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Geldpolitik : Die Finanzmärkte erwarten von der EZB eine Zinssenkung

Sparsam mit Zinssenkungen: die Europäische Zentralbank Bild: dpa

Die Europäische Zentralbank steht am Donnerstag vor einer schweren Entscheidung. Präsident Duisenberg hat den Boden für eine Zinssenkung geebnet. Äußerungen von EZB-Ratsmitgliedern legen aber nahe, dass Diskussionsbedarf besteht.

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          Die Finanzmärkte haben sich auf eine Zinssenkung der EZB am Donnerstag „eingeschossen“. Gemessen an den Zukunftssätzen am europäischen Geldmarkt rechnen die Händler mindestens mit einem Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent. Aber auch ein großer Zinsschritt um 0,5 Prozentpunkte erscheint möglich. Am Donnerstag kommt der EZB-Rat zu seiner monatlichen geldpolitisch bestimmten Sitzung mit anschließender Pressekonferenz zusammen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Den Ausschlag für die Zinssenkungserwartungen der Märkte hatte EZB-Präsident Wim Duisenberg gegeben. Schon bei der Pressekonferenz Anfang Februar sagte Duisenberg, dass die EZB ihre internen Wachstumsprognosen wohl nach unten revidieren werde. Und beim G7-Treffen am 21. Februar zeichnete Duisenberg ein noch düstereres Bild, nach dem die jüngsten Wirtschaftsdaten die Erwartung eines Wirtschaftsaufschwungs im Laufe des Jahres nicht mehr stützten. „Wenn wir eine neue Einschätzung vornehmen hinsichtlich der Preisrisiken“, sagte Duisenberg, „werden wir nicht zögern, zu handeln“.

          Differenzierte Meinungen im EZB-Rat

          Eine Zinssenkung am Donnerstag um mindestens 0,25 Prozentpunkte wird darob von den meisten Beobachtern laut Umfragen für wahrscheinlich gehalten. Innerhalb des 18-köpfigen EZB-Rats aber sind die Meinungen deutlich differenzierter. Diesen Schluss lassen zumindest Äußerungen von EZB-Ratsmitgliedern aus den vergangenen Tagen zu.

          Der französische Notenbankpräsident Jean-Claude Trichet, der als Nachfolger von Duisenberg gehandelt wird, hatte noch vergangene Woche gesagt, die wirtschaftliche Erholung zum Jahresende werde „lebhaft, aktiv und signifikant“ sein. Das steht ebenso im Gegensatz zu Duisenbergs Äußerungen wie die Anmerkung von Klaus Liebscher, dem Chef der Oesterreichischen Nationalbank vor zwei Wochen, eine Zinssenkung sei nicht notwendig, um das Wachstum zu beleben. Der italienische Notenbank-Gouverneur, Antonio Fazio, sagte am Rande des G7-Treffens, die aktuelle Unsicherheit werde die möglichen Wirkungen jeder Änderung der Zinssätze überschatten. Fazio sagte, es sei „schwer vorstellbar“, dass eine Zinssenkung kurzfristig die (gesamtwirtschaftliche) Nachfrage beleben werde.

          Dagegen haben Bundesbank-Präsident Ernst Welteke, sein griechischer Kollege Nikos Garganas und EZB-Direktoriumsmitglied Tommaso Padoa-Schioppa sich zuletzt eher besorgt über die Wachstumsaussichten für den Euro-Raum geäußert. Die jüngst überraschend positiv ausgefallenen Indikatoren für das Geschäftsklima in Deutschland, Italien und Belgien hatte EZB-Chefökonom Otmar Issing mit den Worten kommentiert: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.“

          Widersprüchliche Informationen

          Der EZB-Rat muss am Donnerstag eine Fülle widersprüchlicher Informationen verarbeiten. So werden die Wachstumsaussichten für den Euro-Raum zwar derzeit allerorten gesenkt. Der Internationale Währungsfonds etwa rechnet nur noch mit einem Wachstum aufs Jahr gesehen von 1,3 Prozent, nach zuvor 2,3 Prozent. Andererseits deuten Stimmungsindikatoren unter Unternehmen wie zuletzt in Deutschland und Italien auf eine gewisse Stabilisierung der Lage hin. Das Vertrauen der Konsumenten in die Wirtschaft dagegen rutscht weiter ab, getrieben von Sorgen Arbeitsplatz. Damit sind die Aussichten auf eine Stärkung des Konsums gering. Der steigende Ölpreis wie der steigende Euro belasten die Konjunkturaussichten zusätzlich.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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