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Jung und Alt in der Pandemie : Die Jungen brauchen kein Mitleid

Zufluchtsort Spielplatz: Kinder und Alte in der Pandemie gegeneinander auszuspielen, schadet mehr als es nützt. Bild: dpa

In der Krise wird ein Konflikt zwischen Jung und Alt heraufbeschworen. Das schadet mehr als es hilft – und lenkt vom eigentlichen Problem ab.

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          „Jetzt sind aber mal die Kinder dran!“ Diese Forderung wird immer lauter. Politiker rufen sie aus, sie durchdringt die (sozialen) Medien. Immer wird sie begleitet von der Behauptung, die Corona-Krise habe einen „Generationenkonflikt“ entfacht, der mal wieder zu Lasten der Kinder und Jugendlichen gehe.

          Die Erzählung ist einfach. Die Jüngeren haben im vergangenen Jahr zugunsten der Älteren übermäßig verzichtet. Jetzt werden sie auch noch beim Impfen „vergessen“ – während die Älteren den Impfstoff von Astra-Zeneca verschmähen und damit die Rückkehr zur Normalität unnötig verzögern. Jetzt müsse der Spieß endlich umgedreht und die Jüngeren für ihre Solidarität entschädigt werden, heißt es.

          In der Sache stimmt es ja: Kindern und Jugendlichen hat die Krise unendlich viel abverlangt. Sie sind besonders auf Sozialkontakte angewiesen, Schüler aus bildungsferneren Familien werden die Lernrückstände trotz Förderprogrammen kaum aufholen können. Und dass noch immer über Öffnungskonzepte für Schulen diskutiert werden muss, ist purer Hohn.

          Trotzdem schadet es mehr als es hilft, neue Konfliktlinien und Scheingegensätze heraufzubeschwören. Die Krise kann nach wie vor nur gemeinsam von Jung und Alt gemeistert werden – und nicht, indem verschiedene Opfergruppen gegeneinander ausgespielt werden. Es ist zudem eine eigenartige Vorstellung von Solidarität, wenn man annimmt, es handele sich dabei um eine Investition, die sich zwangsläufig rentieren müsse. Richtig ist vielmehr, dass Kinder und Jugendliche keineswegs umsonst verzichtet haben, sondern auch sie heute von sinkenden Infektionszahlen und der Gesundheit ihrer Großeltern profitieren.

          Der Pathos des neuen Generationenkonflikts, der innerhalb der meisten Familien als solcher gar nicht wahrgenommen werden dürfte, überdeckt im schlimmsten Fall, was Kinder und Jugendliche wirklich brauchen: nämlich kein Mitleid, sondern eine Politik, die ihre Bedürfnisse dauerhaft nach oben stellt. Kinderbetreuung, durchlässige Bildungssysteme, nachhaltig gesicherte Sozialsysteme – in all diesen Bereichen geht es viel zu langsam voran. Hier auf Veränderungen zu pochen und Politiker nicht mit Lippenbekenntnissen davonkommen zu lassen, ist im Wahljahr die eigentliche Herausforderung.

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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