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Geldpolitik : Spannung vor Fed-Sitzung

  • Aktualisiert am

Die Mimik deutet Optimismus an Bild: dpa

Die US-Notenbank Fed wird Experten zufolge am Mittwoch erneut die Leitzinsen senken.

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          Nicht wenige geldpolitische Experten sehen die US Federal Reserve im Vorfeld der Sitzung des Offenmarktausschusses FOMC am Dienstag und Mittwoch kurz vor dem Ende des zu Jahresbeginn eingeleiteten Zinssenkungszyklus.

          Nachdem die Notenbank seit Januar den Zielsatz für die Fed Funds Rate um 250 Basispunkte auf 4,00 Prozent gesenkt hat, dürften bis zum Spätsommer höchstens noch ein oder zwei Zinsschritte von insgesamt minus 50 Basispunkten auf dem Programm stehen, heißt es, da die Fed bei Leitzinsen von unter 3,50 Prozent den Bogen überspannen könnte. Dabei wird nicht ausgeschlossen, dass bereits bei der am Mittwoch anstehenden Entscheidung dieser zugedachte Spielraum voll ausgenutzt wird.

          Für eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt sprechen durchaus zahlreiche Gründe. Die zuletzt veröffentlichten US-Konjunkturdaten haben keine Hoffnung auf eine schnelle Erholung der Wirtschaft gebracht. Die Industrieproduktion ist im Mai den achten Monat in Folge gesunken, der Rückgang betrug dabei 0,8 Prozent gegenüber April, weitaus stärker als es erwartet worden war. Die Kapazitätsauslastung fiel gleichzeitig mit 77,4 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 18 Jahren und damit auch unter das Niveau bei der vorerst letzten Rezession Anfang der neunziger Jahre. Die aktuellen Daten zum Auftragseingang sind darüber hinaus wenig ermunternd.

          Begleitet wurde diese Entwicklung von einer anhaltenden Serie von Gewinnwarnungen der US-Unternehmen, insbesondere im Technologiesektor. Zudem haben - auch als Folge dieser Gewinnwarnungen - weitere Ankündigungen über Massenentlassungen wie zuletzt beispielsweise bei Nortel verdeutlicht, dass der Rückgang der Arbeitslosenquote im Mai auf 4,4 Prozent womöglich nur eine vorübergehende Ausnahme dargestellt hat.

          Nur wenig positive Aspekte

          Positive konjunkturelle Aspekte lassen sich zurzeit allenfalls aus den Daten zum privaten Konsum, Verbrauchervertrauen und Bausektor ableiten, doch besteht hier die Gefahr einer negativen Entwicklung, wenn es zu einer erneuten und weitergehenden Verschlechterung der Arbeitsmarktsituation kommt. So hat auch Fed-Chairman Alan Greenspan bereits davor gewarnt, dass ein Rückgang beim privaten Konsum, der zu rund zwei Dritteln die US-Wirtschaftsleistung ausmacht, eine Rezession auslösen könnte.

          Neben dem weiter bestehenden Risiko einer Rezession wird auf die wieder günstigeren Inflationsdaten verwiesen, die am Mittwoch für einen großen Zinsschritt um 50 Basispunkte sprechen. Im Mai lagen die US-Verbraucherpreise in der Gesamtrate zwar immer noch um 3,6 Prozent höher als zwölf Monate zuvor, doch die Energie- und Lebensmittel ausklammernde Kernrate wies lediglich einen Preisanstieg von 2,5 Prozent aus. Die moderate Kerninflation wurde dann auch in der vergangenen Woche von Greenspan bei einem Auftritt vor dem Bankenausschuss des US-Senats hervorgehoben; der Fed-Chairman bezeichnete das Inflationspotenzial in den USA vor diesem Hintergrund als weitgehend eingedämmt.

          Blickt man auf die Finanzmärkte, so scheint nach Ansicht einiger Beobachter Wall Street bereits eine Zinssenkung um 50 Basispunkte eingepreist zu haben, was freilich nicht ohne Gefahren ist, sollten diese Erwartungen nicht bestätigt werden.

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