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Es geht um unser Geld : Rechnungshof: Förderung des Spitzensports muss transparenter werden

  • -Aktualisiert am

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Kolumne „Es geht um unser Geld“ Bild: Johannes Thielen

Das Innenministerium ist größter Geldgeber im Spitzensport und zahlt im Jahr mehr als 150 Millionen Euro. Das Geld wird nicht immer ordnungsgemäß eingesetzt.

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          Mehr Transparenz in der Förderung des Spitzensports - das ist die zentrale Forderung des Bundesrechnungshofes in einem Prüfbericht an das Innenministerium. Er greift damit die Sportförderung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) an: „ Die dargestellten Fördermittel der Verbände sind weder transparent noch untereinander vergleichbar. „Der Bundesrechnungshof empfiehlt eine Neuordnung der Verteilungskriterien“. Der Olympische Sportbund soll sein Beratungsmonopol verlieren, weil der Dachverband „nicht neutral“ sei. Das Innenministerium soll künftig mehr Kontrolle ausüben. Die Prüfer regen an, sich von neutralen Einrichtungen beraten lassen, die keinem Interessenkonflikt ausgesetzt sind.

          Das Innenministerium ist größter Geldgeber im Spitzensport und zahlt in diesem Jahr etwa 153 Millionen Euro, das sind 15 Millionen mehr als im Vorjahr. Dieser Zuwachs soll für den gesamten Olympia-Zyklus 2017 bis 2020 gelten.

          Auch die Bundeswehr fördert Spitzensportler

          Daneben gibt es eine Sportförderung der Bundeswehr, die sich im Einzugsbereich von Olympiastützpunkten und Leistungszentren auf die Spitzensportler konzentriert. Die Sportfördergruppen werden grundsätzlich im Organisationsbereich der Streitkräftebasis zusammengeführt. Ihre sportfachliche Führung erfolgt durch das Streitkräfteamt  - das ist die zuständige Stelle für die Spitzensportförderung der Bundeswehr. Die Bundeswehr verfügt über ein eigenes Kontingent an Förderplätzen, das durch das DOSB-Kontingent aufgestockt werden kann.

          Von der Sportförderung der Bundespolizei, die dem Innenministerium untersteht, profitieren die Spitzensportler insofern, als sie neben dem Sport  eine berufliche Laufbahn einschlagen können. 80 Prozent der Sportlerinnen und Sportler bleiben auch nach ihrer sportlichen Karriere bei der Bundespolizei.

          Ernst Eggers, Jahrgang 1939, studierte Betriebswirtschaft und politische Wissenschaften an der Universität Köln. Von 1987 bis 2001 war er Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr,  Landwirtschaft und Weinbau.
          Ernst Eggers, Jahrgang 1939, studierte Betriebswirtschaft und politische Wissenschaften an der Universität Köln. Von 1987 bis 2001 war er Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau. : Bild: Thorsten Martin

          Unabhängig davon stellte der Bundesrechnungshof fest, dass Olympiastützpunkte die Bundesmittel teilweise nicht ordnungsgemäß oder nicht wirtschaftlich eingesetzt hatten. So verzichteten sie auf Einnahmen, etwa aus der Vermarktung ihres Logos zu Werbezwecken, die die Förderung durch den Bund hätten reduzieren können. Sie verwendeten Bundesmittel nicht nur für Spitzensportler, sondern auch für Aufgaben, für die der Bund nicht zuständig ist. So finanzierten Olympiastützpunkte die sportmedizinische Betreuung von Sportlerinnen und  Sportlern, die gar keinen Spitzensport betrieben. Außerdem hatten Olympiastützpunkte gegen Reisekostenrecht und Vergabevorschriften verstoßen. Die Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit von Dienstfahrzeugen war auch nur teilweise nachgewiesen.

          Das Bundesinnenministerium sieht in der Förderung der Stützpunkte ein wesentliches Element der Spitzensportförderung. Für die 19 Olympiastützpunkte stellt das Ministerium jährlich rund 27 Millionen Euro bereit. Dadurch will das Innenministerium die Stellung der Bundesrepublik Deutschland im internationalen Sport sichern.

          Das Ministerium hat das Bundesverwaltungsamt angewiesen, jedes Jahr fünf Olympiastützpunkte vertieft zu prüfen. So ist sichergestellt, dass nach vier Jahren jeder Olympiastützpunkt mindestens einmal geprüft wurde. Die Beschäftigten der Olympiastützpunkte wurden bereits im Reisekosten- und Vergaberecht geschult. Die Schulungen will das Innenministerium mindestens alle zwei Jahre wiederholen lassen. Darüber hinaus wird das Bundesverwaltungsamt untersuchen, ob die Dienstfahrzeuge notwendig sind und wirtschaftlich genutzt werden.

          Was bleibt? Die Prüfer des Bundesrechnungshofes regen an, eine Neuordnung  der Verteilungskriterien für die Förderung des Spitzensports vorzunehmen. Dem Deutschen Olympischen Sportbund wird vorgeworfen, ein Beratungsmonopol auszuüben und das Innenministerium wird aufgefordert, stärker zu kontrollieren und sich von neutralen Einrichtungen beraten zu lassen. Wie der Stein des Weisen zu finden ist, bleibt offen.

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