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GE/Honeywell : Monti lässt die Muskeln spielen

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Blieb hart - EU-Wettbewerbskommissar Monti Bild:

Die Ablehnung der Fusion von General Electric und Honeywell durch die EU-Kommission ist eine herbe Niederlage für den erflogsverwöhnten GE-Chef Jack Welch.

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          “Drum prüfe wer sich ewig bindet,“ ist ein Zitat, das die EU Kommission diesmal besonders genau genommen hat. Die geplante Fusion zwischen General Electric und Honeywell kommt nicht zustande. Natürlich sind die Heiratswilligen verstimmt und verstehen die Welt nicht mehr.

          “Massive Wettbewerbsverzerrung“

          “Ich bedaure, dass die beiden Gesellschaften nicht in der Lage waren, eine Lösung zu präsentieren, die es ermöglicht hätte, die Wettbewerbsbedenken der Europäischen Kommission zu zerstreuen,“ meint das italienische Mitglied der Kommission Mario Monti in einer Aussendung nach dem Beschluss. “Die Fusion hätte den Wettbewerb insbesondere auf dem Markt der Flug- und Raumfahrtkomponenten massiv beeinflusst und so die Preise für deren Kunden, allen voran Fluglinien empfindlich erhöht,“ lautete schließlich die Entscheidung.

          Enttäuscht über Rückschlag

          “Wir sind sehr enttäuscht über diesen Rückschlag,“ sagte Jack Welch, Noch-CEO von General Electric in einer ersten Reaktion. Roger Trout, der bei Stock USA die Giganten General Electric und Honeywell beobachtet, meint, dass “man dies als Zeichen werten kann, dass GE die Entscheidung wahrscheinlich anfechten wird. Ob dieses Rechtsmittel allerdings von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt fraglich, da bei derartigen Entscheidungen die politische Komponente eine nicht unwesentliche Rolle spielt, “ analysiert Trout.

          Trout spricht dabei das vorangegangene Veto der amerikanischen Wettbewerbsbehörde an, die Ehe der beiden Chemieriesen Air Liquide und BOC nicht zuzulassen. Grundsätzlich müssen Unternehmungen, die eine Fusion planen und mit ihrem gemeinsamen Umsatz eine bestimmte Größenordnung übersteigen, sich der Prüfung durch die entsprechenden Kartellwächter unterziehen. Geprüft wird immer dann, wenn das fusionierte Firmengebilde im entsprechenden Markt Geschäfte betreiben will, oder bereits über eine bestimmte Machtstellung in diesem Markt (EU / USA) verfuegt.

          Zu Konzessionen bereit

          “Wir hätten gerne Vorschläge gesehen, die es uns ermöglicht hätten, eine positive Entscheidung zu fällen,“ gibt sich Mario Monti in seiner Aussendung versöhnlich. Konkret ging es um die von General Electric betriebenen Gesellschaft GECAS (General Electric Capital Aviation Services), die Flugzeuge kauft, verkauft und verleast.

          “Die Kommission wollte einfach, dass GE die exklusive Eigentümerschaft dieser Gesellschaft aufgibt und mit einem Konkurrenten teilt,“ weiß Trout. “Monti hat vorgeschlagen, eine Division an GEs Konkurrenten Pratt & Whtiney oder Rolls Royce Plc abzugeben, ein für Jack Welch unvorstellbares Unterfangen,“ erläutert der Analyst die Auflagen der Kommission.

          Mangelnde Rechtsberatung

          Daneben scheinen einige andere Dinge nicht so gelaufen zu sein, wie man sie von Jack Welch eigentlich gewohnt ist. Henry Chan, Fusionsberater bei der Rechtsanwaltskanzlei Weinberger, Roth and Associates in Los Angeles, meint: “Wir wissen, dass beim gesamten Deal die kartellrechtliche Expertise sowie die Berücksichtigung der Einsprüche von gegnerischen Parteien bei der Kommission sträflich vernachlässigt wurde. Dazu kommt, dass das System der Europäischen Kommission eine derartige Entscheidung zu treffen, juristisch nicht ausgereift ist. Das Veto einer amerikanischen Behörde muss vorher immer von einem US Gericht bestaetigt worden sein.“

          Hat GE seine Grenzen erreicht?

          Schludrige Vorarbeit von “Neutron“ Jacks Truppen? Der promovierte Chemiker, der 1981 angetreten ist, um aus dem unbeweglichen Elektrokonzern von Thomas Edison einen “100 Milliarden Dollar Tante Emma Laden“ (Originalton Welch) zu machen, ist an die Grenzen seiner marktwirtschaftlichen Logik gestossen. Anfangs wegen seiner Massenentlassungen jahrelang angefeindet (= daher sein Spitzname “Neutron“ Jack: wegen der leergesprengten Fabriken) hat er GE zu einem Spartenkonzern entwickelt, der in allen seinen Geschaeftsfeldern den ersten oder zweiten Platz besetzt.

          “Fix it or sell it“ war Welch's Leitspruch auf seinem unerbittlichen Weg zur Nummer eins auf dem Industriesektor. Ob aber die Entscheidung einer politischen Kommission so einfach zu reparieren sein wird, kann selbst für Welch heute kein Marktgesetz der Welt beantworten. Bei Honeywell hatte die Entscheidung jedenfalls drastische Folgen: CEO Michael Bonsignore erklärte unmittelbar nach der Ablehnung der Fusion durch die EU-Behörden seinen Rücktritt. Nachfolger wird der ehemalige Chairman Lawrence Bossidy. Dieser kündigte an, mit Honeywell zunächst einen unabhängigen Weg beschreiten zu wollen.

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