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Geldpolitik : Erwartungsdruck auf EZB steigt

Soll die Zinsen senken: EZB-Präsident Wim Duisenberg Bild: AP

Die EZB entscheidet heute über die Leitzinsen in der Euro-Zone. Mit einer erneuten Zinssenkung wird diesmal noch nicht gerechnet.

          3 Min.

          Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) ist heute zum ersten Mal in diesem Jahr zu einer Sitzung zusammen gekommen. Händler und Volkswirte erwarten laut Umfragen nahezu einstimmig Zinsruhe. Die EZB werde ihren Leitzins bei 2,75 Prozent belassen. Der Erwartungsdruck auf die Zentralbank aber bleibt.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Ausweislich der Zinssätze an den Terminmärkten rechnen die Händler an den Finanzmärkten bis zur Jahresmitte überwiegend mit einer weiteren Zinssenkung auf 2,5 Prozent. Umfragen unter Bankvolkswirten zeigen jedoch ein nahezu hälftig gespaltenes Bild: Entweder rechnen die Beobachter mit einer weiteren Zinssenkung zwischen März und Sommer. Oder aber die „ECB-watcher“ erwarten ab Herbst steigende Leitzinsen.

          Papademos schließt Zinssenkung nicht aus

          EZB-Vizepräsident Lucas Papademos hat weitere Zinssenkungen zuletzt nicht ausgeschlossen. Er sagte in einem Interview der Börsenzeitung: „Sollten Wachstum und Inflation gleichzeitig nachlassen, könnte eine Situation eintreten, dass durch eine Verschlechterung der Wirtschaftsbedingungen, aber nicht als Konsequenz eines Ölpreisschocks eine Zinsänderung wünschenswert sein könnte.“

          Papademos bezeichnete wie die meisten Beobachter die konjunkturelle Lage als ausgesprochen unsicher. Darin gründet das gespaltene Bild, das Analysten bezüglich der Zinsprognosen abgeben.

          Unsichere Konjunktur

          Erfüllen sich die Hoffnungen einer sich in der zweiten Jahreshälfte belebenden europäischen Konjunktur, braucht die EZB nach Meinung der einen Seite nichts mehr zu tun. Die dann zugleich anziehende Weltkonjunktur dürfte ein Ende des weltweiten Zinssenkungszyklus bedeuten.

          Die aktuellen Konjunkturindikatoren geben kein eindeutiges Bild. Ein Aufschwung ist nach wie vor möglich. Stimmungsindikatoren bei den Unternehmen zeigen eine leichte Besserung an.

          Inflationsrate soll sinken

          Erfüllen die Hoffnungen sich aber nicht, dürfte der Preisdruck weiter nachlassen. Das gäbe der EZB Raum für weitere Zinssenkungen. Schon den Zinsschritt vom Dezember hatte die Notenbank damit begründet, dass die erwartete Wirtschaftsentwicklung den Preisdruck dämpfen werde.

          Die Inflationsrate soll laut EZB-Prognose in diesem Jahr von zuletzt rund 2,2 Prozent unter die Marke von zwei Prozent sinken. Diese Marke steht für die EZB auf mittlere Sicht für Preisstabilität.

          Maßgeblich für den weiteren Verlauf der Geldpolitik ist somit, ob es zum Irak-Krieg kommt und wie sehr dieser die Weltwirtschaft beeinflusst. Konjunkturforscher verweisen darauf, dass zumindest bei einem schnellen Krieg ein Anstieg der Ölpreise nur kurzfristig wäre und die Wachstumsaussichten kaum dämpfen würde.

          Euro-Aufwertung begünstigt Zinssenkungen

          Entscheidend für die EZB wird in diesem Jahr auch sein, wie sich der Wechselkurs des Euro entwickelt. Zuletzt hat der Euro deutlich aufgewertet und sich sicher über der Parität zum amerikanischen Dollar etabliert.

          Die EZB verfolgt zwar keine explizite Wechselkurspolitik. Ein aufwertender Euro aber verringert das inflationäre Potenzial im Euro-Raum und begünstigt damit Zinssenkungen. Die Erfahrung in der Vergangenheit mit dem abwertenden Euro zeigt indes, dass die EZB sich viel Zeit nimmt, um auf Wechselkursbewegungen geldpolitisch zu reagieren.

          Der Geldmengenentwicklung, die schon seit über einem Jahr deutlich schneller als der Referenzwert der EZB wächst, wird die Notenbank nach Meinung der meisten Bankvolkswirte vorerst keine große Rolle zumessen. Üblicherweise ist eine rasch wachsende Geldmenge zwar Vorbote künftigen Preisdrucks. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten nach dem Platzen der Aktienkursblase und die Flucht in kurzfristige Geldmarktanlagen aber scheinen die Geldmengenentwicklung derzeit zu überzeichnen.

          Amerikas Wirtschaft und die Fed führen

          Ob der Zinssenkungszyklus in Europa und auch in den Vereinigten Staaten damit schon zum Ende gekommen ist, hängt somit maßgeblich von der Konjunktur und zwar vor allem von der amerikanischen ab. Denn auch das schwache Wachstum im Euro-Raum hing bis zuletzt überwiegend am Export.

          Die großen Notenbanken der Welt hatten 2001 mit einem Zinssenkungszyklus begonnen, in dem die EZB der Nachzügler war. Die amerikanische Fed hat seit Januar 2001 ihren Leitzins in zwölf Schritten von 6,5 auf 1,25 Prozent zurückgenommen. Der vorerst letzte Zinsschritt war im November 2002. Ende Januar kommt der Offenmarktausschuss der Fed wieder zusammen.

          Die EZB war am 11. Mai 2001 gefolgt und hat seither die Leitzinsen in fünf Schritten auf 2,75 Prozent herabgeschleust. Letztmalig war die europäische Notenbank im Dezember aktiv geworden und hatte den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 2,75 Prozent gesenkt. Nach Berechnungen des Hamburger HWWA-Instituts fährt die EZB damit seit Frühjahr 2001 einen geldpolitisch expansiven Kurs, der die Wirtschaft nicht bremst.

          Zinsruhe im Vereinigten Königreich

          Die Bank of England (BoE) hatte ihren Zinssenkungszyklus im Februar 2001 begonnen und den Leitzins bis November des Jahres in sieben Schritten von sechs auf vier Prozent herabgesetzt. Seither hat der geldpolitische Ausschuss den Zins auf dem 39-Jahres-Tief belassen. Wie für die EZB wird auch für die BoE, die am Mittwoch und am Donnerstag tagt, keine Zinssenkung erwartet.

          BoE-Gouverneur Sir Edward George hatte erst vergangene Woche in einem Radiointerview gesagt, dass die Verbraucherausgaben im Vereinigten Königreich zurückgingen und die Hauspreise vergleichsweise scharf fielen. Zugleich würde die Nachfrage amerikanischer Unternehmen die Weltwirtschaft ankurbeln. George wörtlich: „Das ist nichts, was deutliche Zinsänderungen in die eine oder andere Richtung erforderlich macht.“

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