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Geldpolitik : Spekulieren mit den Notenbanken

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          Tierische Anspielungen liebt die Finanzwelt ja: An den Börsen kämpfen täglich Bullen und Bären. Bei den Zentralbanken ringen Tauben mit Falken, also Geldverteiler mit Stabilitätsfanatikern. In der abgelaufenen Börsenwoche aber drängte sich ein anderer Vergleich auf: Da verharrten die Weltbörsen regungslos wie die Kaninchen vor der Schlange. Sie warteten, was Ben Bernanke zu sagen hatte, der amerikanische Chef-Notenbanker, der sich am Freitag mit Vertretern seiner Zunft in Jackson Hole traf.

          Solange Bernankes Absicht nicht klar war, regte sich an den internationalen Aktienmärkten kaum ein Käufer. Denn die große Frage war: Kauft die wichtigste Notenbank der Welt zum dritten Mal in großem Stile Staatsanleihen auf und pumpt damit neues Geld in die Märkte? Die Frage ist umso spannender, als bald auch die Europäische Zentralbank über Staatsanleihenkäufe entscheiden will - während sich die Bundesregierung mit Macht dagegenstemmt.

          Bis 2008 galt das Aufkaufen von Staatsanleihen als Verzweiflungstat von Notenbankern

          Nach der Tagung der Notenbank Fed Anfang August hatten viele Marktbeobachter mit einem neuen Eingriff gerechnet. Da nämlich sagte Bernanke, die Fed sei bereit, „ziemlich bald“ neue Stimuli für den Markt zu schaffen, um die schwächelnde amerikanische Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

          Wann, wenn nicht jetzt, wäre der richtige Zeitpunkt dafür - wo doch das alte Stützungsprogramm zum Jahresende ausläuft? Und wo, wenn nicht hier - in Jackson Hole? Wo der Fed-Chef schon zweimal die große Geldmengenausweitung angekündigt hatte, das Quantitative Easing 1 und 2 (QE): 2009 startete er das erste Programm, in der turbulentesten Zeit der Finanzkrise. Und dann rief er im August 2010 das zweite aus, als Amerikas Wirtschaft sich zwar berappelt hatte, aber trotzdem nicht so recht in die Gänge kam. Prompt zogen jeweils die Aktienmärkte kräftig an. Noch bis 2008 galt das Aufkaufen von Staatsanleihen als wahre Verzweiflungstat von Notenbankern.

          Ben Bernanke in Jackson Hole
          Ben Bernanke in Jackson Hole : Bild: REUTERS

          Nun denkt Bernanke schon über das dritte Kaufprogramm seit 2009 nach. Die Fed werde „bei Bedarf“ eine zusätzliche Konjunkturstütze bieten, sagte er am Freitagabend. Daher können die Anleger nun weiter spekulieren, wer am meisten profitieren würde, wenn die Fed Anleihen kaufen würde. Und ob die Folgen in Europa bei Käufen der EZB ähnlich wären.

          „Helikopter-Ben“ hat schon 2 Billionen über Amerika abgeworfen

          Ein Blick auf die bisherigen Kaufprogramme der Fed könnte Anhaltspunkte liefern. Was das QE-2-Programm von 2010 bisher auslöste, ist bekannt: Es beflügelte die Finanzmärkte ganz gewaltig. Der Kurs des amerikanischen Aktienindex S&P 500 kletterte in den Monaten nach Bernankes Ankündigung um rund 24 Prozent. Besonders profitierten die Aktien von Kohle- und Bergbaufirmen, Energie- und Metallunternehmen, die Halbleiterei und viele Kleinstunternehmen, die Small Caps. Auch Rohstoffwerte erlebten einen wahren Schub. So stieg der Silberpreis um 90 Prozent, das Industriemetall Kupfer gewann 30 Prozent, der Ölpreis auch. Selbst die bis dahin arg abgestraften Bankaktien legten zu, wenn auch zaghaft. So bewirkte die Geldmengenausweitung einen größeren Aufschwung.

          Bild: F.A.Z.

          Allerdings nur an den Börsen - und auch nur für kurze Zeit, wissen Marktbeobachter jetzt ebenfalls. Viele Kurse knickten schon Mitte 2011 wieder ein, als das QE-2-Programm endete. Weshalb Bernanke schon im September neue Milliardenhilfen auslobte. Mehr als zwei Billionen Dollar hat „Helikopter-Ben“ über Amerika abgeworfen. Zumindest die großen Aktienindizes wie der S&P 500 hielten ihre Gewinne bis heute.

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