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Gastbeitrag : Zehn-Punkte-Programm für Innovation und Wachstum

  • -Aktualisiert am

Heinrich von Pierer schlägt zehn Punkt vor Bild: AP

Heinrich von Pierer, Vorstandschef von Siemens, fordert in einem F.A.Z.-Gastbeitrag ein Zusammenspiel von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Zehn Punkte, die entscheidend sind.

          7 Min.

          Es gibt eine Drohkulisse am Horizont. Sie hat nichts mit Terrorismus und Innerer Sicherheit zu tun und ist vielleicht deshalb nicht Aufmacherthema der Medien. Gefahr für unser Land ist aber gleichwohl in Verzug, und die Zukunftsperspektiven für die Bürger könnten sich verdüstern. Gemeint ist die Erosion von Innovationskraft, Bildung und Forschung in Deutschland.

          Heute so handeln, daß unseren Kindern und Enkelkindern eine Zukunft voller Chancen offensteht und unsere Technologie- und Wohlstandsbasis in der Zukunft so stark bleibt, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten war. Das erfordert längst nicht nur Antworten auf die demographische Herausforderung im Renten- und Gesundheitssystem und andere Aufräumarbeiten, wie sie in der Agenda 2010 des Bundeskanzlers angegangen werden. Sondern dafür ist dynamisches Wachstum auf der Basis von Spitzenforschung, Innovationsführerschaft und Umsetzungsstärke erforderlich. Was wir brauchen, ist ein klares und vor allem konkretes Programm, das Forschung und Bildung zur absoluten Priorität macht und anstelle von punktuellen Kraftakten systematisch und mit definierten Meilensteinen vorgeht.

          Geschieht das nicht, wird es in Deutschland zwar auch weiterhin Inseln von Spitzenforschung und -technologie geben, nämlich einzelne Unternehmen auch besonders im Mittelstand, die Glanzpunkte am Weltmarkt setzen, und wissenschaftliche Koryphäen, die weltweit höchste Wertschätzung genießen. Aber das würde nur für Reputation und Wohlstand einzelner sorgen und nichts am schleichenden Abstieg des Landes ändern. Das darf niemand wollen. Damit dies nicht passiert, müssen Wissenschaft und Wirtschaft, Politik und Gesellschaft handeln. Zehn Punkte sind entscheidend:.

          1. Schulen aufwerten.

          Henry Fords legendärer Ausspruch, "Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt nicht im Forschungslabor, sie beginnt im Klassenzimmer" bleibt wahr. Die Schule legt die Basis fürs Leben. Deshalb muß sie Basiswissen vermitteln in Deutsch und den gängigen Fremdsprachen, vor allem aber auch wieder in Mathematik und den Naturwissenschaften. Sie muß zumindest ein Mindestmaß historisches Verständnis und sie muß - wie vorher der Kindergarten - soziale Kompetenz vermitteln. Bundesweite Bildungsstandards - wie jetzt definiert - mögen helfen. Definitiv geboten ist, daß Zustand und Ausstattung der Schulen zeitgemäß sind. Und lieber frühe Einschulung, kleine Klassen und Verkürzung der Schulzeit auf 12 Jahre als große Klassen, 13 Schuljahre und zwanzigjährige Absolventen.

          2. Gewerbliche Ausbildung fit halten.

          Die Kombination aus betrieblicher Praxis und Berufsschule mit einem qualifizierten Abschluß ist ein Aushängeschild Deutschlands in der Welt und bildet das Rückgrat für die Leistungskraft von Mittelstand, Großunternehmen und des legendären "made in Germany". Aber man darf den Wandel der Anforderungen an Berufsbilder und Ausbildungsinhalte nicht unterschätzen. Klassische Fertigungsberufe wie Dreher oder Fräser sind auf dem Rückzug. Berufsbilder wie Mechatroniker, IT-Systemelektroniker oder Industrietechnologe gewinnen an Gewicht. Die Weiterentwicklung von Berufsbildern ist eine Daueraufgabe. Und wir dürfen keine völlig kontraproduktiven Rahmenbedingungen schaffen, wie es mit einer Ausbildungsabgabe und dann mit der faktischen Verdrängung der betrieblichen Ausbildung durch staatliche Einrichtungen geschehen würde.

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