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Energiekrise in Deutschland : Gazprom senkt Lieferung durch Nord Stream 1 auf 20 Prozent

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Die Austrittspunkt der Pipeline Nord Stream 1 in Lubmin, aufgenommen am 8. März 2022 Bild: Reuters

Der russische Energiekonzern kündigt an, ab Mittwoch die Gas-Lieferungen nach Deutschland weiter zu reduzieren. Grund soll eine weitere Turbine sein. Der Gaspreis reagiert prompt.

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          Der russische Gaskonzern Gazprom senkt die Lieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 weiter. Vom 27. Juli (Mittwoch) an, um 6 Uhr würden noch 20 Prozent oder 33 Millionen Kubikmeter Gas täglich durch die wichtigste Versorgungsleitung nach Deutschland fließen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Grund sei die Reparatur einer weiteren Turbine, hieß es.

          Allein die Ankündigung von geringeren Lieferungen durch Russland hat den Erdgas-Preis in Europa deutlich steigen lassen. Am Montag stieg der als richtungweisend geltende Terminkontrakt TTF an der Energiebörse in den Niederlanden bis auf 175 Euro je Megawattstunde. Das ist ein Plus von 7,7 Prozent gegenüber Freitag.

          Berlin: Grund ist vorgeschoben

          Die Bundesregierung hält die angegebene Wartung einer weiteren Turbine für vorgeschoben. „Es gibt nach unseren Informationen keinen technischen Grund für eine Reduktion der Lieferungen“, teilte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums von Minister Robert Habeck (Grüne) mit. Auch der von russischer Seite wiederholt vorgebrachten Darstellung, im Zusammenhang mit der Turbine und den Sanktionen gebe es noch offene Fragen, widersprach man in Berlin. „Die sanktionsrechtlichen Genehmigungsvoraussetzungen für die Auslieferung der in Rede stehenden Turbine liegen vor“, sagte die Sprecherin.

          Siemens Energy, Hersteller der Turbine, wies die Verantwortung für den noch nicht begonnenen Transport Russland zu. Für die Ausfuhr der in Kanada reparierten Turbine fehlen demnach Angaben des Gazprom-Konzerns. „Der Transport der Turbine ist vorbereitet und könnte sofort starten“, sagte ein Unternehmenssprecher. Alle Dokumente für die Ausfuhr nach Russland lägen seit Anfang vergangener Woche vor. „Was allerdings fehlt, sind erforderliche Zolldokumente für den Import nach Russland. Diese Informationen können nur vom Kunden bereitgestellt werden.“ Der Kunde ist hier Gazprom.

          Der russische Präsident Wladimir Putin hatte in der vergangenen Woche angedroht, dass es um den 26. Juli zu einer weiteren Drosselung der Gaslieferungen über die Nord-Stream-1-Leitung kommen könnte. Er hatte dabei auf vom russischen Energiekonzern verwendete Turbinen verwiesen. Demnach sei eine Drosselung möglich, wenn eine in Kanada reparierte Turbine nicht rechtzeitig wieder zur Verfügung stehe. Eine weitere Turbine sollte demnach um den 26. Juli herum für Reparaturen verschickt werden.

          Erst am Donnerstag waren die Gaslieferungen über die derzeit wichtigste Verbindung nach Deutschland für russisches Erdgas nach einer zehntägigen Routinewartung wieder aufgenommen worden. Schon im Juni hatte Gazprom die Lieferungen über die Pipeline auf 40 Prozent der Maximalkapazität gedrosselt und auf die zur Reparatur nach Kanada verschickte Turbine verwiesen. Die Bundesregierung hält dies für einen Vorwand. Deutsche Regierungsvertreter mahnten indes ihrerseits schon nach den inzwischen abgeschlossenen Wartungsarbeiten, dass nicht mit Sicherheit davon ausgegangen werden könne, dass der Kreml weiter Gas durch die Leitung nach Deutschland pumpt.

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