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Geldpolitik : Amerikas Notenbank kauft weiter Anleihen

Die amerikanische Notenbank in Washington Bild: AP

Die Fed macht vorerst keine Abstriche an ihren milliardenschweren Anleihekäufen zum Ankurbeln der Wirtschaft. Sie kauft weiterhin für 85 Milliarden Dollar im Monat.

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          Die amerikanische Notenbank Federal Reserve behält wie weitgehend erwartet die Anleihekäufe bei und kauft weiter jeden Monat für 85 Milliarden Dollar Staats- und Hypothekenanleihen. Der Leitzins bleibt wie seit Dezember 2008 bei 0 bis 0,25 Prozent. Das hat der Offenmarktausschuss der Zentralbank am Mittwoch nach zweitägigen Beratungen in Washington mitgeteilt.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die wirtschaftliche Einschätzung des Ausschusses blieb dabei weitgehend unverändert. Der Ausschuss spricht wie zuvor von einer moderaten Wirtschaftsentwicklung. Auffällig und neu an der Erklärung ist, dass die im September ausgesprochene Warnung vor verschärften finanziellen Bedingungen – eine Floskel für höhere Marktzinsen und ungünstigere Kreditbedingungen – entfallen ist.

          Zugleich aber stellt die Fed heraus, dass die Erholung am Hausmarkt sich etwas verlangsamt habe. Das wird allgemein mit den gestiegenen Hypothekenzinsen begründet. Die Fed verweist darauf, dass die Fiskalpolitik das Wachstum bremse. Die Erholung am Arbeitsmarkt stuft die Fed etwas schwächer ein als zuvor, sie spricht nur von „ein wenig Verbesserung.“

          Wie im September, als die Fed wider allen Markterwartens die Anleihekäufe nicht verringert hatte, erklärte der Offenmarktausschuss, er wolle auf mehr Evidenz warten, dass die wirtschaftliche Erholung dauerhaft sei, bevor er die Anleihekäufe verringere. Die Fed versucht mit den Käufen langfristiger Staatsanleihen und von Hypothekenbesicherten Wertpapieren, die langfristigen Zinsen ein wenig zu drücken, um so die Konjunktur anzuschubsen.

          Analysten an den Finanzmärkten erwarteten vor der Fed-Entscheidung, dass die Notenbank die Anleihekäufe erst im kommenden Jahr wahrscheinlich im März zurücknehmen wird. Die neue Erklärung des Offenmarktausschusses dürfte diese Einschätzung kaum ändern.

          Weit verbreitet ist an den Finanzmärkten die Einschätzung, dass die Fed derzeit bewusst abwartet. Die teilweise Schließung von Bundesbehörden im Haushaltsstreit Anfang Oktober für 16 Tage hat die Unsicherheit über die wirtschaftliche Erholung erhöht. Die wirtschaftliche Dämpfung durch den „Shutdown“ wird nach Schätzungen die Erholung aber bei weitem nicht aus dem Gleis werfen. Unerquicklich ist für die Fed indes, das mit dem zeitweisen Ausfall von Behörden Wirtschaftsdaten noch für Wochen verzögert eintreffen.

          Wechsel an der Fed-Spitze im nächsten Jahr

          Die zuletzt verfügbaren Wirtschaftsdaten hatten eine deutliche Verlangsamung des Beschäftigungsaufbaus schon vor dem „Shutdown“ angezeigt. Während die Hauspreise weiter steigen, deuten andere Hausmarktindikatoren auf ein langsameres Tempo hin. Der Fiskalkrach in Washington hatte im Oktober die Stimmung der Verbraucher deutlich belastet. Inwieweit sich das in geringerem  Konsum niederschlagen wird, ist vorerst offen.

          Ein weiterer Grund, der für eine geldpolitische Korrektur erst im kommenden Jahr spricht, ist der bevorstehende Wechsel an der Spitze der Fed. Der jetzige Vorsitzende Ben Bernanke wird das Amt Ende Januar aufgeben. Seine designierte, aber noch nicht vom Senat bestätigte Nachfolgerin Janet Yellen, ist derzeit Vizevorsitzende der Fed. Bernanke könnte geneigt sein, die geldpolitische Kehrtwende von der ultralockeren Geldpolitik seiner Nachfolgerin als Signal für einen guten Einstieg zu überlassen.

          Derweil bleibt der Preisdruck in den Vereinigten Staaten verhalten. Im September fiel die Inflationsrate von 1,5 auf 1,2 Prozent, teilte das Arbeitsministerium am Mittwoch mit. Der Fall gründete weitgehend in Sondereffekten. Die Kernrate der Inflation, in der die besonders schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel nicht berücksichtigt werden, fiel von 1,8 auf 1,7 Prozent. Finanzmarktanalysten werteten die Daten als weiteres Signal, dass die Notenbank Federal Reserve eine schrittweise Straffung der lockeren Geldpolitik aufschieben werde.

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