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Gastbeitrag : Unser Land verändert sich

  • -Aktualisiert am

Flagge zeigen in unruhigen Zeiten Bild: dpa

Wirtschaftlich geht es Deutschland gut wie nie zuvor. Dennoch haben viele Menschen Angst. Denn die Geschwindigkeit der Veränderungen scheint größer zu werden. Was wir jetzt tun müssen.

          Wir leben in widersprüchlichen Zeiten. Es geht uns in Deutschland gut; das ist den Menschen auch bewusst. Wirtschaftlich geht es uns so gut wie nie zuvor. Die Zahl der Erwerbstätigen ist in diesem Jahr abermals auf einem Rekordhoch.

          Im August hatten wir die niedrigste Arbeitslosenzahl seit 25 Jahren. Die Preise sind stabil. Die Reallöhne sind seit 2013 deutlich gestiegen; auch die Renten sind so stark gestiegen wie lange nicht mehr, im Osten noch mehr als im Westen. Wir haben seit 2010 ein gesundes Wirtschaftswachstum, und wir können auch in diesem und im nächsten Jahr mit einem ordentlichen Wachstum rechnen.

          Dennoch machen sich viele Menschen in unserem Land Sorgen um die Zukunft. Sie fragen sich, ob es uns auch weiter gutgehen wird. Das ist eine berechtigte Frage. Die Liste der Gründe dafür ist lang, und sie ist in letzter Zeit länger geworden. Es sind vor allen Dingen die ungeheuer schnellen Veränderungen in allen Bereichen unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft, und sie treffen uns – das schwingt immer mit – bei unserer nicht ganz unproblematischen demographischen Entwicklung.

          Das Gefühl von Unsicherheit wächst

          Wir erleben das Innovationsschwungrad globalisierter Märkte. Die neue Welt der Digitalisierung und der sozialen Netzwerke ist Auslöser auch von Überforderung, nicht zuletzt durch die direkte Wahrnehmung von Geschehnissen in unserer Umwelt, ob in der unmittelbaren Nachbarschaft oder in weit entfernten Regionen in jedem Teil der Welt. Die öffentliche Kommunikation im Internet und in sozialen Netzwerken hat oft erratische Züge. Viele dieser Veränderungen sind abstrakt, nicht richtig greifbar.

          Aber dann kommt auch noch sehr Konkretes hinzu. So wächst das Gefühl von Unsicherheit. Es stürmt vieles von außen auf uns ein. Bedrohliches, Bedrückendes, Beunruhigendes, in der Fülle oft schwer zu sortieren: die Angriffe und Attentate dieses Sommers – Nizza, München, Würzburg, Ansbach –, die Konflikte, Krisen und Kriege um Europa herum, der Horror in Syrien, in Aleppo, der schwelende, abermals aufflammende Konflikt in der Ukraine und immer wieder ertrinkende Flüchtlinge im Mittelmeer.

          Dann die Sorge, wie unsere Gesellschaft sich verändert: durch die Flüchtlinge, durch Zuwanderung, durch zunehmende Ängste vor Terror und Unsicherheit. Hinzu kommen die instabile Lage und die beunruhigende Politik in der Türkei mit ihren Konsequenzen für das Zusammenleben in Deutschland sowie der Propagandakrieg Russlands.

          Beweisen, dass Integration funktionieren kann

          So gibt es auch bei uns zunehmend Rufe nach dem „starken Mann“. Das ist eine Gemengelage, in der die Sehnsucht nach markigen und einfachen Antworten stärker wird, eine Zeit für Demagogen. In dieser widersprüchlichen Lage und Gefühlslage muss demokratische Politik Chancen eröffnen, um die Art und Weise, wie wir leben, um unsere freiheitliche Gesellschaft, um unseren Wohlstand dauerhaft bewahren zu können.

          Wir müssen jetzt beweisen, dass die Integration der vielen Flüchtlinge gelingen kann – der Flüchtlinge, die hierbleiben werden, sei es auch nur für einen gewissen Zeitraum. Und wir müssen beweisen, dass wir die möglichen Sicherheitsrisiken, die mit diesem Zustrom an Menschen auch verbunden sind, erkennen und unter Kontrolle halten.

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