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Geldpolitik : Der Druck nimmt zu

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Volkswirte rechnen damit, dass Fed-Chef Alan Greenspan die Leitzinsen senkt Bild: dpa

Mit steigenden Arbeitslosenzahlen und sinkendem Verbrauchervertrauen wächst der Druck auf die Fed und die EZB, die Zinsen zu senken.

          An den Finanzmärkten ist die Sache bereits entschieden. Von der amerikanischen Notenbank Fed erwarten die meisten Beobachter am Mittwoch eine Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 1,50 Prozent. Damit nimmt auch der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) zu, die einen Tag später turnusgemäß zu einer Sitzung zusammenkommt.

          Nach dem drastischen Einbruch des Verbrauchervertrauens von 93,7 auf 79,4 Punkte im Oktober und weiter wachsenden Arbeitslosenzahlen ist die Mehrzahl der Analysten überzeugt, dass der Offenmarktausschuss (FOMC) eine Zinssenkung beschließt. So warnt Roger DiClemente von SalomonSmithBarney (SSB) davor, dass die jüngsten Konjunkturdaten auf eine Wachstumsverlangsamung im vierten Quartal hindeuten. Im dritten Quartal hatte das US-BIP noch um 3,1 Prozent zugelegt.

          „Kleine“ Zinssenkung am wahrscheinlichsten

          Um zu vermeiden, dass die US-Verbraucher ihre Ausgaben weiter einschränken und damit die Stütze der US-Wirtschaft wegbricht, hält DiClemente einen Zinsschritt um 50 Basispunkte für angemessen und realistisch. Auch Bruce Steinberg von Merrill Lynch hält einen Schritt um 50 Basispunkte für wünschenswert, sieht aber eine „kleine“ Zinssenkung als die wahrscheinlichere Option.

          Der entscheidende Zielsatz für Tagesgeld liegt in den USA seit dem 11. Dezember 2001 bei 1,75 Prozent und damit auf dem niedrigsten Niveau seit rund 40 Jahren. Bei der letzten Sitzung des FOMC Ende September hatten allerdings zwei der zwölf Mitglieder für eine Senkung des Zinssatzes gestimmt.

          Nicht ausgeschlossen bleibt jedoch, dass sich Fed-Chef Alan Greenspan alle Optionen bis zur nächsten Sitzung des FOMC offen lässt. „Die Fed dürfte am Mittwoch den ohnehin expansiven Kurs unterstreichen und ihre Bereitschaft zu einem flexiblen Handeln betonen“, ist John Ryding von Bear Stearns überzeugt. Kritiker warnen außerdem davor, dass sich die Fed immer stärker in Richtung Nullzinsen begibt, sollte sie den Erwartungen folgen, und schließlich keinen zinspolitischen Spielraum mehr hat, falls die Konjunktur noch stärker einbricht.

          Überraschung der EZB nicht ausgeschlossen

          Entschließt sich die Fed zu einer Zinssenkung, dürften auch die Rufe an die EZB lauter werden. Wenige Tage vor der Zinsentscheidung der EZB erwarten die meisten Beobachter keine Änderung der Leitzinsen von derzeit 3,25 Prozent. Die Unsicherheit, ob Wim Duisenberg die Märkte nicht doch überraschen könnte, wächst allerdings. Thorsten Polleit von Barclays Capital sieht den Druck auf die EZB im Falle eines gesenkten Fed-Funds-Zielsatzes „enorm erhöht“.

          Die anhaltende Diskussion um den Stabilitäts- und Wachstumspakt könnte sich jedoch als Hemmschuh erweisen. Nicht wenige Volkswirte rechnen damit, dass die politischen Einflussversuche ein wesentliches Argument für ein unverändertes Zinsniveau sein könnten.

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