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Geldanlage : Analysten - ein Berufsstand am Pranger

  • -Aktualisiert am

Welchen Informationen kann man noch trauen? Bild: dpa

Ihre Tipps waren gefragt, solange es aufwärts ging. Das ist lange her. Seitdem hagelt es Kritik an Aktienanalysten - nicht immer zu Recht.

          4 Min.

          Sie waren die Stars des Internetbooms, jetzt handelt man sie als Sündenböcke: Das öffentliche Vertrauen in Aktienanalysten ist im Keller, dem Nemax gleich fällt ihr öffentliches Ansehen Punkt für Punkt. Der Grund: Zu viele Investoren haben sich auf deren Kaufempfehlungen verlassen, in einer Zeit, als der Börsenzug nach Süden fuhr. Dumme Anleger oder gerissene Analysten, könnte man emotional fragen, doch damit macht man es sich zu einfach.

          Das Bild vom Abzockerimage der Strategen trügt, auch wenn die einstigen Gurus Henry Blodget, Mary Meeker und Jack Grubman nun Besuch vom Staatsanwalt erhalten. Lassen sich die Vorwürfe mit Beweisen untermauern, dann handelten diese Analysten kriminell - eine Vorverurteilung des gesamten Berufsstandes wäre genauso unangebracht wie allen Politikern Bestechlichkeit zu unterstellen.

          Transparenz der Interessenkonflikte

          Einsicht herrscht hingegen darüber, dass die Interessenkonflikte der Analysten transparenter gemacht werden müssen. Auch in Deutschland stehen mit dem Vierten Finanzmarktförderungsgesetz, das noch in den Vermittlungsausschuss muss, die Zeichen auf Veränderung. §34b des novellierten Wertpapierhandelsgesetzes sieht Bußgelder bis 200.000 Euro vor, wenn Analysten ihre Offenlegungspflichten verletzten. Fortan müssen die potenziellen Interessenkonflikte bei Aktienempfehlungen deutlich gemacht werden.

          Finanzmarktförderungsgesetz regelt neu

          Rät der Bankanalyst zum Kauf einer Aktie, die von selbiger Bank innerhalb der letzten fünf Jahre an die Börse gebracht wurde, dann ist diese geschäftliche Verbindung öffentlich mitzuteilen. Ebenso, wenn die Konsortialbank mit dem Emittenten einen Betreuungsvertrag abgeschlossen hat oder mindestens ein Prozent des Grundkapitals besitzt.

          Analysten sind keine Geschworenen

          Das ist nur ein erster Schritt, um zerschlagenes Porzellan wieder zu kitten. Denn Bußgelder in dieser Höhe sind für milliardenschwere Konzerne Peanuts; Abschreckung kann nur durch öffentliche Ächtung der illegalen Praktiken erfolgen. Gleichzeitig muss sich noch erweisen, ob die Offenlegung der Interessen auf der ersten Seite einer Aktienanalyse oder irgendwo in kleingedruckten Fußnoten vorgenommen wird. Im besten Fall haben die neuen Regeln den Vorteil, dass der Anleger weiß, wann Analysten durch einen Interessenkonflikt eventuell befangen sein könnten. Befangenheit klingt negativ, doch Analysten sind keine Geschworenen.

          Loyalität kontra Neutralität

          Als Angestellte einer Bank sind sie per se Interessenvertreter des eigenen Hauses, die unterstützend lukrative IPO-Deals und Handelsumsätze generieren sollen. Andererseits verlangt es das Berufsethos, Informationen und Empfehlungen im Einklang mit der ökonomischen Realität zu verfassen. Loyalität zum Arbeitgeber einerseits, Neutralität im fachlichen Urteil andererseits - in diesem Spannungsfeld bewegt sich der Analyst. „Hält ein Bankanalyst ein geplantes IPO der eigenen Investmentabteilung für zu teuer und rät ab, dann hat er tatsächlich ein Problem“, bestätigt Fritz H. Rau, Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management DVFA, die Zwickmühle.

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