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Gehaltssteigerung : Altenpfleger verdienen mehr

Altenpfleger Ferdi Cebi füttert in Paderborn Heimbewohner Joseph P. Bild: dpa

Altenpfleger verdienen zu wenig, heißt es oft. Jetzt kommt Bewegung in die Gehälter: Die Verdienste steigen schneller als die der übrigen Deutschen. Das regelt der Markt selbst.

          Die Gehälter von Altenpflegern sind vielerorts nicht besonders hoch – aber sie steigen mittlerweile deutlich schneller als die Gehälter in anderen Berufen: Das mittlere Bruttogehalt für Fachkräfte in der Altenpflege belief sich Ende 2017 auf 2746 Euro im Monat. Dies waren 4,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und 12,4 Prozent mehr als noch im Jahr 2013, wie sich aktuellen Auswertungen der Bundesagentur für Arbeit entnehmen lässt. Das mittlere Monatsentgelt aller Beschäftigten in Deutschland lag Ende 2017 bei 3209 Euro. Dies waren 2,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und 8,6 Prozent mehr als Ende 2013.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Hauptgrund für die beschleunigten Steigerungen in der Altenpflege dürfte der Mangel an Fachkräften sein. Bei den Arbeitsagenturen waren zuletzt deutschlandweit nur 3054 arbeitslose Altenpfleger auf Fachkraftniveau registriert. Ihnen standen 14.404 freie Stellen für Altenpflegefachkräfte gegenüber, die Pflegearbeitgeber den Arbeitsagenturen gemeldet hatten. Die Zahl der gemeldeten freien Stellen war also beinahe fünfmal so hoch wie die der Arbeitslosen.

          Pflegehelfer bekommen nicht ganz so viel

          Allerdings beschränkt sich der starke Mangel auf qualifizierte Altenpfleger. Anders sieht der Arbeitsmarkt für einfache Pflegehelfer aus: Hier standen 29.000 registrierten Arbeitslosen nur 8100 gemeldete freie Stellen gegenüber. Das mittlere Gehaltsniveau für solche Helfer lag Ende 2017 bei 1944 Euro im Monat. Das waren knapp 4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und 11,5 Prozent mehr als noch 2013, wie die Statistik zeigt. Als mittleres Entgelt gilt hier der Medianwert. Er bezeichnet diejenige Lohnhöhe, die von genau der Hälfte der jeweils betrachteten Beschäftigten über- oder unterschritten wird. Dies bedeutet allerdings auch, dass die Hälfte der Pflegefachkräfte Ende 2017 noch weniger als 2746 Euro erzielte; die andere Hälfte allerdings mehr.

          Gleichzeitig gibt es deutliche regionale Unterschiede: Während in Baden-Württemberg das mittlere Gehalt für Pflegefachkräfte schon knapp über 3000 Euro im Monat lag, waren es in Brandenburg, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern weniger als 2500 Euro, in Sachsen und Sachsen-Anhalt sogar weniger als 2250 Euro. Allerdings verzeichnet die Statistik dort derzeit besonders kräftige Steigerungen: In den beiden Ländern erhöhte sich das mittlere Lohnniveau für Altenpflegefachkräfte allein im Jahr 2017 um 7,5 Prozent und damit mehr als doppelt so stark wie in Baden-Württemberg.

          „Nicht aufgrund politischer Interventionen“

          Der Bundesarbeitgeberverband Privater Pflegeanbieter (BPA) wertete die Entwicklung als Beleg dafür, dass der Arbeitsmarkt auch ohne Lohnvorgaben der Regierung funktioniere. Die steigenden Löhne seien „eine gute Nachricht für alle, die in der Altenpflege tätig sind“, sagte Verbandspräsident Rainer Brüderle. Und die Löhne stiegen „nicht aufgrund irgendwelcher politischer Interventionen“, sondern einfach weil Bewerber knapp seien.

          Hintergrund sind Pläne von CDU/CSU und SPD, alle Arbeitgeber in der Altenpflege unter einen Tarifvertrag zu zwingen, etwa den des öffentlichen Dienstes, um so die Löhne nach oben zu treiben. Doch gilt dieser Ansatz als verfassungsrechtlich problematisch, da er sowohl die Grenzen der Tarifvertragsfreiheit verletzen könnte, als auch das grundgesetzlich garantierte Selbstbestimmungsrecht der Kirchen und ihrer Sozialdienste.

          Der Arbeitgeberverband Pflege, der ebenfalls private Pflegeanbieter vertritt, hatte sich am Donnerstag für einen anderen Weg ausgesprochen. Er schlug vor, den seit 2010 bestehenden Branchenmindestlohn für Pflegehelfer um eine zweite, höhere Mindestlohnstufe für Pflegefachkräfte zu ergänzen. Solche zweistufigen Branchenmindestlöhne gibt es seit jeher im Baugewerbe und im Gebäudereinigerhandwerk. Anders als dort handeln im Pflegebereich allerdings nicht Tarifparteien den Branchenmindestlohn aus, sondern eine von der Regierung eingesetzte Kommission aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern der Branche.

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