheidung eines Richters im Bundesstaat Illinois reagiert, mit welcher die Sorgen um eine Insolvenz der Altria-Tabaksparte Philip Morris USA zunächst einmal vertrieben werden. Der Richter hat die Kaution deutlich reduziert, die das Unternehmen aufbringen muß, um gegen ein im März gesprochenes Urteil Berufung einzulegen. Ursprünglich hatte der Richter gefordert, der Hersteller der Marke Marlboro müsse als Sicherheit eine Anleihe von 12 Milliarden Dollar auflegen. Diese Summe wurde auf 6 Milliarden Dollar gekürzt.

          Altria braucht hierfür außerdem keine neuen Mittel zu beschaffen, sondern kann eine bereits existierende langfristige Anleihe in der geforderten Höhe nutzen. Während des Berufungsverfahrens muß Philip Morris außerdem die Zinsen auf die Anleihe von jährlich 420 Millionen Dollar hinterlegen. Zusätzlich zu diesen Beträgen muß das Unternehmen eine in vier Raten zu leistende Summe von insgesamt 800 Millionen Dollar in bar zahlen.

          Belastung, die zu stemmen ist

          Philip Morris bezeichnete die neue Kaution als Belastung, die aber zu stemmen sei. Der Vertreter der Kläger in Illinois kündigte indessen an, die Entscheidung anfechten zu wollen. Das Unternehmen zeigte sich zuversichtlich, daß das ursprüngliche Urteil im Berufungsverfahren revidiert wird. Das Gericht hatte den Konzern im März wegen Täuschung von Verbrauchern zu einer Zahlung von insgesamt 10,1 Milliarden Dollar verurteilt. Das Unternehmen hat nach Ansicht des Gerichts Konsumenten eingeredet, Zigaretten mit der Aufschrift "Lights" seien weniger gesundheitsschädlich als reguläre Marken. Dies war die erste Klage wegen Leicht-Zigaretten, die vor Gericht verhandelt worden ist.

          In den zahlreichen bisherigen Prozessen gegen Tabakkonzerne ging es meist um die Klagen von erkrankten Rauchern, die den Herstellern vorwarfen, die gesundheitlichen Gefahren von Zigaretten heruntergespielt zu haben. Philip Morris wurde in diesen Verfahren häufig zu hohen Strafzahlungen verurteilt, die aber in späteren Berufungsverfahren stets entweder deutlich reduziert oder völlig aufgehoben worden sind. Sollte Philip Morris das Berufungsverfahren für den Fall in Illinois gewinnen, bekommt das Unternehmen die gesamte Kaution wieder zurück.

          Sorge um Insolvenz

          Die zunächst festgelegte Kautionszahlung von 12 Milliarden Dollar errechnete sich aus der im Urteil erstrittenen Summe zuzüglich Zinsen. Dieser ursprüngliche Betrag hatte Sorgen um eine mögliche Insolvenz der amerikanischen Zigarettensparte Philip Morris USA hervorgerufen. Die drei großen amerikanischen Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch haben ihre Kreditbewertung für Altria deutlich zurückgenommen.

          Auch bei der ebenfalls börsennotierten Nahrungsmittel-Tochtergesellschaft Kraft gab es Herabstufungen. Die Aktie von Altria hat in den vergangenen Wochen deutlich an Wert verloren. Vor dem Urteil notierte das Papier noch bei rund 35 Dollar, zwischenzeitlich verlor die Aktie fast 20 Prozent an Wert. Am Dienstag stieg das Papier kurz nach Handelsbeginn um weitere 4 Prozent auf 32,80 Dollar. Die Aktie hatte schon am Montag zugelegt, als das Urteil kurz vor Börsenschluß bekannt wurde.

          Zahlungen an Bundesstaaten möglich

          Philip Morris teilte weiter mit, nach diesem Urteil eine für den Dienstag geplante Zahlung von insgesamt 2,6 Milliarden Dollar an amerikanische Bundesstaaten leisten zu können. Diese Zahlung geht auf das sogenannte Master Settlement zurück. Die Tabakindustrie hatte 1998 mit 46 Bundesstaaten eine Zahlung von 206 Milliarden Dollar über eine Laufzeit von 25 Jahren vereinbart. Auf Philip Morris entfällt davon der größte Teil. Das Unternehmen hatte zwischenzeitlich gedroht, die laufende Rate nicht aufbringen zu können.

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Roboter und Algorithmen übernehmen immer mehr unserer Arbeit, deswegen muss sich auch die Art der Altersversorgung ändern.

          Die DigiRente : Neue Altersvorsorge für die digitale Ära

          Wie die Menschen beim Einkaufen zu Anteilseignern digitaler Maschinen und Algorithmen werden und damit sinnvoll Altersvorsorge betreiben und Vermögen bilden können. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.