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Geldwäsche-Skandal : So funktionierte das System Liberty Reserve

  • Aktualisiert am

Der Firmensitz von Liberty Reserve in San Rafael de Escazu, Costa Rica Bild: dpa

Wieder ist ein internetbasiertes Finanzsystem in die Schlagzeilen geraten: Um das Bezahlsystem Liberty Reserve soll Geldwäsche in Rekordhöhe abgewickelt worden sein. Fünf Fragen und Antworten.

          Im Internet kann man Finanzsysteme betreiben, über die Behörden so gut wie keine Kontrolle haben. Ein Beispiel dafür ist die digitale Kunstwährung Bitcoin, die zuletzt mit einer Kurs-Achterbahn Aufmerksamkeit auf sich zog. Jetzt sorgt ein anderer Fall für Schlagzeilen: Über das Internet-Bezahlsystem Liberty Reserve sollen Geldwäsche-Zahlungen von sechs Milliarden Dollar geflossen sein.

          Wie soll die Geldwäsche über Liberty Reserve funktioniert haben?

          Nutzer von Liberty Reserve konnten sich gegenseitig online Geld überweisen. Dabei durfte man auch jegliche falsche Angaben zur eigenen Person machen, vom Namen bis zur Adresse - denn Dokumente musste niemand vorzeigen. An der Tagesordnung waren Namen wie „Russia Hackers“ oder „Hacker Account“.

          Zudem wurden die Überweisungen in der hauseigenen Einheit „LR“ verschickt. Man konnte die Liberty-Reserve-Währung bei mehreren Wechseldiensten kaufen und wieder in offizielle Währungen umtauschen. Mit diesem zweistufigen System waren die Geldströme für Behörden nicht mehr nachzuverfolgen.

          Wer waren die Kunden von Liberty Reserve?

          Laut Anklage der amerikanischen Behörden wurde der Dienst genutzt, um zum Beispiel Einkünfte aus dem Drogenhandel, illegalem Glücksspiel oder Betrugsdelikten zu waschen - aber auch um kriminelle Geschäfte abzuwickeln, etwa Hacker für erbeutete Kreditkarten-Informationen zu bezahlen. Die Ermittler gehen davon aus, dass so gut wie das gesamte Zahlungsvolumen von rund sechs Milliarden Dollar aus kriminell erworbenen Geldern bestand. Kunden, die durch das Vorgehen der Behörden rechtmäßige Einnahmen verloren haben sollten, wurden aufgerufen, sich zu melden.

          Könnten die Geldwechsler nicht einen Hinweis auf die Identität der Kunden liefern?

          Kaum, denn die empfohlenen Wechseldienste mit Namen wie Swiftexchanger oder AsianaGold gehörten nach Erkenntnissen der Ermittler zum System von Liberty Reserve dazu. Sie waren in Ländern mit lascher Finanz-Aufsicht wie etwa Nigeria oder Vietnam angesiedelt. Die Domainnamen hätten den Betreibern von Liberty Reserve gehört.

          Wie verdiente Liberty Reserve mit?

          Der Bezahldienst nahm als Kommission ein Prozent des Überweisungsbetrags und erhob zusätzlich eine „Privatsphären-Gebühr“ von 75 amerikanischen Cent pro Zahlung. Dafür wurde die Kontonummer des Überweisenden im System von Liberty Reserve unkenntlich gemacht.

          Was ist der Unterschied zu anderen digitalen Währungen?

          Auch die gerade erst in die Schlagzeilen geratene Internetwährung Bitcoin ist eine unregulierte künstliche Digitalwährung. Sie wird aber in einem komplizierten und rechenaufwendigen Prozess erstellt. Außerdem ist das Bitcoin-Volumen drastisch eingeschränkt, was die Währung unattraktiv für Geldwäsche macht.

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