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Nicht in Deutschland : Der Euro ist ein Verlustgeschäft

Eine Euro-Münze. Bild: dpa

Nur wenige Länder profitieren von der Gemeinschaftswährung, darunter Deutschland. Besonders für Südeuropäer steht unterm Strich ein dickes Minus.

          Kein Land hat mehr von der Euro-Einführung profitiert als Deutschland, kein Land drastischere Wohlstandseinbußen erlitten als Italien. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des in Freiburg ansässigen Centrums für Europäische Politik.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die Gemeinschaftswährung jedem Deutschen ein sattes Einkommensplus in Höhe von 23.000 Euro beschert hat. Auf die Bevölkerung gerechnet sind das 1,9 Billionen Euro. Die Niederländer rangieren mit durchschnittlich 21.000 Euro knapp dahinter und sind neben den Griechen das ansonsten einzige Land mit einem positiven Saldo; Griechenland verdankt sein gutes Abschneiden allerdings Zugewinnen in den Vorkrisenjahren.

          Die großen Verlierer sind Portugiesen, Franzosen und Italiener. 40.000, 56.000 und 74.000 Euro haben sie je Kopf weniger in der Tasche. Als zweit- und drittbevölkerungsreichste Euroländer beläuft sich das Minus für Frankreich und Italien auf 3,6 und 4,3 Billionen Euro. Auch wenn sich die Studie auf die großen Mitgliedstaaten beschränkt, übersteigt der Gesamtverlust (8,6 Billionen) den Gesamtgewinn (2,2 Billionen) des Euros deutlich.

          Zur Berechnung verglichen die Forscher die Entwicklung in Euro- und Nicht-Euroländern. Dabei ermöglichten die methodischen Vorzüge der synthetischen Kontrollmethode nicht bloß, Schweden Deutschland gegenüberzustellen, sondern die Werte der Vergleichsgruppe länderspezifisch zu mitteln.

          Das heißt: Frankreich wurde mit Australien und Großbritannien verglichen, die Niederlande unter anderem mit Dänemark und Japan. Das Ergebnis soll also angeben, wie viel Geld mehr oder weniger die Euroländer zur Verfügung hätten, wenn sie die Währung nicht eingeführt hätten.

          Gründe deuten die Forscher nur an. So führen sie die Verluste in Italien und Frankreich auf ausgebliebene Strukturreformen zurück – wie das besser dastehende Spanien sie vorgenommen habe. Die Deutschen dagegen dürften ihr Plus vor allem der Abwertung infolge der lockeren Geldpolitik verdanken, sichtbar an den hohen Zuwächsen von 2008 an.

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