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Gentechnik : Wollen wir die „Gen-Schere“ erlauben?

  • Aktualisiert am

Die DNA-Doppelhelix - ausgestellt im Biotechnikum. Bild: dpa

Es geht um Genmais und eine neue Technik, mit der das Erbgut verändert werden kann. Aus der SPD-Fraktion gibt es nun Kritik an der Bundesregierung.

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          Die SPD-Bundestagsfraktion lehnt die im geplanten Genmais-Verbot vorgesehene Ausnahmegenehmigung für neue Techniken zur Veränderung von Erbgut ab. „Die kurzfristig im Kabinett vorgenommene Änderung im Begründungsteil des Gentechnikgesetzes zu neuen Züchtungstechniken wie CRISPR/Cas9 ist inhaltlich für uns nicht tragbar“, sagte die zuständige SPD-Abgeordnete Elvira Drobinski-Weiß an diesem Montag.

          Sie bezog sich auf den am Mittwoch beschlossenen Gesetzentwurf zum Genmais-Verbot. Auch die Grünen kündigten Widerstand gegen eine Zulassung der neuen Technik an.

          Wie viel Genänderung soll es sein?

          Mit CRISPR/Cas9 können im Vergleich zu konventionellen Verfahren vergleichsweise einfach Teile der genetischen Informationen eines Organismus verändert werden. Die Technik wird vielfach als „Gen-Schere“ bezeichnet, mit der gezielt im Genom Gene eingefügt oder herausgeschnitten werden können.

          Experten gehen davon aus, dass mit CRISPR/Cas9 die nächste Stufe der künstlichen Entwicklung von Nutzpflanzen eingeläutet werden kann. Damit könnten etwa Pflanzen mit bestimmten Resistenzen oder Eigenschaften wie Lagerfähigkeit oder Geschmack hergestellt werden.

          Umstritten ist jedoch, ob CRISPR/Cas9 als konventionelle Gentechnik zu werten ist, deren Ergebnisse als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) gelten. Bei GVO-Produkten werden auch artfremde Gensequenzen ins Erbgut eingebracht.

          Mit CRISPR/Cas9 können dagegen Variationen eines Pflanzentyps kombiniert werden. Befürworter der neuen Methode argumentieren, diese Ergebnisse ließen sich auch mit konventioneller Züchtung erzielen. Dieser Einschätzung hat sich bereits das Bundesamt für Risikobewertung angeschlossen, das in CRISPR/Cas9-Pflanzen keine GVO-Produkte sieht.

          Frankreich vor Gericht

          Die Unterscheidung ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung, denn GVO-Produkte unterliegen in der EU einem aufwendigen Genehmigungsverfahren und müssen im Lebensmittelhandel gekennzeichnet werden. Wenn CRISPR/Cas9-Pflanzen jedoch als Ergebnisse konventioneller Zucht eingestuft werden, wäre ihre Vermarktung ungleich einfacher. Die EU hat sich noch nicht festgelegt, wie die neue Technik einzuordnen ist.

          Mit den Regelungen zum Einsatz von Pflanzen, die mit dieser neuen Technik erzeugt wurden, prescht die Bundesregierung nun vor. „Der gentechnikrechtliche Status der mit solchen Techniken erzeugten Konstrukte ist bisher unklar“, kritisierte Drobinski-Weiß. Frankreich habe deshalb den Europäischen Gerichtshof angerufen.

          Und wie sicher ist das?

          Bis zum Urteil des EuGH gebiete das Vorsorgeprinzip, keine Freisetzungen solcher Organismen zuzulassen. Der Gesetzentwurf ermöglicht dagegen Einzelfallprüfungen bei der Zulassung von CRISPR/Cas9-Pflanzen. Dabei müsse „ein hohes Maß an Sicherheit gewährleistet werden“.

          Der Gentechnik-Experte der Grünen Bundestagsfraktion, Harald Ebner, spricht von einem Affront, denn bei den Beratungen zum Genmais-Verbot sei von CRISPR/Cas9 nicht die Rede gewesen. Die EU-Kommission habe zudem die Mitgliedsstaaten aufgefordert, vorerst keine Genehmigungen zu erteilen.

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