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Gehälter-Diskussion : Top-Manager empfehlen Obergrenzen für Vorstandsbezüge

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Multi-Aufsichtsratschef Manfred Schneider: „Mir geht es darum zu verhindern, dass wir schon wieder Regeln von der Politik vorgesetzt bekommen. Das sollten wir selbst lösen.“ Bild: AFP

In einem Brief an die Aufsichtsratschefs aller Dax-Konzerne werben drei Spitzenmanager der deutschen Wirtschaft für freiwillige Gehaltsobergrenzen. Sie fürchten, andernfalls „schon wieder Regeln von der Politik vorgesetzt“ zu bekommen. Erste Schritte hat das Europäische Parlament bereits gemacht.

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          In der Diskussion um zu hohe Vorstandsvergütungen fordern drei Spitzenmanager der deutschen Wirtschaft, freiwillige Gehaltsobergrenzen für Vorstandsbezüge einzuführen. In einem vertraulichen Brief an die Vorsitzenden der Aufsichtsräte aller 30 Dax-Konzerne warnen Klaus-Peter Müller und Manfred Gentz vor drohenden Eingriffen der Politik. „Mit Sorge erfüllt uns, dass schon wieder Stimmen - auch im politischen Lager - laut werden, die Regelungen im Kodex oder gar durch Gesetz verlangen“, heißt es in dem Schreiben, aus dem das Handelsblatt zitiert. Müller ist Aufsichtsratschef der Commerzbank und Vorsitzender der Corporate-Governance-Kommission, die Regeln für gute Unternehmensführung erstellt. Gentz ist ehemaliger Daimler-Finanzvorstand und ebenfalls Mitglied der Kommission.

          „Das sollten wir selbst lösen“

          Die beiden Spitzenmanager schlagen vor, „dass in die Vergütungssysteme der Vorstände selbst Obergrenzen integriert oder in anderer Weise sogenannte Caps in die Vorstandsverträge aufgenommen werden, wobei Höhe und Angemessenheit natürlich im Ermessen der Aufsichtsräte liegen müssen“. Unterstützung erhalten sie dabei vom wohl einflussreichsten Aufsichtsrat der Republik, Manfred Schneider. Schneider ist Chefkontrolleur bei Bayer, Linde und RWE. Er sagte dem „Handelsblatt“: „Mir geht es darum zu verhindern, dass wir schon wieder Regeln von der Politik vorgesetzt bekommen. Das sollten wir selbst lösen. Das ginge ganz einfach durch Einziehen von Grenzen.“

          Die Diskussion hatte vor Kurzem wieder Schwung bekommen, als bekannt wurde, dass Volkswagen-Chef Martin Winterkorn von seinem Arbeitgeber für das vergangene Jahr 16,6 Millionen Euro erhielt. Müller und Gentz betonten, sie verstünden sich „weder als Instrument der Politik“, noch handelten sie „in vorauseilendem Gehorsam“. Es sei aber zu befürchten, „dass ansonsten Politiker schon aus populistischem Impuls an gesetzgeberische Maßnahmen denken“. „Wir sollten uns immer wieder klarmachen, dass auch und gerade marktwirtschaftliche Systeme des Verständnisses und der Akzeptanz der Gesellschaft bedürfen“, werben Müller und Gentz für ihre Idee.

          Europäisches Parlament legt vor

          Erste Schritte auf dem Weg zu politischen Gehaltsvorgaben hatte vor wenigen Tagen das Europäische Parlament gemacht. In den Gesprächen über die Basel-Kapitalregeln einigten sich die Abgeordneten darauf, dass die Boni von Bankangestellten nicht mehr höher als ihr Grundgehalt sein sollten. Die politischen Lager innerhalb der Europäischen Union „haben eine Einigung erzielt”, erklärte Philippe Lamberts, der die Diskussionen bei der Fraktionen der Grünen im EP koordiniert. Die Gespräche über weitere Vergütungsgrenzen sollen fortgeführt werden, fügte Lamberts hinzu. Rechtskräftig wird der Antrag des Parlaments aber erst, wenn die vom Basel-Komitee veröffentlichten Regeln von den Regierungen der Mitgliedsstaaten und vom EU-Parlament gebilligt werden.

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