https://www.faz.net/-gqe-78oj3

Geldpolitik : Die Schere im Süden

Der negative Realzins vernichtet das Kapital der Sparer. Für Deutschland müsste die Zentralbank eigentlich ihren Leitzins erhöhen. Doch nur mit niedrigen Zinsen komme Südeuropa aus der Krise, sagen viele. Stimmt das?

          Die Europäische Zentralbank steckt in der Zwickmühle. Da hat Bundeskanzlerin Merkel recht. Für Deutschland müsste die Zentralbank eigentlich ihren Leitzins erhöhen. Denn der negative Realzins vernichtet Kapital. Die Entschuldung von hochverschuldeten Eurostaaten erleben Millionen Sparer als „kalte Enteignung“, da die Zinsen Monat für Monat geringer sind als die Inflation, wie Sparkassenpräsident Fahrenschon feststellte. Wie will man da für eine auskömmliche Rente ansparen? Dabei wären höhere Rücklagen fürs Alter dringend nötig, denn neben den Vermögen sind auch die Rentenansprüche in Deutschland nicht so hoch, wie von Frau Merkel vermutet. In Tat und Wahrheit liegen heimische Renten im europäischen Vergleich ebenfalls unter dem Durchschnitt.

          Für andere Länder müsste die EZB eigentlich noch mehr tun, sagte Frau Merkel auf dem Sparkassentag. Warum? Alle Geldschleusen sind offen, Banken und Märkte mit Liquidität überflutet. Mehr kann die Zentralbank nicht tun; sie kann Unternehmen ja nicht zwingen, zu investieren. Glaubt jemand daran, dass noch eine kleine Leitzinssenkung von 0,75 auf 0,5 Prozent den Aufschwung nach Südeuropa bringen wird? Es wäre mit Blick auf die Forderung mancher Krisenstaaten nach Finanzierung durch die EZB besser, die Bundesregierung bliebe ihrer Linie treu, die Geldpolitik der EZB nicht zu kommentieren.

          Die unterschiedlichen Finanzierungsbedingungen in den Eurostaaten sind nicht die Ursache der Krise, sondern ihr Symptom. Darin drückt sich die Spaltung der Währungsunion aus, in einen wachsenden Norden und einen schrumpfenden Süden. Länder wie Deutschland sind wettbewerbsfähig und kostengünstig. In anderen sind die Lohnkosten zu hoch und die Produktivität zu niedrig. Seit dem Start der Währungsunion entwickeln sich Defizit- und Überschussländer wirtschaftlich immer weiter auseinander. Im Vergleich zu Deutschland stiegen in Frankreich die Löhne doppelt so stark, in Italien blieb obendrein die Produktivität fast stehen. Als Folge dieser Politik kommt es zu den traurigen Arbeitslosenrekorden im Süden. Die Lösung kann nicht sein, dass nun gesunde Länder mehr ausgeben. Die Schere zwischen Lohn und Produktivität muss dort geschlossen werden, wo Strukturreformen ausgeblieben und Kosten aus dem Ruder gelaufen sind.

          Topmeldungen

          Münchner Sicherheitskonferenz : Beten könnt ihr später

          Bei der Münchner Sicherheitskonferenz wird deutlich, wie schlecht es um die internationale Zusammenarbeit steht: Dieses Mal werden nicht alte Freundschaften aufgewärmt, sondern Vereisungen sichtbar.

          Nationaler Notstand : Donald Trump geht aufs Ganze

          Der amerikanische Präsident umgeht mit der Erklärung des nationalen Notstandes das Haushaltsrecht des Kongresses. Nicht nur die Demokraten sehen die Verfassung in Gefahr.
          Wie im Film: Anthony Modeste gibt sein Comeback beim 1. FC Köln und ist prompt vor dem Tor erfolgreich.

          Zweite Liga : Das fast märchenhafte Comeback des Anthony Modeste

          Titelkampf, Tränen, Traumtore: Das Duell zwischen Köln und Paderborn beinhaltet alles, was der Fußball zu bieten hat. Dabei kommt es zu einer ganz besonderen Szene. Und das Ergebnis stellt alles auf den Kopf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.