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Sinkende Innovationskraft : Geht dem Mittelstand die Luft aus?

Handarbeit: Der deutsche Mittelstand ist ein Erfolgsmodell – aber die Innovationskraft ist in Gefahr. Bild: dpa

In Deutschland gibt es viele Weltmarktführer aus der Provinz. Eine Studie zeigt, warum dieses Standbein der Wirtschaft bedroht ist.

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          Sie sitzen oft in der deutschen Provinz und produzieren Waren, die auf der ganzen Welt gefragt sind: Die Rede ist von mittelständischen Unternehmen, die häufig mit ihren Produkten sogar Weltmarktführer sind. Egal ob Endverbraucher oder Industrie – die Kunden wissen Marken „made in Germany“ zu schätzen, die gerne auf der Technologieführerschaft in einem bestimmten Marktsegment beruhen. Doch dieser Vorsprung könnte bald verspielt sein, glaubt man einer neuen Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln. „Den Hidden Champions droht die Luft auszugehen“, warnen die Wissenschaftler. Denn laut der Untersuchung nimmt die Innovationskraft des größeren Mittelstands in Deutschland spürbar ab. „Es gibt deutliche Warnsignale“, sagt Studienautor Klaus-Heiner Röhl.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Zwar ist die Zahl der größeren mittelständischen Unternehmen in den vergangenen Jahren insgesamt gestiegen – innerhalb von 15 Jahren um mehr als ein Drittel auf rund 13700. Dort sind rund 8,5 Millionen Menschen beschäftigt, was einem Zuwachs seit 2003 von rund 36 Prozent entspricht. Im verarbeitenden Gewerbe zeichnet der größere Mittelstand damit für 43 Prozent aller Arbeitsplätze verantwortlich. Gleichzeitig kommt jedoch weniger Neues aus diesen Unternehmen auf den Markt. Laut IW führten im Jahr 2015 nur noch rund zwei Drittel der Unternehmen mit bis zu 1000 Mitarbeitern regelmäßig neue Prozesse und Produkte ein. Fünf Jahre zuvor seien es noch drei Viertel gewesen.

          Größere Mittelständler spielen eine wichtige Rolle

          Eine länderübergreifende Definition mittelgroßer Unternehmen gibt es nicht. Wenn in Deutschland vom Mittelstand die Rede ist, sind üblicherweise die kleinen und mittleren Unternehmen gemeint, kurz KMU. Davon gibt es rund 3,6 Millionen. Die meisten sind Familienunternehmen und werden von den Eigentümern geführt. Als Kriterium gilt in der Regel, dass diese Unternehmen nicht mehr als 250 Beschäftigte und höchstens einen Jahresumsatz von 50 Millionen Euro aufweisen. Darüber beginnt der größere Mittelstand, zu dem sowohl größere Familienunternehmen als auch mittlere Kapitalgesellschaften gezählt werden, die zum Beispiel im M-Dax gelistet sein können. Allerdings weist das IW auch darauf hin, dass viele Unternehmen aus diesem Börsensegment die Marke von 3000 Beschäftigten und einen Jahresumsatz von 500 Millionen Euro und damit die Grenze zu den Großunternehmen schon überschritten haben.

          Größere Mittelständler spielen bei Forschung und Entwicklung eine wichtige Rolle. Zwar vereinten laut Daten des Stifterverbandes Konzerne und Großunternehmen mit 34 Milliarden Euro im Jahr 2015 den größten Teil der Aufwendungen auf sich. Mittelständler zwischen 500 und 5000 Mitarbeitern steuern mit mehr als 16 Milliarden Euro allerdings auch einen erheblichen Teil dazu bei.

          Als Grund für die sinkende Innovationskraft sieht IW-Ökonom Röhl vor allem eine fehlgeleitete Wirtschaftspolitik der Europäischen Union und des Bundes. Aus seiner Sicht würden große Mittelständler in der Regel mit Großunternehmen gleichgesetzt und derselben Gesetzgebung und Regulierung unterworfen, obwohl sie in ihren gewachsenen Strukturen oftmals eher kleineren Mittelständlern glichen. Als Beispiel nennt er das Entgeltgleichheitsgesetz der schwarzroten Bundesregierung. Dieses garantiert einen individuellen Auskunftsanspruch für Beschäftigte in Unternehmen mit mindestens 200 Beschäftigten. Weitere Maßnahmen, die oft mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden sind, greifen von 500 Mitarbeitern an.

          Ähnliche Schwellen gelten auch für andere Gesetze. „Die Politik schnürt ihnen damit langsam die Luft ab“, warnt Röhl eindringlich. Deshalb fordert er die Digitalisierung der Verwaltung, damit Genehmigungsverfahren – etwa für neue Fabrikhallen – beschleunigt werden können. Außerdem sollte gesetzliche Regulierung besonders mit Blick auf die Folgen für den größeren Mittelstand geprüft werden. „Entscheidend ist aber vor allem die steuerliche Forschungsförderung, die die zukünftige Bundesregierung zügig umsetzen muss.“ Mit Blick auf die notwendigen Investitionen müsse der gesamte Mittelstand davon profitieren.

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