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Gastronomie : Kamps kauft Nordsee-Restaurants

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Fisch aufs Brot: Die Nordsee-Kette geht an Kamps Bild: picture-alliance / dpa

Die Beteiligungsgesellschaft Apax veräußert ihre Anteile an der Fast-Food-Kette Nordsee. Gemeinsam mit einer japanischen Bank will der ehemalige Großbäcker Kamps nun in das Fisch-Geschäft einsteigen.

          Der ehemalige Großbäcker Heiner Kamps kauft gemeinsam mit der japanischen Großbank Nomura die Fischrestaurant-Kette Nordsee. Kamps habe sich im Bieterverfahren um das Bremerhavener Unternehmen durchgesetzt, erfuhr diese Zeitung aus Finanzkreisen. Damit gibt die europäische Beteiligungsgesellschaft Apax Partners nach acht Jahren alle ihre Anteile an dem einst vom Konsumgüterkonzern Unilever erworbenen Unternehmen ab - eine für Finanzinvestoren ungewöhnlich lange Haltezeit. Weder von der Nordsee noch von Apax war ein Kommentar zu dem Verkauf zu erhalten.

          Der Weiterverkauf kommt nicht überraschend. Apax hat schon seit langem versucht, sich von Nordsee zu trennen. Der wohl größte Rückschlag ereilte Apax dabei im Juni 2001, als der geplante Börsengang des Unternehmens kurz vor der Erstnotierung scheiterte, weil das Börsenklima zu schlecht war. Angesichts der derzeit durch das niedrige Zinsumfeld angeheizten Übernahmegier ausländischer Finanzinvestoren hatte Apax nun offenbar wieder eine günstige Gelegenheit zum Verkauf gesehen und in diesem Jahr ein Bieterverfahren eingeleitet. In erster Linie hätten große Beteiligungsgesellschaften für Nordsee geboten, ist in Finanzkreisen zu hören. Dank der finanzkräftigen Unterstützung durch Nomura hat die eigens für die Übernahme gegründete Gesellschaft Kamps Food Retail Investment den Zuschlag erhalten.

          Kamps in Einkaufslaune

          Heiner Kamps wurde schon seit einigen Monaten als Käufer gehandelt, zumal er bereits mit 2,4 Prozent an Nordsee beteiligt war. Bei dem Verkauf seiner nach ihm benannten Bäckereikette an den italienischen Nudelkonzern Barilla strich Kamps 2002 rund 60 Millionen Euro ein. Seither war er auf der Suche nach einem finanziellen Engagement, bei dem er auch unternehmerisch tätig werden konnte. Erst im vergangenen Jahr war Kamps mit einem Übernahmeversuch gegen eine Beteiligungsgesellschaft unterlegen. Der britische Finanzinvestor Terra Firma konnte Kamps die Raststättenkette Tank & Rast wegschnappen, weil dem ehemaligen Großbäcker der Finanzpartner abhanden kam. An Tank & Rast war auch Apax Partners mit mehr als 30 Prozent beteiligt.

          Die Nordsee GmbH betreibt gut 420 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wobei hierzulande mit 364 Geschäften der Schwerpunkt liegt. Die knapp 6000 Mitarbeiter haben im vergangenen Jahr einen Umsatz von 292 Millionen Euro erwirtschaftet. Noch ist unklar, ob die Übernahme mit einem Personalabbau einhergeht. In den zurückliegenden Jahren ist die Fischkette kontinuierlich geschrumpft: 2003 lag der Umsatz bei 333 Millionen Euro, 2002 bei 345 Millionen Euro und 2001 bei 377 Millionen Euro. Das neue Marketing-Konzept von Geschäftsführer Hans Matthijsse hat offenbar noch nicht die erhofften Erfolge gebracht. Seit Oktober 2004 versucht Nordsee mit neuen Produkten - darunter auch Schöller-Eis - und einer frischeren Optik in den Läden mehr Kunden anzuziehen.

          Neuer Apax-Fonds geschlossen

          Zum Zeitpunkt der Übernahme durch Apax erzielte Nordsee noch einen Umsatz von umgerechnet 560 Millionen Euro, wobei seinerzeit noch die - kurz darauf veräußerte - Großhandelsgesellschaft Deutsche See zur Nordsee-Gruppe gehörte. Apax soll damals 250 bis 300 Millionen Euro für das Unternehmen bezahlt haben.

          Apax gehört zu den größten außerbörslichen Beteiligungsunternehmen (Private Equity) Europas. Erst vor kurzem hatte die Gesellschaft einen neuen Fonds im Volumen von 4,3 Milliarden Euro geschlossen. Dieser Fonds war ungewöhnlich, weil er rund 100 Millionen Euro kleiner war als sein Vorgänger. Eigentlich gieren die Private-Equity-Gesellschaften derzeit nach immer größeren Fonds. Doch angesichts des zunehmenden Kapitalüberhangs übte sich Apax anscheinend in Selbstdisziplin, um die künftige Rendite nicht zu gefährden. In Deutschland ist die Gesellschaft unter anderem an dem Modehersteller CBR beteiligt.

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