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DIW-Studie : Schwule haben geringeren Stundenlohn

  • Aktualisiert am

Homosexuelle haben einen geringeren Stundenlohn. Bild: dpa

Homosexuelle Männer verdienen laut einer neuen Studie schlechter als Heteros. Im Durchschnitt ist ihr Stundenlohn 2,14 Euro niedriger.

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          Schwule Männer bekommen auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Schnitt einen geringeren Stundenlohn als heterosexuelle. Die Differenz beim realen Brutto-Stundenlohn betrage rund 2,14 Euro, heißt es in einer Studie, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Donnerstag in Berlin vorstellt. Demnach liegt der durchschnittliche reale Brutto-Stundenlohn eines heterosexuellen Mannes bei rund 18 Euro.

          Besser ausgebildet, geringerer Verdienst

          Ein statistischer Beweis für Lohndiskriminierung von Homosexuellen am Arbeitsplatz sei damit aber nicht erbracht. „Das ist erstmal nur ein Indikator“, sagte Studienautor Martin Kroh. „Vermutlich gibt es eine Reihe von Erklärungen für die Lohnlücke.“ Laut Studie leisten homosexuelle Männer etwa mehr Überstunden als heterosexuelle. Auch das könnte eine von vielen Erklärung für einen geringeren Stundenlohn sein.

          Die Studie ergab laut Informationen der Funke Mediengruppe auch, dass Menschen, die sich offen als schwul, lesbisch oder bisexuell bezeichnen, im Vergleich zu Heterosexuellen im Schnitt besser ausgebildet sind, häufiger allein leben und sich im Privatleben eher auf Freunde als auf Familienangehörige verlassen. Nach Schätzungen des DIW bezeichnen sich in Deutschland derzeit knapp zwei Prozent der Erwachsenen als homo- oder bisexuell.

          Die Studie beruht im Wesentlichen auf den Angaben von lediglich 459 Befragten des Sozioökonomischen Panels (SOEP), die sich bei der Erhebung im Jahr 2016 selbst als homo- oder bisexuell bezeichnet hatten. Genau hier verbirgt sich eine weitere mögliche Fehlerquelle: Denkbar ist beispielsweise, dass sich Geringverdiener eher zu ihrer Homosexualität bekennen als Gutverdiener und die Angaben der 459 Befragten daher keineswegs repräsentativ sind.

          Das Panel ist eine repräsentative Langzeitbefragung von jährlich mehr als 30.000 Bundesbürgern. Die Daten geben Auskunft zu Fragen über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung oder Gesundheit.

          Die Studienautoren beklagen, dass es insgesamt zu wenige Daten über die Lebenssituation homosexueller Menschen in Deutschland gebe. Sie fordern deswegen, die Sozialberichte der Bundesregierung um das Merkmal der sexuellen Orientierung zu erweitern. Auch die EU empfehle, zur Bekämpfung von Homophobie und sexueller Diskriminierung regelmäßig vergleichbare Daten zur Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen zu erheben.

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