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Gastbeitrag : Entwicklungshilfe wirkt!

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Die Liberalisierung des Kapitalverkehrs und der Zufluß von kurzfristigem Auslandskapital haben in vielen Ländern zu Finanzkrisen beigetragen, man denke nur an die Asien-Krise, in deren Folge Millionen in Armut stürzten. Man denke nur an die Baumwollsubventionen der Vereinigten Staaten, die die westafrikanischen Länder daran hindern, ihre Baumwolle am Weltmarkt zu verkaufen, obwohl diese durchaus konkurrenzfähig wären.

Engagement, Ideen, Toleranz

In der heutigen, modernen Entwicklungszusammenarbeit steht deshalb nicht der reine Transfer von Finanzmitteln im Zentrum. Statt dessen hat sich die internationale Entwicklungszusammenarbeit - und auch die deutsche - seit langem einem anderen, mehrschichtigen Konzept zugewandt: Wir verbinden Finanzmittel mit dem nötigen Wissenstransfer, damit unsere Partnerländer die Voraussetzungen für eine sich selbst tragende Entwicklung schaffen: durch die Förderung von Demokratie, Rechtssicherheit und Teilhabe der Bevölkerung sowie von guten Rahmenbedingungen für Investitionen.

Um dies zu erreichen, müssen wir mit unseren Partnern in Dialog treten und gemeinsam Lösungen suchen. Dies bedarf Engagement, Ideen, Durchhaltevermögen, Toleranz - und eben Finanzmittel. Auch deshalb hat wohl de Soto die von der internationalen Gemeinschaft angestrebte Steigerung der Entwicklungszusammenarbeit ausdrücklich begrüßt. Denn Geld allein bewirkt nichts - aber ohne Geld bewirken wir auch nichts.

Programm zur Verringerung der Armut

Ein gutes Beispiel für das Zusammenspiel von Wissenstransfer, Finanzmitteln und Reformen in den Partnerländern ist die Entschuldungsinitiative. Die Bundesregierung hat beim Kölner G-8-Gipfel 1999 diese Initiative auf den Weg gebracht, die jetzt von den G-7-Finanzministern ausgeweitet wurde.

Dabei wird die Entschuldung der ärmsten Länder davon abhängig gemacht, daß sie ein Programm zur Verringerung der Armut vorlegen. In vielen Ländern hat es dadurch zum ersten Mal einen wirklichen Prozeß der gesellschaftlichen Teilhabe gegeben. Dies zeigt: Entwicklungszusammenarbeit bedeutet, die gesellschaftlichen Prozesse zu beeinflussen, wodurch die Menschen ihre Interessen, ihre Potentiale und Ideen einbringen und nutzen können.

Entwicklungszusammenarbeit wirkt - langfristig

Einige Erfolge der Entschuldungsinitiative sind schon sichtbar: Die entschuldeten Länder haben ihre Ausgaben für Sozialdienste verdoppelt, in Mocambique geht eine Million Kinder mehr in die Schule. Das belegt: Entwicklungszusammenarbeit wirkt.

Es gibt auch weitere Erfolge. In den vergangenen 40 Jahren ist die Zahl der Kinder, die eine Frau in Entwicklungsländern zur Welt bringt, von ungefähr sechs auf drei gesunken. Parallel dazu stieg die Lebenserwartung in Entwicklungsländern um zwanzig Jahre. Entwicklungszusammenarbeit wirkt - aber nur langfristig. Deshalb setzen wir auf grundlegende Veränderungen, die in den Herzen und Köpfen der Menschen ankommen müssen - und nicht auf schnelle Erfolge, die außer Schlagzeilen wenig produzieren.

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