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Alte CDU-Gegner : Kohl versöhnt Merz und Merkel

Altkanzlerin und Baldkanzler? Angela Merkel und Friedrich Merz als Oppositionspolitiker im Jahr 2002 Bild: Wolfgang Eilmes, Imago

Einst rebellierten Angela Merkel und Friedrich Merz gemeinsam gegen Helmut Kohl. Jetzt führt sie das Gedenken an den Kanzler der Einheit wieder zusammen. Auch weil sie sich programmatisch an ihn angenähert haben – vor allem in der Sozialpolitik.

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          Fast ein Vierteljahrhundert ist es jetzt her, dass Angela Merkel und Friedrich Merz so etwas wie Freundschaft schlossen. Auf der Weihnachtsfeier der Unionsfraktion in der Godesberger Stadthalle steckten sie die Köpfe zusammen, im fernen Jahr 1998. Einig waren sie sich vor allem in einem: Die CDU müsse sich vom gerade abgewählten Kanzler und neuen Ehrenvorsitzenden Helmut Kohl (1930 – 2017) emanzipieren.

          Ralph Bollmann
          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Das hieß neben anderem auch, das Land fit zu machen für die Zukunft, mehr Markt zu wagen und weniger „Die Rente ist sicher“-Rhetorik, mit der sich Kohl viermal den Wahlerfolg gesichert hatte. Zeitweise war Merz sogar forscher als Merkel, was die Anti-Kohl-Rhetorik betraf.

          Insofern entbehrt es nicht der Ironie, wenn ausgerechnet Merz und Merkel an diesem Dienstag im Französischen Dom zu Berlin auftreten, um Kohl zu würdigen. Der Anlass ist die Einrichtung der Bundesstiftung Helmut Kohl und zugleich der Jahrestag jenes konstruktiven Misstrauensvotums, das den Pfälzer vor 40 Jahren zum Kanzler machte. Andererseits haben sich die einstigen Nachwuchskräfte Merz (heute 66 Jahre alt) und die 68 Jahre alte Merkel den Prinzipien des Dauerkanzlers auf ihre jeweils eigene Weise seither ja deutlich angenähert.

          Den Anfang machte Merkel, die nach dem fast verspielten Wahlsieg 2005 ihr Reformprogramm zur Seite legte. Merz hatte das 16 Jahre lang kritisiert, als Parteivorsitzender dreht er sozialpolitisch inzwischen ebenfalls bei. Letztlich sind beide zu Kohlianern geworden. Was sie über den Verstorbenen sagen, zieht deshalb weniger Interesse auf sich als der Umstand, dass sie überhaupt wieder auf ein und derselben Veranstaltung auftreten – wie einst in Godesberg.

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