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Geldpolitik : Welteke deutet Zinssenkung an

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Welteke gibt Signale Bild: dpa

Eine Zinssenkung durch die EZB in der kommenden Woche wird immer wahrscheinlicher. Die Frage ist nur noch, wie hoch diese ausfallen wird.

          Bundesbankpräsident Ernst Welteke hat sich indirekt für eine Senkung der Leitzinsen in der Eurozone ausgesprochen. Mit Blick auf die Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag sagte er dem Handelsblatt: „Wenn wir auf mittlere Frist keine negativen Aspekte für die Preisentwicklung sehen, könnten wir möglicherweise einen Zinsschritt tun, um damit vielleicht auch psychologisch ein insgesamt verbessertes Klima zu schaffen.“ Dass sich ein EZB-Ratsmitglied im Vorfeld einer Sitzung so äußert, spricht für eine Zinssenkung.

          Im Unterschied zur US-Notenbank, die nach mehreren Zinsschritten zuletzt Anfang dieses Monats den Zielsatz für die Fed Funds Rate auf 1,25 Prozent gesenkt hat, liegt der Euro-Leitzins seit gut einem Jahr unverändert bei 3,25 Prozent. In den vergangenen Wochen war der Druck aus Politik und Wirtschaft auf die EZB gewachsen, die Zinsen zu senken. Seit der Ratssitzung Anfang November, bei der bereits intensiv über das Für und Wider einer Zinssenkung diskutiert wurde, seien die Wachstumsraten in wichtigen Euro-Ländern wie Deutschland und Frankreich weiter nach unten korrigiert worden, erläuterte Welteke.

          Wenn ja, wie hoch?

          Auch die im ifo-Geschäftsklimaindex erfassten Erwartungen hätten sich erneut verschlechtert. Außerdem habe die vorläufige deutsche Inflationsrate für November deutlich nachgegeben. „Insgesamt hat sich das Preisklima gegenüber der vergangenen Sitzung weiter entspannt“, urteilte Welteke. „Jetzt wird es sicher eine Abwägung geben, ob der Zeitpunkt für eine Zinssenkung gekommen ist und, wenn ja, ob um 25 oder 50 Basispunkte.“

          Dabei spielten immer wieder mögliche Reaktionen der Märkte eine Rolle - ob sie einen kleinen Schritt als Auftakt zu weiteren Schritten ansehen oder einen größeren als Unsicherheit der Notenbank auslegen würden. Das Argument, dass die Zinssenkung wegen der Wirkungsverzögerung der Geldpolitik zu spät kommen könnte, spricht laut Welteke nicht direkt gegen eine Lockerung. In einigen Euro-Ländern und den USA deuten Konjunkturdaten bereits wieder auf eine Erholung hin. „Worauf es im Augenblick ankommt, ist ein psychologisches Signal. Ich glaube aber nicht, dass man mit einer Zinssenkung die Konjunktur wesentlich beeinflussen kann.“

          Aus Weltekes Sicht spricht auch die Tatsache, dass das Geldmengenwachstum seit langem den von der EZB festgelegten Referenzwert von 4,5 Prozent übertrifft, nicht gegen eine Zinssenkung. Auf den ersten Blick würde die dynamische Geldmengenentwicklung zwar eher für eine Erhöhung der Zinsen sprechen. Aber auch die Bundesbank habe in einer vergleichbaren Situation trotz starker Geldmengenexpansion die Zinsen gesenkt, betonte Welteke. „Man muss klar machen, welche Signale die Geldmengenentwicklung sendet, wie sie sich zusammensetzt und was dahinter steckt. Ich sehe nicht, warum es zu einem Kommunikationsproblem kommen sollte.“

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