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Geldpolitik im Euroraum : Neuer EZB-Schlüssel

Blick auf den Main mit der Skyline Frankfurts, der Deutschherrenbrücke, dem Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Osthafenmole. Bild: Vogl, Daniel

Die Europäische Zentralbank hat die Kapitalquoten der Mitgliedsländer neu berechnet: Deutschlands Gewicht steigt, Italien fällt zurück. Das hat Folgen.

          Die alle fünf Jahre fällige Neuberechnung des EZB-Kapitalsschlüssels hat einige deutliche Verschiebungen ergeben. Vom 1. Januar 2019 an wird der Anteil vor allem von Deutschland merklich steigen, Italien und Spanien sowie einige andere Länder werden künftig geringere Kapitalanteile haben, wie die EZB mitteilte.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Die Anteile der nationalen Zentralbanken am Kapital der Europäischen Zentralbank werden nach dem wirtschaftlichen Gewicht und der Einwohnerzahl der Länder berechnet. Nach der Neuberechnung wird der EZB-Kapitalanteil der Deutschen Bundesbank deutlich wachsen – um 0,8 Prozentpunkte auf 26,4 Prozent bezogen auf die Anteile der 19 Notenbanken im Eurosystem.

          Die französische Notenbank Banque de France wird künftig 20,4 Prozent Anteil im Eurosystem haben (0,3 Punkte mehr als bislang). Besonders stark ist die Änderung für Italien. Weil seine Wirtschaft wesentlich schwächer gewachsen ist als der Eurodurchschnitt, fällt der EZB-Anteil der Banca d’Italia um 0,5 Punkte auf 17 Prozent. Noch stärker schrumpft wegen der durchgestandenen Rezession Spaniens Kapitalanteil, um 0,6 Punkte auf 12 Prozent. Den prozentual größten Rückgang muss Griechenland hinnehmen, das sowohl wirtschaftlich geschrumpft ist in der langen Rezession als auch Bevölkerung verloren hat. Sein Anteil am EZB-Kapital sinkt von 2,9 auf 2,5 Prozent.

          Kapitalschlüssel ist entscheidende Orientierungsgröße

          Auch die Nicht-Euro-Notenbanken aus der EU haben Kapitalanteile gezeichnet, doch ist ihr tatsächlich eingezahltes Kapital minimal. Insgesamt beträgt das EZB-Kapital weiterhin 10,9 Milliarden Euro. Nach der Höhe des eingezahlten Kapitals bestimmt sich die Verteilung der Gewinne und Verluste der EZB.

          Die Neuberechnung des Kapitalschlüssels wird auch Auswirkungen auf das Anleihekaufprogramm der EZB haben, doch ist noch unklar, wie stark diese ausfallen. Bislang hat die EZB für mehr als 2 Billionen Euro Staatspapiere gekauft. Im nächsten Jahr wird sie Ersatzkäufe für fällige Anleihen – sogenannte Reinvestitionen – im Volumen von mehr als 160 Milliarden Euro tätigen.

          EZB-Chef Mario Draghi hat betont, dass der Kapitalschlüssel die entscheidende Orientierungsgröße für die Aufteilung der Käufe sein soll. „Wenn die EZB nun ihren Anleihebestand nach dem neuen Kapitalsschlüssel anpassen würde und folglich bei den Ersatzkäufen Italien sehr viel weniger kaufen würde, hätte das destabilisierende Wirkung auf den italienischen Anleihemarkt“, sagte der Finanzwissenschaftler Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

          Schon heute sei Italien deutlich übergewichtet im EZB-Anleihebestand, nach Heinemanns Berechnungen um fast 5 Prozent relativ zum Kapitalschlüssel oder fast 20 Milliarden Euro. „Das Problem verschärft sich durch den neuen Kapitalschlüssel“, sagte Heinemann. Allerdings werde die EZB eine abrupte Anpassung vermeiden. Der Commerzbank-Ökonom Michael Schubert erwartet, dass die Zentralbank den neuen Schlüssel nur für die kommenden Käufe, die Reinvestitionen, anwenden werde. Damit würde sich der Anleihebestand nur sehr langsam an die neuen Kapitalquoten anpassen.

          Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, der Anteil der französischen Notenbank am Eurosystem wird künftig 0,3 Prozentpunkte geringer sein. Tatsächlich steigt der Anteil aber um 0,3 Punkte von 20,1 auf 20,4 Prozent. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. 

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