https://www.faz.net/-gqe-rxyc

Geldanlage : So sparen Anleger am besten Steuern

Bild: FAZ.NET

Anleihen unter Nennwert kaufen, lieber Index-Zertifikate als Fonds, und Verluste beim Fiskus angeben: Tips für die nächste Spekulation. Mit Bundesschätzen läßt sich die Steuerlast senken.

          3 Min.

          Ende Mai ist Stichtag: Dann muß die Steuererklärung fertig sein. Wer dabei bis zur Angabe von Zinsen und Kursgewinnen vorgedrungen ist, bricht regelmäßig in Verzweiflung aus. Denn die Regeln sind komplex.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch es lohnt sich, die steuerlichen Unterschiede der einzelnen Finanzprodukte zu kennen. Das spart nicht nur Steuern für 2005, sondern hilft auch bei der nächsten Investition, ein paar Euro mehr vor dem Fiskus zu retten. Das ist aber nur sinnvoll, wenn auch die Rendite stimmt.

          Anleihen

          Die einfachste Sparidee ist, Papiere zu kaufen, die weit unter dem Nennwert von 100 liegen. Dann ist der Zinskupon, auf den Steuern bezahlt werden müssen, niedrig. Da die Anleihen zu 100 zurückgezahlt werden, locken Kursgewinne, die nach einem Jahr steuerfrei sind. Zumindest, solange noch nicht die für 2007 geplante Spekulationssteuer eingeführt ist.

          Auch Zerobonds oder Bundesschatzbriefe des Typs B können Steuern sparen. "Das ist für diejenigen attraktiv, die bei Fälligkeit in einigen Jahren einen niedrigeren Steuersatz haben, etwa Rentner", sagt Bernd Schmitt, Steuerberater von Ernst & Young. Denn die Zinsen müssen erst am Ende der Laufzeit versteuert werden. Vorher werden sie in voller, unversteuerter Höhe in das Wertpapier eingerechnet und verzinsen sich damit weiter mit. Das steigert die Gesamtrendite. Sinnvoll sind die Produkte aber erst, wenn der Freistellungsbetrag ausgeschöpft ist. Ganz steuerfrei sind Zinsen aus Bausparguthaben, wenn der Sparer eine Arbeitnehmersparzulage oder eine Wohnungsbauprämie erhält oder der Zinssatz unter einem Prozent liegt.

          Aktien

          Kursgewinne sind zur Hälfte zu versteuern, wenn die Titel weniger als ein Jahr im Besitz des Anlegers waren und die Gewinne mindestens 1024 Euro (Verheiratete das Doppelte) betragen. Genauso können auch Verluste geltend gemacht und mit Gewinnen verrechnet werden. Dann ist nur der Saldo zu versteuern. Verluste können auch ins vorhergehende und beliebig oft ins nächste Jahr übertragen werden und dann in diesen Jahren mit Gewinnen verrechnet werden.

          Achtung bei einer Fusion zweier Unternehmen oder einer Übernahme, die über einen Aktientausch verwirklicht wird: Sobald die neuen Aktien im Depot sind, startet die Zwölfmonatsfrist von vorne. Werden zusätzliche Aktien über ein Bezugsrecht erworben, gilt das für diese neuen Papiere genauso. Bonusaktien hingegen stellen eine Art Dividende dar, die auch so besteuert werden müssen. Das heißt, sie sind zur Hälfte steuerpflichtig.

          Auslandsaktien werden teilweise schon dort besteuert. Dann kann die Steuer in Deutschland aber als Werbungskosten abgesetzt werden. Einige Länder senken auf Antrag die Steuer für Ausländer.

          Zertifikate

          Steuerlich ungünstig sind Finanzinnovationen. Das sind Produkte, die die Rückzahlung des eingezahlten Kapitals garantieren. Hier sind Kursgewinne auch nach einem Jahr noch zu versteuern. Bei anderen Zertifikaten, etwa auf eine Aktie oder einen Index, gilt auch die Zwölfmonatsfrist. Sie bieten den Vorteil, daß der Teil der Dividenden, den die Banken nicht als Gebühren für sich behalten, steuerfrei in den Kurs einfließt, wenn es sich um einen Performance-Index handelt.

          Wer hingegen direkt in Aktien investiert, muß die Dividenden versteuern, wenn auch nur zur Hälfte. Der Nachteil der Zertifikate ist, daß bei einem Verkauf innerhalb von zwölf Monaten der Gewinn voll zu versteuern ist, bei einer Direktanlage in Aktien hingegen lediglich zur Hälfte.

          Fonds

          Über einen Aktienfonds können Anleger Kursgewinne auch dann steuerfrei bekommen, wenn der Fonds Aktien innerhalb der Zwölfmonatsspanne verkauft. Zinseinnahmen und Dividenden des Fonds muß der Anleger aber genauso versteuern wie bei einer Direktanlage in Aktien oder Anleihen. Dies gilt auch, wenn der Fonds diese Erlöse gar nicht ausschüttet, sondern sofort wiederanlegt, also thesauriert.

          Verkaufen Anleger ihren Fondsanteil innerhalb von zwölf Monaten, müssen sie den Gewinn voll versteuern, Aktienbesitzer hingegen nur zur Hälfte. Seit Anfang 2005 müssen bei Fonds auch wieder Zwischengewinne bezahlt werden. Das sind die Zinserlöse, die der Fonds seit der letzten Ausschüttung erwirtschaftet hat. Da der Anleger sie bei der Ausschüttung voll bekommt, obwohl er gar nicht das ganze Geschäftsjahr Anteilsbesitzer war, muß er die Zwischengewinne zahlen. Beim Kauf gelten sie als Aufwendungen, die die zu versteuernden Einnahmen mindern. Beim Verkauf sind sie jedoch zu versteuern.

          Das kann man sich zunutze machen: Wer in einem Jahr hohe Erlöse erzielt, darf über den Fondskauf Zwischengewinne absetzen, um die Steuerlast zu senken. Geht er in Ruhestand und verkauft erst dann seine Anteile, zahlt er auch noch einen niedrigeren Steuersatz auf die Zwischengewinne. Ähnlich kann man auch vorgehen, wenn man Anleihen kauft. Die zu zahlenden Stückzinsen entsprechen den Zwischengewinnen bei Fonds.

          Geschlossene Fonds

          Die meisten Steuervorteile wurden Ende 2005 abgeschafft. Etwas begünstigt sind noch Schiffsfonds. Sie dürfen mit Hilfe der Tonnagesteuer besteuert werden. Je nach Modell kann dies die Steuerlast senken.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Kapitol in Washington

          Washington : Kongress beschließt Sanktionen gegen China

          In der chinesischen Provinz Xinjiang sind laut Menschenrechtsaktivisten mehr als eine Million Uiguren und andere Muslime in Haftlagern eingesperrt. Nun will Amerika die Regierung in Peking dafür bestrafen.
          Einer lernt noch schreiben, einer kann es schon.

          Corona und Gleichstellung : Wir erleben keinen Rückschritt

          Allerorten wird erzählt, durch Corona fielen die Geschlechter zurück in die fünfziger Jahre. Viele Familien erleben das gerade ganz anders. Die Erzählung vom Rückfall ist nicht nur für sie die falsche Geschichte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.