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Geldpolitik : Wenn Draghi vorangeht, folgen andere

Mario Draghi wird wohl im Oktober eine Verringerung der Anleihekäufe in Aussicht stellen. Bild: Reuters

Bald wird auch die EZB beginnen, die Geldpolitik zu straffen. Das wird auch einen hochbrisanten Streit zwischen Ökonomen klären.

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          Nach der Bundestagswahl konzentriert sich das öffentliche Interesse verständlicherweise auf das Wahlergebnis und seine Folgen für die deutsche und die europäische Politik. Die Finanzmärkte haben auf die Bundestagswahl kaum reagiert, weil sich aus ihrer Sicht an den wirtschaftlichen und politischen Rahmendaten (zumindest zunächst) wenig ändern dürfte.

          Dagegen zeichnen sich in diesem Herbst Änderungen in der Geldpolitik ab, die langsam verlaufen und behutsam kommuniziert werden dürften, aber dennoch Wirkungen an den Finanzmärkten erzeugen könnten. Vor allem dürften sie zu einer empirischen Klärung einer erbitterten Streitfrage unter Ökonomen und Geldpolitikern beitragen: Sind die langfristigen Zinsen und Renditen vor allem wegen der expansiven Geldpolitik so niedrig, oder wird der langfristige Zins in erster Linie durch fundamentale Entwicklungen wie die Demographie und das niedrige Produktivitätswachstum tief gehalten?

          Trump muss entscheiden

          Denn die Geldpolitik ist dabei, zumindest den Fuß vom Gas zu nehmen. In den Vereinigten Staaten hat die Fed eine Reduzierung ihrer Anleihebestände beschlossen, deren Wirkung auf den Markt bisher nicht richtig eingeschätzt werden kann. Zudem dürfte sie, unabhängig von der Person des nächsten Fed-Vorsitzenden, an einer Politik vorsichtiger Erhöhungen der kurzfristigen Leitzinsen festhalten. Donald Trump mag einen Kandidaten nominieren, der anders als Janet Yellen redet. Aber er wird kaum einen Kandidaten nominieren, der substantiell anders als Yellen handelt.

          Auch in Europa nehmen die Anzeichen für eine Wende zu. Als erste Notenbank hat in diesem Jahr die Nationalbank in Prag ihren Leitzins erhöht. In London lässt die Bank of England durchblicken, dass die ursprünglich für 2018 geplante erste Leitzinserhöhung noch vor dem Jahresende beschlossen werden könnte. Und wenn auch in der Eurozone noch keine Zinserhöhungen auf der Agenda stehen, dürfte die EZB im Oktober Pläne für eine Reduzierung ihrer monatlichen Anleihekäufe ab Januar bekanntgeben.

          Dies sollte eine entsprechende Entscheidung in Stockholm befördern, wo der Gouverneur der Schwedischen Reichsbank, Stefan Ingves, zweimal auf sein doppeltes Stimmrecht in Pattsituationen zurückgreifen musste, um eine Reduzierung der Anleihekäufe zu verhindern. Sollte Mario Draghi vorangehen, dürfte dann auch Ingves bald folgen. Die Zeichen stehen an der Wand – jedenfalls solange sich am guten Ausblick für das Wirtschaftswachstum nichts ändert.

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