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Gefällt-mir-Button : Facebook werkelt am Aus für die Like-Anzahl

  • Aktualisiert am

„Gefällt-mir-Button“ von Facebook Bild: dpa

Keine Likes mehr auf Facebook? Der Konzern testet einen Prototypen, bei welchem Nutzer deren Anzahl nicht mehr sehen können. Dahinter steckt auch eine kartellrechtliche Problematik.

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          Der Facebook-Konzern hat den Likes den Kampf angesagt: In sieben Ländern können Nutzer in einem Pilotversuch auf Instagram nicht mehr sehen, wie viele Likes die Posts anderer Leute erhalten haben. Nun weitet der Konzern den Test aus. Wie er der Website Techcrunch bestätigte, hat er auch für das Facebook-Netzwerk einen Prototyp entwickelt, in dem die Like-Anzahl versteckt wird. Noch wird das den Nutzern jedoch nicht angezeigt.

          Entdeckt wurde der Facebook-Test von der Social-Media-Analystin Jane Manchun Wong, die auf Twitter und ihrem Blog darüber schrieb. Sie analysierte die Android-App von Facebook und entdeckte im Code erste Anzeichen für ein Verstecken der Likes. Mit der gleichen Methode hatte Wong im April schon den Instagram-Test aufgedeckt und einige Tage vor der öffentlichen Bekanntgabe darüber berichtet. Der Versuch war zunächst in Kanada angelaufen. Mit den ersten Ergebnissen zeigte sich Facebook zufrieden und weitete das Projekt daraufhin auf Australien, Brasilien, Irland, Italien, Japan und Neuseeland aus. Für deutsche Nutzer sollte sich vorerst eigentlich nichts ändern, allerdings gab es Mitte August Aufregung, als auch einigen deutschen Instagram-Nutzern die Likes nicht mehr angezeigt wurden. Instagram teilte dann mit, dass es sich um ein Versehen gehandelt habe, das nach kurzer Zeit behoben worden sei.

          Der Facebook-Konzern begründet die Tests mit dem Schutz der Nutzer: Man wolle ihnen „helfen, sich auf ihre geteilten Fotos und Videos konzentrieren zu können – und nicht darauf, wie viele Likes sie bekommen“, sagte Tara Hopkins, Instagrams Cheflobbyistin in Europa, im Juli. Menschen sollten sich auf Instagram frei ausdrücken können. „Wir wollen nicht, dass sich die Nutzer zu sehr darauf fokussieren, miteinander zu konkurrieren“, hatte Instagram-Chef Adam Mosseri zuvor im Interview mit der F.A.Z. gesagt. Er wolle nicht, dass Instagram ein Wettbewerb sei. „Wenn die Menschen weniger Zeit auf Instagram verbringen, aber die Zeit viel mehr schätzen, in der sie sich dort aufhalten, könnte das ein guter Tausch für uns sein“, sagte Mosseri.

          Parallel zu dem Test untersuche der Konzern, ob die Nutzer sich durch die Änderungen anders verhielten und wie sich die versteckten Likes auf das Wohlbefinden der Nutzer auswirkten, sagte Mosseri. Die Arbeit an dem Facebook-Prototyp dürfte nun ein Indiz dafür sein, dass der Konzern die bisherigen Ergebnisse auf Instagram positiv einschätzt.

          Einige Wissenschaftler sehen die Tests dagegen skeptisch. „Das wird nicht funktionieren“, sagte der Münsteraner Medien- und Marketingprofessor Thorsten Hennig-Thurau im Juli der F.A.Z. „Wir Nutzer brauchen Heuristiken, die uns schnell gute Entscheidungen ermöglichen. Einzelne Posts anschauen und dann ihre wahre Schönheit und Qualität bewerten, das ist uns viel zu aufwendig. Das ist kein Ersatz für eine simple Heuristik wie die Anzahl an Likes.“ Den eigentlichen Grund für die Tests sieht er in dem gestiegenen gesellschaftlichen und politischen Druck: „Die haben einfach Angst“, meint Hennig-Thurau. Erst Ende August wurde bekannt, dass etliche amerikanische Bundesstaaten kartellrechtliche Untersuchungen gegen die Technologiekonzerne vorbereiten. Auch das Justizministerium und die Wettbewerbsbehörde FTC haben kartellrechtliche Überprüfungen angekündigt. Dort teilen sie die Zuständigkeiten auf: Die FTC ist dabei für Facebook zuständig. Erst im Juli hatte sie eine Rekordstrafe von 5 Milliarden Dollar gegen das Unternehmen verhängt.

          Die Tests machen zudem deutlich, wie sich die Position von Facebook gegenüber den Likes gewandelt hat. Ab dem Jahr 2009 trug die Like-Funktion maßgeblich zum Wachstum des sozialen Netzwerks bei. Noch im Jahr 2016 ging der Konzern gegen Add-ons vor, die Zahlen auf Facebook und Instagram versteckten. Entwickelt hatte diese der Wissenschaftler und Künstler Ben Grosser, der im Jahr 2012 einen „Facebook-Demetricator“ veröffentlicht hatte, um den Fokus von den Zahlen auf die Inhalte zu verschieben, wie er der F.A.Z. sagte. Nach einer Beschwerde von Facebook habe Google im Juli 2016 den Demetricator aus dem Web-Store für den Chrome-Browser genommen. Grosser wehrte sich mit Hilfe von Anwälten, der Demetricator ging wenig später wieder online. Jetzt sieht es so aus, als würde Facebook seine Plattformen selbst von den Likes befreien.

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