https://www.faz.net/-gqe-7v5i5

Claus Weselsky : „Schuld an dem Chaos hat die Deutsche Bahn“

  • Aktualisiert am

Claus Weselsky in Leipzig Bild: dpa

Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft beantwortet die Schuldfrage im Gespräch mit der F.A.Z. eindeutig. Am Zugchaos, an den abgesagten Gesprächen und am falschen Bild der GDL sind immer die Anderen Schuld.

          2 Min.

          Herr Weselsky, die Lokführer legen wieder den Bahnverkehr lahm. Sind Sie gern der Buhmann der Nation?

          Um mich geht es nicht. Das ist kein Egotrip. Was ich tue, tue ich für das Zugpersonal in diesem Land. Das ist nicht immer nett und nicht schmerzfrei. Am meisten schmerzt, dass interessierte Kreise verbal aufrüsten mit Worten, die gezielt darauf abheben, Vergleiche zu Krieg und zu schlimmen Missetaten herbeizuführen. Damit vergleichen sie Lokomotivführer und Zugbegleiter mit Menschen, die anderen Menschen Leid antun - und zwar richtiges Leid. Da sage ich: Streik ist nicht Krieg, sondern Streik ist ein legitimes Mittel. Wir führen diesen Arbeitskampf, weil das Management der Deutschen Bahn nicht bereit ist, mit uns über Überstunden, über Arbeitszeitreduzierung und Entgelterhöhungen zu verhandeln.

          Die Bahn möchte, dass Sie sich mit der Gewerkschaft EVG über Spielregeln einigen ...

          Die Tarifeinheit, die sich die Deutsche Bahn wünscht, ist nun mal nicht die Realität in diesem Land. Deshalb haben wir jetzt eine Tarifauseinandersetzung, die wir nicht mehr anders führen können, als mit der Ultima Ratio, dem Arbeitskampf.

          Ein Arbeitskampf, in dem es um die Macht der GDL geht und letztlich um ihre Existenz, wenn erst das Tarifeinheitsgesetz der Regierung kommt?

          Das ist auch so ein Märchen. Wir wollen keine neuen Mitglieder gewinnen. Wir haben sie doch schon lange. In den Eisenbahnverkehrsunternehmen organisieren wir 51 Prozent der 37 000 Beschäftigten. Das hat uns die Bahn selbst so aufgeschrieben.

          Die Bahn findet ihren Streik heute besonders dreist, weil eigentlich für den Abend vertrauliche Gespräche zwischen Ihnen und dem Bahn-Vorstand anberaumt waren. Stimmt das?

          Mit Bahn-Vorstand Weber hatte ich vorigen Mittwoch ein Vier-Augen-Gespräch, um nach Lösungen im Tarifkonflikt zu suchen. Das ist ein übliches Gebaren im Tarifgeschäft. Wir haben Lösungsansätze skizziert und vereinbart, diese vertraulichen Gespräche heute im größeren Kreis fortzusetzen. Meine Leute waren schon auf dem Weg nach Berlin. Doch heute Morgen hat Herr Weber diese Gespräche mit einem Anruf auf meiner Mailbox abgesagt.

          Ist es denn ein Zeichen Ihrer Verhandlungsbereitschaft, wenn Sie gleichzeitig Streik ankündigen?

          Das Bahn-Management weint jetzt Krokodilstränen mit dem Ziel, die GDL und mich zu diskreditieren. Diese Hintergrundgespräche haben nichts mit dem Tagesgeschäft zu tun. Wir befinden uns in einem Arbeitskampf. Und der dauert so lange, bis die Bahn ihre Vorbedingung der Tarifeinheit aus der Welt schafft.

          Haben Sie die Öffentlichkeit noch auf Ihrer Seite?

          Die Bahn hat am Mittwoch um 0 Uhr den Fernverkehr und um 4 Uhr früh den Nahverkehr weitgehend eingestellt, ohne die Reisenden zu informieren. Damit hat sie die Fahrgäste, die ihre Reisepläne nach unserer Streikankündigung noch vorverlegt haben, vor den Kopf gestoßen. Die Bahn hat mit ihrem angeblichen Notfahrplan das Chaos zu verantworten. Die Schuldigen sitzen in der Chefetage des Bahn-Konzerns.

          Das Gespräch führte Kerstin Schwenn.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Isabel Schnabel ist eine profilierte Kennerin der Finanzmärkte und der Geldpolitik.

          Isabel Schnabel rückt auf : Eine Bereicherung für die EZB

          Isabel Schnabel ist Expertin für Banken und Finanzmärkte. Dennoch wird ihre Berufung in die EZB-Führung als Nachfolgerin von Sabine Lautenschläger nicht jedem gefallen. Sie hat sich schon deutlich positioniert.

          Trump und die Demokraten : Loben, um zu tadeln

          Die Demokraten seien zwar eine „lausige“ Partei, aber immerhin hielten sie zusammen, sagt der amerikanische Präsident. Mit seiner Bemerkung zielt Trump auf die eigenen Republikaner.
          Allgemeinmediziner betreuen die „teuersten“ Patienten.

          Profitstreben in Kliniken : Das fatale Sterben „der Inneren“

          Hauptsache lukrativ: Immer mehr Kliniken schließen ihre Allgemein-internistischen Stationen zugunsten von Spezialisten. Leidtragende sind multimorbide Patienten – ausgerechnet deren Zahl aber wächst weiter. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.