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Gastro-Tourismus : Essen wie Gott in Deutschland

  • -Aktualisiert am

Ein Gang im Nobelhotel: Weißer Heilbutt auf Artischocken Bild: Helmut Fricke

Was die Deutschen bisher eher in Frankreichs oder Italiens Küche gesucht haben, finden sie jetzt auch immer häufiger in den Restaurants des eigenen Landes. Mit dem Erstarken der deutschen Küchenszene kommt auch der „Gastro-Tourismus“ im eigenen Land in Gang.

          Es sind sicher ein bis zwei Prozent der Bevölkerung, für die ein gutes Essen das ist, was für andere ein Besuch in der Oper, eines Konzerts oder im Theater. Für die ist das Essen selbst ein Event." Das sagt Johann Lafer, der Fernsehkoch mit eigenem Sternerestaurant auf der Stromburg am Rhein. Für ihn ist klar, dass es auch in Deutschland einen Gastro-Tourismus gibt, in dem sich die Leute während ihrer Urlaubsplanung von der Lage der (Spitzen-)Restaurants oder anderen kulinarischen Angeboten leiten lassen. Die Rede ist von Leuten, die bereit sind, für ein Menü zu zweit zwischen 300 und 600 Euro hinzulegen. Die knapp zwei Prozent der Bevölkerung, die sich dabei vornehmen, mindestens einmal in allen Dreisternerestaurants zu tafeln, sind für Lafer aber nur die Spitze einer deutlich größeren Gruppe.

          "Es gibt durchaus Leute, die kommen direkt aus Aschau oder Baiersbronn zu uns und lassen sich dann mit dem Helikopter weiter zur nächsten Gourmetadresse fliegen", sagt der Fernsehkoch erfreut, der sich mit dem Heli-Gourmet etwas Besonderes für diese speise- und reiselustige Klientel ausgedacht hat. Er fliegt die Gäste der Stromburg einfach mit dem eigenen Hubschrauber entweder zum Rennen an den Nürburgring oder zum Dinner auf eine Wiese hoch über dem Rhein und holt sie natürlich auch wieder ab - zu entsprechenden Preisen, versteht sich.

          Aschau mit der Residenz Heinz Winkler und Baiersbronn mit seinen Sternerestaurants stehen als Synonym für Zentren der gehobenen Küche und den Gastro-Tourismus in Deutschland, wenn Lafer sie als Beispiel zitiert. Und gerade in Baiersbronn scheint sich Lafers These zu bestätigen, dass es eine größere Gruppe ist, die die kulinarischen Angebote einer Region maßgeblich in die Urlaubsplanung einfließen lässt. So zieht es eine besondere Klientel in den Schwarzwaldort, in dem Patrick Schreib Tourismusdirektor ist. Er hat Koch im Hotel Traube Tonbach gelernt, in dessen Schwarzwaldstube Harald Wohlfahrt seine drei Sterne seit Jahren tapfer verteidigt.

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          Baiersbronn ist die Sternehochburg Deutschlands. Gleich zwei Restaurants mit drei Sternen finden sich am Ort. Neben Wohlfahrt in der Traube kocht im Hotel Bareiss Claus-Peter Lumpp mit drei Sternen. Damit aber nicht genug: Auf dem Schlossberg verteidigt Jörg Sackmann ebenfalls einen Michelin-Stern.

          Wie Schreib kehren auch viele andere Köche, die in den Sternehäusern Baiersbronns das Handwerk gelernt haben, nach ihren Wanderjahren in den Ort zurück und führen dort die eingesessenen Familienbetriebe mit einer Küche auf ebenfalls hohem Niveau weiter - ohne gleich selbst nach den Sternen zu streben. Viele meiden bewusst den damit verbundenen Aufwand und setzen auf eine schmackhafte Regionalküche. "Es gibt in Baiersbronn eine sehr gewachsene Gastgeberstruktur. Alle Hotels befinden sich in Privatbesitz und werden von den Inhabern geführt." Und obwohl Baiersbronn die komplette Angebotspalette eines Ferienortes bietet, gibt Schreib durchaus zu: "Es kommen sehr viele Leute wegen der Restaurants, und der Ort hat seine Bekanntheit daher erlangt."

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