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Genfer Autosalon : GM und Peugeot wollen Gegengewicht zu VW bilden

  • -Aktualisiert am

Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke auf dem Genfer Autosalon Bild: dapd

Zunächst planen die beiden Konzerne nur eine Einkaufsgemeinschaft. Langfristig ist aber eine gemeinsame Produktion von Fahrzeugen denkbar. Dann könnte es für die Opel-Werke brenzlig werden.

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          Die neue strategische Allianz des Opel-Eigners General Motors mit dem französischen Partner PSA Peugeot Citroën nimmt langsam konkrete Gestalt an. „Als ersten Schritt werden wir große Teile unseres Einkaufs zusammenlegen, um eine bessere Position in Preisverhandlungen mit den Zulieferern zu bekommen“, sagte Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke am Dienstag auf der Automesse in Genf. Es handele sich um ein gemeinsames Volumen von bis zu 100 Milliarden Euro.

          Begonnen werde mit dem gemeinsamen Einkauf von Rohstoffen, Reifen und kleinen Motoren. Danach werde Peugeot einen Teil der Logistik für GM in Europa übernehmen. Bis 2016 sollen auch neue Kleinwagen, Spritspartechnik sowie Mittelklasseautos, Stadtgeländewagen und leichte Nutzfahrzeuge gemeinsam entwickelt werden. Der Startschuss für all das soll in der zweiten Jahreshälfte fallen. „Auch eine gemeinsame Produktion einzelner Automodelle in Europa ist langfristig nicht ausgeschlossen“, sagte PSA-Chef Philippe Varin. Ziel müsse es sein, ein Gegengewicht zu den erfolgreichen Konkurrenten Volkswagen aus Deutschland und Hyundai-Kia aus Korea zu bilden. Genau dies hatte vor einigen Wochen auch schon Fiat-Chef Sergio Marchionne gefordert, mit dem Varin offenbar ebenfalls über eine Allianz gesprochen hat, jedoch ohne Erfolg.

          Politische Interventionen

          Mit den Erwägungen für eine gemeinsame Produktion könnte ab 2015 auch wieder die Schließung einzelner Werke von Opel - in Bochum und im englischen Ellesmere Port - zur Debatte stehen. „Keine Option ist vom Tisch. Wir befinden uns gerade in Verhandlungen mit dem Betriebsrat“, sagte GM-Vizeverwaltungsratschef Stephen Girsky, der auch dem Aufsichtsrat von Opel vorsitzt. Bis Ende 2014 sind Werksschließungen jedoch durch vertragliche Vereinbarungen mit der Belegschaft ausgeschlossen, wie Stracke bestätigte: „An diese Verträge halten wir uns.“

          Möglicherweise werden die bevorstehenden Werksschließungen auch wieder - wie im Jahr 2009 - zu politischen Interventionen führen. Girsky jedenfalls berichtete, er habe mit der britischen Regierung gesprochen und Opel-Chef Stracke habe die Bundesregierung informiert - allerdings in ganz allgemeiner Form. Befürchtet wird in Großbritannien offenbar, dass eine Werksschließung eher dort stattfinden würde, obwohl die beiden Fabriken in England besonders effizient arbeiten. Grund sei die außergewöhnliche Stärke der deutschen Gewerkschaft IG Metall, heißt es, während in England während der Thatcher-Ära die Macht der Gewerkschaften deutlich beschnitten worden sei.

          Sowohl Opel als auch Peugeot leiden wegen der Staatsschuldenkrise in Südeuropa unter schrumpfendem Absatz und wegbrechenden Marktanteilen. Beide Konzerne machen Verluste. Ihre Fabriken sind nur zu drei Vierteln ausgelastet. „Die Überkapazitäten in Europa sind aber kein Problem von GM oder Peugeot, sondern ein Problem der ganzen Branche“, sagte GM-Vizeverwaltungsratschef Stephen Girsky in Genf. Unabhängig von der Allianz würden beide Konzerne jeweils ihre eigenen Pläne weiterverfolgen, um wieder profitabel zu werden. „Die Allianz bietet zumindest kurzfristig keine besseren Möglichkeiten zum Abbau von Überkapazitäten“, sagte Varin. Kern der Strategie von PSA Peugeot Citroën, um wieder in die Offensive zu kommen, sei vielmehr eine stärkere Globalisierung der Absatzmärkte und eine Verschiebung der Modellpalette in die Richtung höherwertiger Fahrzeuge.

          Unklar ist noch, was die neue Allianz zwischen GM und PSA für ältere Kooperationen von Peugeot bedeuten wird. Peugeot und Citroën bauen schon heute gemeinsam mit dem japanischen Konkurrenten Toyota ihre Kleinwagen in einer gemeinsamen Fabrik in Tschechien. Mit der Entwicklung der nächsten Generation dieser Wagen wurde schon begonnen, so dass eine Auflösung dieser Verbindung mit Toyota kurzfristig kaum möglich erscheint. Außerdem liefert Peugeot kleine Dieselmotoren an Ford und an die BMW-Marke Mini. Wie der Münchener Konzern reagieren würde, wenn Peugeot dieselben Motoren nun auch an GM lieferte, ist noch offen. „Um das zu beurteilen, ist es noch zu früh“, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer in Genf.

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