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Geldpolitik : Zentralbanker warnen vor niedrigen Zinsen

Die großen Notenbanken der Welt haben zuletzt einen neuen Anlauf genommen, um mit leichtem Geld die Finanzmärkte zu stabilisieren Bild: dpa

Führende Geldpolitiker haben vor Risiken gewarnt, die mit der Politik des lockeren Geldes einhergehen. Die Chefs der japanischen Notenbank und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sowie der frühere EZB-Chef Trichet nahmen bei einer Konferenz Banken und Regierungen ins Visier.

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          Wichtige Zentralbanker der Welt haben vor den Gefahren der expansiven Geldpolitik und vor Notenbankzinsen gewarnt, die zu lange zu niedrig bleiben. Eine aggressive Senkung der Zinssätze sei nach dem Platzen einer Blase definitiv nötig, sagte Masaaki Shirakawa, der Gouverneur der Bank von Japan, auf einer Konferenz der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve in Washington. „Die Nebeneffekte und Grenzen müssen aber in Betracht genommen werden.“ Ähnlich äußerte sich der Generaldirektor der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, Jaime Caruana. Er warnte, dass niedrige Zinsen die Finanzinstitute dazu verleiteten, die Sanierung ihrer Bilanzen hinauszuzögern. Das hemme die wirtschaftliche Erholung nach einer Krise und verringere das langfristige Wachstumspotential.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Shirakawa erklärte, eine verzögerte Sanierung der Bilanzen schwäche die Geldpolitik als Mittel, um Nachfrage zu stimulieren. Er nannte drei weitere Gefahren niedriger Zinsen. Diese verringerten die Produktivität, weil Investitionen mit niedriger Profitabilität möglich würden. Sei eine gewisse Grenze erreicht, drückten noch niedrigere Zinsen zudem die Zinsmarge der Banken und störten so die effiziente Verteilung des Kapitals in einer Wirtschaft.

          Nicht zuletzt warnte Shirakawa, eine lockere Geldpolitik treibe Kapital ins Ausland und - über einen Aufschwung in den Schwellenländern - die Rohstoffpreise in die Höhe. Shirakawas Warnungen vor einer Geldpolitik, die zu lange zu locker ist, steht die Geldpolitik der Bank von Japan gegenüber. Sie hält seit 2000 den Leitzins bis auf zwei kürzere Episoden nahe null Prozent. Erst vergangene Woche hatte Shirakawa erklärt, ein höherer Zins sei derzeit nicht geboten.

          Die Notenbanker beschäftigen aktuell vor allem Fragen der „makroprudentiellen“ Aufsicht. Die Zentralbanken sollen nach dieser Idee mit aufsichtsrechtlichen Vorgaben die gesamtwirtschaftlichen Risiken von Finanzkrisen eindämmen. Die reguläre Zinspolitik wäre damit frei, um wie gewohnt die Inflation in Schach zu halten oder die Wirtschaft zu stützen. Als Mittel der makro-prudentiellen Aufsicht sollen höhere Kapital- oder Liquiditätsstandards für Banken oder Obergrenzen für den Kredithebel (leverage) dienen. Shirakawa hält diese Zweiteilung für abwegig. Es sei nicht vielversprechend, finanzielle Ungleichgewichte durch makroprudentielle Maßnahmen und Regulierungen anzugehen, ohne zugleich die Geldpolitik zu bemühen. Das komme dem Versuch gleich, endlos Wasser aus einem überfließenden Behälter zu schöpfen, ohne den Wasserhahn zuzudrehen, sagte der Notenbankgouverneur.

          Trichet schließt dauerhafte Nothilfe der Geldpolitik nicht aus

          Caruana verwies auf die Erfahrungen in seinem Heimatland Spanien. Die heute diskutierten neuen Werkzeuge hätten den rapiden „Boom“ am Kredit- und Hausmarkt allein nicht stoppen können. Die Geldpolitik müsse mit Zinsanhebungen unterstützend wirken, um eine „kleine Chance“ zu haben, solchen Übertreibungen der Finanzmärkte begegnen zu können. Mervyn King, der Gouverneur der Bank von England, bezeichnete es dagegen als immer noch offene Frage, ob man die Geldpolitik einsetzen solle, um sich Blasen an den Finanzmärkten entgegenzustemmen, oder ob man die aufsichtsrechtlichen Möglichkeiten erweitern müsse.

          Jean-Claude Trichet, der frühere Präsident der Europäischen Zentralbank, zeichnete ein womöglich düsteres Bild der geldpolitischen Zukunft. Er schloss nicht aus, dass die Zentralbanken ihre Bilanzen, die in der Krise durch Ankäufe von Staatsanleihen und Wertpapieren anschwollen, nicht auf ein Normalmaß zurückführen könnten. Im Idealfall handele es sich um zeitweise Sondermaßnahmen der Geldpolitik, sagte Trichet. Mit den Fortschritten der Informationstechnik und der engen internationalen Verflechtung der Finanzmärkte sei die Welt aber in ein neues Zeitalter eingetreten. Womöglich ergebe sich daraus die Notwendigkeit, dass die Zentralbanken nun dauerhaft mit geldpolitischen Sondermaßnahmen gegen Gefahren für die Finanzmarktstabilität angehen müssten. Trichet sagte, er hoffe, dass diese Vermutung nicht einträte.

          Die EZB sieht er für eine solche Situation dennoch gut aufgestellt. Im Unterschied zu anderen Notenbanken betrachtet die EZB ihre geldpolitischen Sonderaktionen als Mittel, um die Funktionsfähigkeit der normalen Geldpolitik zu sichern. Damit sind auch höhere Zinsen mit einer über drei Jahre dauernden Geldleihe an die Banken vereinbar. Andere Zentralbanken wie die Fed sehen die Ankäufe von Staatsanleihen oder Wertpapieren dagegen als Mittel, um in Zeiten des Nullzinssatzes noch geldpolitischen Spielraum zu bewahren. Trichet verglich sie mit einem Autofahrer, der im Schlamm den Vierradantrieb anschalte. Die EZB räume dagegen mit ihren Sondermaßnahmen Geröll aus dem Weg, damit das Auto normal weiterfahren könne. Diese feinsinnige Unterscheidung fand bei vielen Teilnehmern der Konferenz wenig Anklang. Die meisten der Referenten warfen die Ankäufe von Wertpapieren und Staatsanleihen durch die Fed oder andere Notenbanken mit den Sondermaßnahmen der EZB als quantitative Lockerung der Geldpolitik in einen Topf.

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