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Geldpolitik : Amerikas Notenbank geht vom Gaspedal

  • -Aktualisiert am

Die wichtigsten Zentralbank der Welt bereit darauf vor, dass sie ihre extrem expansive Politik ändern wird. Das ist angemessen. Denn Amerikas Wirtschaft steht wieder ziemlich robust da.

          Der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, Ben Bernanke, hat die aktuelle geldpolitische Linie der Fed mit einem schönen Autofahrer-Bild beschrieben: Es gehe darum, weniger stark auf das Gaspedal zu treten, nicht aber darum, auf die Bremse zu treten. Für den Laien klingt das bizarr, deutet die Fed doch zugleich das Ende der Anleihekäufe an.

          Doch hat Bernanke recht. Die expansive Wirkung der quantitativen Lockerung misst sich mehr am Volumen der Anleihen und Hypothekenpapiere, welche die Fed dem Markt entzieht, als am Tempo der Zukäufe. Der Bestand an Anleihen in der Bilanz der Notenbank zeigt an, wie sehr Anleger in andere Anlageformen gedrängt werden. Auch wenn die Fed ihre Anleihekäufe womöglich bis zur Jahresmitte 2014 einstellen wird, bleibt ihre Geldpolitik ausgesprochen expansiv. Und das hängt nicht nur am Leitzins von nahe Null Prozent.

          Bernankes Problem aber ist, dass ihm seine Erklärungen am Markt keiner so recht glaubt. Der deutliche Anstieg der langfristigen Zinsen zeigt, dass die Anleger auch eine Zinswende erwarten - obwohl die Fed den Leitzins doch erst 2015 oder so anheben will. Dieses Missverständnis belegt, wie schwierig die Geldpolitik an der Nullzinsgrenze ist, wenn sie sich weitgehend auf die verbale „Offenmundpolitik“ stützt. Die Fed trägt zu den Verständnisschwierigkeiten bei, in dem sie mit einer Fülle an bedingten Schwellenwerten der Arbeitslosenquote versucht, dem Markt Leitplanken für die Ausstiegserwartungen zu setzen. Es ist niemandem an den Finanzmärkten zu verübeln, wenn er da nicht mehr richtig durchblickt.

          Schießen die Erwartungen einer raschen geldpolitischen Straffung deshalb über das Ziel hinaus? Nicht unbedingt. Erstaunlich an der Pressekonferenz Bernankes waren seine Hinweise, dass er den „überraschend starken“ Anstieg der Zinsen nicht als sonderlich dramatisch wertete, sondern darin auch Zeichen des Konjunkturoptimismus ausmachen wollte.

          Eine Volkswirtschaft, die trotz eines fiskalischen Entzugs von geschätzt rund 1,8 Prozent der Wirtschaftsleistung noch um 2 bis 2,5 Prozent wachsen soll, ist weitaus robuster und gefestigter, als es die Forderungen nach Billiggeldpolitik an den Aktienmärkten annehmen lassen. Eine Rücknahme der expansiven Geldpolitik und auch der Nullzinspolitik erscheint vier Jahre nach Ende der Rezession mehr als angemessen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

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