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Geldpolitik : EZB senkt Leitzins auf historisches Tief

  • -Aktualisiert am

Im Kampf gegen die Schuldenkrise: die Europäische Zentralbank Bild: Jung, Hannes

Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins von 1 auf 0,75 Prozent gesenkt. Das ist der niedrigste Leitzins, den es je in den Ländern der Währungsunion gegeben hat.

          Die EZB hat den Leitzins im Euroraum erstmals seit Einführung des Euro 1999 unter ein Prozent gesenkt. Der Zins wird um 0,25 Punkte auf 0,75 Prozent verringert.  Das ist der niedrigste Leitzins, den es je in den Ländern der Währungsunion gegeben hat.

          Mit der Zinssenkung schloss sich die EZB den Notenbanken von Großbritannien und China an, die ihrerseits kurz zuvor eine Lockerung der Geldpolitik bekanntgegeben hatten. China hatte überraschend den Einlagezins um 25 Basispunkte auf drei Prozent gesenkt und den Zins für Ausleihen um 31 Basispunkte auf sechs Prozent gekappt. Zugleich beschloss Großbritannien, zum dritten Mal seit Krisenbeginn die Notenpresse anzuwerfen und ein Anleihe-Rückkaufprogramm über 50 Milliarden Pfund zu starten.

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          Die Zinssenkung der EZB hatte sich nach entsprechenden Andeutungen des belgischen EZB-Chefvolkswirts Peter Praet in der vergangenen Woche abgezeichnet. Von den Märkten war der Schritt daher erwartet worden, einige Investoren hatten sogar auf eine Senkung auf 0,5 Prozent spekuliert. Die Senkung des Leitzinses hat die Finanzmärkte daher am Donnerstag eher leicht enttäuscht. Die Aktienbörsen gaben ihre Gewinne größtenteils ab, der Euro sackte deutlich unter die Marke von 1,25 Dollar

          Draghi: „Wir haben eine Artillerie, um Inflationsrisiken zu bekämpfen“

          Wie die Notenbank in Frankfurt weiter mitteilte, sinkt auch der Zinssatz, den Banken von der EZB gutgeschrieben bekommen, wenn sie bei ihr Liquidität parken, auf 0 von 0,25 Prozent. Für kurzfristigen Kredit von der EZB müssen die Institute künftig nur noch 1,5 Prozent berappen. Bislang waren es 1,75 Prozent gewesen.

          EZB-Präsident Mario Draghi hat die historische Zinssenkung mit dem Kampf gegen eine drohende Vertiefung der Rezession begründet. „Das Wachstum bleibt schwach und einige der zuvor festgestellten Abwärtsrisiken für den Wachstumsausblick für die Eurozone haben sich eingestellt“, sagte der Geldpolitiker bei seiner Pressekonferenz im Anschluss an die EZB-Ratssitzung. Auch habe der Inflationsdruck weiter nachgelassen. Außerdem habe die EZB eine „eine Artillerie, um Inflationsrisiken zu bekämpfen.“

          Die Zinsentscheidung sei in jeder Hinsicht einstimmig gefallen. Andere unkonventionellen Maßnahmen seien nicht diskutiert worden. Im Vorfeld war spekuliert worden, ob die EZB den Banken weitere Nothilfen zukommen lassen wird. Denkbar wäre eine abermalige Lockerung an die Anforderungen an das Pfand gewesen, das Geschäftsbanken als Sichheit hinterlegen müssen, wenn sie bei der Notenbank Geld leihen.

          Mario Draghi gab auf der Pressekonferenz auch keine Hinweise auf einen weiteren Langfristtender der Notenbank. Über eine solche Option war zuvor spekuliert worden. Draghi hatte in der Vergangenheit die langfristigen Finanzierungsgeschäfte mit der ungewöhnlich langen Laufzeit von drei Jahren scherzhaft als „Dicke Bertha“ bezeichnet.  Im Dezember und Februar hatte die EZB den Banken auf diesem Weg gut 1000 Milliarden Euro verschafft hat.

          Keine Rolle spielt derzeit für die EZB eine Wiederaufnahme ihrer umstrittenen Staatsanleihenkäufe. Auf die Frage, ob die EZB den Euro-Rettungsfonds ESM stärken könne, sagte Draghi: „Ich glaube nicht, dass etwas damit gewonnen wäre, wenn man die Glaubwürdigkeit einer Institution zerstört, indem man sie auffordert, sich außerhalb der Grenzen ihres Mandates zu bewegen.“

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