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Modellprojekt mit Mindestlohn : Tochter pflegt, Staat stellt sie an

Frau Grafl und ihre Mutter im Essszimmer der Familie, wo sie viel Zeit gemeinsam verbringen. Bild: Mafalda Rakoš

Die meisten Alten wollen, so lange wie es geht, Zuhause gepflegt werden. Doch Pflegekräfte fehlen überall. Ein Modellprojekt im Burgenland will Angehörigen die Betreuung attraktiver machen – und stellt sie zum Mindestlohn ein.

          5 Min.

          Seit 20 Jahren betreut Sabine Grafl ihre erblindete Mutter. Sie hilft bei der Morgentoilette, sorgt fürs Essen, macht Erledigungen, organisiert Einkäufe, begleitet die inzwischen 72 Jahre alte Dame bei immer häufigeren Arztbesuchen, tropft die Augen, cremt die brüchig gewordene Haut. Grafl tut, was Hunderttausende Töchter und zuweilen Söhne in Österreich und Deutschland jeden Tag tun: ihre gebrechlichen Eltern zu Hause versorgen, betreuen, pflegen. Einen großen Unterschied gibt es doch: Grafl wird dafür bezahlt, vom Staat.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Die blonde, 52-jährige frühere Büroangestellte gehörte zu den Ersten, die sich vor knapp zwei Jahren für ein neues Pflege-Modellprojekt im Burgenland beworben hatten. Das kleinste Land Österreichs liegt südlich von Wien und grenzt an Ungarn. Es ist das einzige österreichische Bundesland, in dem man sich seit Herbst 2019 als Betreuungsperson pflegebedürftiger Angehöriger anstellen lassen kann. Arbeitgeber ist die landeseigene Pflege Service Burgenland GmbH. Gezahlt wird Mindestlohn. Das sind maximal 1700 Euro netto. Alle Einzahlungen in die Sozialversicherung und Urlaub laut Tarif kommen dazu.

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