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Geldpolitik : Mark Carney wird neuer Chef der Bank of England

  • -Aktualisiert am

Mark Carney Bild: REUTERS

In London ist am Nachmittag unerwartet Mark Carney als nächster Chef der britischen Zentralbank ausgewählt worden. Carneys Ernennung ist eine Überraschung; als Favorit hatte Kings Vize Paul Tucker gegolten.

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          Der britische Schatzkanzler George Osborne hat zur großen Überraschung des Londoner Finanzzentrums den Gouverneur der kanadischen Notenbank, Mark Carney, zum neuen Gouverneur der Bank von England bestellt. Es ist das erste Mal in der Geschichte einer der großen Notenbanken der Welt, dass ein ausländischer Notenbankchef an die Spitze einer nationalen Zentralbank tritt. Paul Tucker, Stellvertreter des jetzigen Notenbankgouverneurs Mervyn King, der in der Londoner City als Favorit galt, bekommt die Position nicht. Der Amtswechsel erfolgt im Juli kommenden Jahres. Dann tritt King nach zehn Jahren ab.

          Carney war im Februar 2008 für sieben Jahre zum kanadischen Notenbankchef ernannt worden. Kanada ist eines der wenigen westlichen Länder der Welt, das die Krise weitgehend unbeschadet überstanden hat. Carney, der in Havard Wirtschaftswissenschaften studierte, gilt als international erfahrener Spitzenbanker, unter anderem als Vorsitzender des globalen Notenbankgremiums, des Financial Stability Boards.

          Galt eigentlich als Favorit: Paul Tucker
          Galt eigentlich als Favorit: Paul Tucker : Bild: Reuters

          Der britische Schatzkanzler George Osborne hat die Nachfolge dem britischen Parlament am Montag verkündet. Genauso wie King wird Carney einen Vertrag von fünf Jahren bekommen. Carney wird in Großbritannien die mit Abstand mächtigste, nicht gewählte öffentliche Person in Amt und Würden sein, denn vom kommendem Jahr an wird die Bank von England nicht nur für die Geldpolitik, sondern auch für die Aufsicht über 2000 Finanzinstitute und für die Kontrolle der Stabilität des gesamten Finanzsystems zuständig sein.

          Die Position des britischen Notenbankgouverneurs war das erste Mal in der Geschichte der Bank von England global öffentlich ausgeschrieben worden. Osborne setzt mit der Wahl von Carney ein Zeichen, mit dem er für einen radikalen Neuanfang in der Londoner City plädiert, angefangen bei der höchsten Position, die an dem wichtigsten internationalen Finanzzentrum der Welt zu besetzten ist. Die City ist von so vielen Skandalen erschüttert worden, die Öffentlichkeit so verbittert über die Banken- und Finanzkrise, der Staat wegen der Krise so überschuldet und die Bank von England so scharf in Kritik geraten, dass Osborne eine radikale Wende ansteuern will.

          Die „Bank of England“ in London
          Die „Bank of England“ in London : Bild: AFP

          Tucker war zwar Spitzenkandidat im Rennen um den Posten. Doch er war vor dem parlamentarischen Finanzausschuss im Sommer scharfer Kritik ausgesetzt gewesen. Der mittlerweile diskreditierte Vorstandsvorsitzende von Barclays, Bob Diamond, hatte Tucker bezichtigt, Barclays zur Manipulation des Libor-Zinses ermutigt zu haben. Gleichzeitig waren E-Mails verlesen worden, die ein überraschend vertrautes Verhältnis zwischen Tucker und Diamond anzuzeigen schienen. Außerdem verteidigte sich Tucker vor dem Ausschuss nur unbeholfen.

          Schon in der Finanzkrise war es zu schweren Differenzen zwischen der Bank von England, dem Schatzamt und der Finanzaufsicht, der Financial Services Authority (FSA), gekommen. King war in mehreren Untersuchungsberichten vorgeworfen worden, zu autokratisch gehandelt zu haben, zu wenig empfänglich für Kritik gewesen zu sein und aus ordnungspolitischen Gründen Entscheidungen hinausgezögert zu haben.

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