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Geldpolitik : Wissenschaftlerin warnt vor Liquiditätsfalle in Amerika

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Die Vereinigten Staaten drohen in eine Liquiditätsfalle zu geraten, in der auch frisches Geld der Zentralbank die Konjunktur nicht ankurbeln kann. Die Ökonomin Janet Yellen plädiert für kräftige Zinssenkung.

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          Die Vereinigten Staaten drohen in eine Liquiditätsfalle zu geraten, in der auch frisches Geld der Zentralbank die Konjunktur nicht ankurbeln kann. Sollten sich nicht bald die Hinweise auf einen Wirtschaftsaufschwung mehren und die Inflationsrate weiter sinken, dann muß die Federal Reserve (Fed) die Zinsen schnell und deutlich senken, möglicherweise schon vor der nächsten Sitzung des geldpolitischen Rates Ende Juni. Dafür hat Janet Yellen, Ökonomin an der renommierten Universität Berkeley und vormals selbst Mitglied im Direktorium der Fed, im Gespräch mit dieser Zeitung plädiert. Wenn nötig, müsse die Fed auch zu "unkonventionellen" Maßnahmen wie dem Kauf von langlaufenden Staatsanleihen bereit sein, um die Gefahr eines Rückgangs des allgemeinen Preisniveaus, der sogenannten Deflation, abzuwenden.

          Nach Ansicht Yellens, die für einige Zeit auch zum Stab der Wirtschaftsberater von Präsident Bill Clinton zählte, gerät in der aktuellen Debatte um eine mögliche Deflation in den Hintergrund, daß schon der fortgesetzte Rückgang der Inflationsraten (Disinflation) mit erheblichen Schwierigkeiten für die Wirtschaft verbunden sei. "Wenn die Inflation sinkt, steigt automatisch der Realzins. Der Rückgang der Teuerung in den vergangenen Monaten hat die Zinssenkung der Fed um 50 Basispunkte vom vergangenen November schon zunichte gemacht", argumentiert Yellen. Die Kerninflationsrate, die den Anstieg der Verbraucherpreise ohne Einbeziehung besonders schwankungsanfälliger Preise für Energie und Nahrungsmittel mißt, sei in den zurückliegenden drei Monaten auf weniger als ein Prozent gesunken. "Der Druck auf die Preise wird so lange fortbestehen, wie die Arbeitslosenquote über fünf Prozent liegt", sagt Yellen voraus. Derzeit beträgt die Arbeitslosenquote in Amerika 6 Prozent. Ziel der Geldpolitik müsse es darum unter den jetzigen Umständen sein, schnell einen Impuls für mehr Wachstum und Beschäftigung zu geben.

          "Die Fed hat in den vergangenen Wochen auch schon einiges zu diesem Zweck unternommen. Beispielsweise hat sie deutlich gemacht, daß die kurzfristigen Zinsen für eine lange Zeit sehr niedrig bleiben werden. Das hat auch die Renditen am langen Ende des Kapitalmarktes sinken lassen", erläutert Yellen, die trotz ihrer Lehr- und Forschungstätigkeit im fernen Kalifornien in der amerikanischen Hauptstadt immer noch präsent ist und der Politik mit Rat zur Seite steht.

          Die Schwäche des Dollar gegenüber Euro und Yen stehe in Zusammenhang mit der Zinsentwicklung an den amerikanischen Kapitalmärkten, meint die Ökonomin. Die Abwertung des Dollar werde den Export beleben und auf diese Weise einen Beitrag zum Wachstum leisten. Auch lasse dies auf einen leichten Preisschub hoffen, weil die Importpreise stiegen. "Ich rede nicht Devisenmarktinterventionen oder dem ,Herunterreden' des Dollar das Wort. Aber wenn die Fed über die Zinsentwicklung auf den Wechselkurs Einfluß nimmt, so ist dagegen nichts einzuwenden." Die "Politik des starken Dollar" die die amerikanische Regierung seit den neunziger Jahren vertreten habe, sei freilich "gar keine Politik im engeren Sinne". Die meisten Ökonomen hielten nämlich Interventionen am Devisenmarkt für wirkungslos, wenn diese nicht zugleich ein Signal für einen Kurswechsel in der Wirtschafts- und Finanzpolitik seien. Aus einer Reihe von Gründen, nicht zuletzt aber wegen des hohen Defizits in der amerikanischen Leistungsbilanz, hält Yellen den Dollar immer noch für "überbewertet". Es sei darum auch durchaus zu verstehen, wenn die Regierung von Präsident Bush sich nicht gegen die Abschwächung stemme und ein wenig von der Maxime eines starken Dollar abrücke.

          Sorge bereitet der Ökonomin die Abschwächung des Dollar allerdings in bezug auf Europa und Japan, deren Volkswirtschaften unter der Stärke ihrer Währungen leiden würden. "Europa sollte auf die Euro-Kursgewinne mit einer deutlichen Lockerung der Geldpolitik reagieren", empfiehlt sie. In Japan sei die Lage noch dramatischer, denn dort seien nahezu alle Möglichkeiten der Politik ausgeschöpft.

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