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Energiekonzern : Eon stimmt Kunden auf weitere Preiserhöhungen ein

  • -Aktualisiert am

Eon-Zentrale in Essen Bild: dpa

Der Versorger macht wegen höherer Gaspreise mehr Umsatz. Mit seiner Konzentration auf Netze und Vertrieb profitiert der Dax-Konzern aber weniger von der Krise als andere. Und die teurere Energie wird für Eon auch zum Risiko.

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          Auch wenn der Umsatz von Eon um 60 Prozent gestiegen ist, sieht Leonhard Birnbaum den Energiekonzern nicht als Krisengewinner, im Gegenteil. „Wir haben mit den hohen Preisen, die wir jetzt beobachten und den extrem hohen Preisschwankungen nur Schwierigkeiten“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Essener Energiekonzerns am Mittwoch.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          „Unser Unternehmen würde besser dastehen, wenn wir diese hohen Preise nicht hätten“, sagte Birnbaum in einer Videokonferenz zur Vorlage der Halbjahreszahlen für das Geschäftsjahr 2022.

          14 Millionen Menschen allein in Deutschland beliefert Eon mit Strom und Gas, in ganz Europa zählt das Unternehmen mehr als 50 Millionen Privat- und Geschäftskunden. Und Deutschlands größter Energieversorger rechnet mit weiter steigenden Strom- und Gaspreisen auch für Endkunden. Der Unterschied sei lediglich, wie schnell sie je nach Land und Vertragsgruppe umgesetzt würden.

          Eon hat die Gaspreise stark erhöht

          In Nordrhein-Westfalen etwa hat Eon die Gaspreise gegenüber dem Vorjahreszeitraum im Schnitt um 40 Prozent erhöht. In Großbritannien dürfte der Durchschnittskunde von Oktober an für Strom und Gas statt 2000 dann 3000 Pfund zahlen. „Ich bin seit 25 Jahren in dieser Branche aktiv. Eine Situation wie jetzt habe ich nie gesehen“, sagte Birnbaum.

          Der Energiemanager hält die Diskussion um eine Übergewinnsteuer für die Profiteure aus der Gaskrise zwar für „nachvollziehbar“, Birnbaum sagt aber auch: „Ich bin da sehr zurückhaltend.“ Wenn man etwa nach dem italienischen Modell ginge, das vor allem an den Umsatz gebunden ist, wären Energieriesen wie der Eon-Konzern, der in den ersten sechs Monaten 52,8 Milliarden Euro umgesetzt hat, natürlich sofort im Fokus. „Aber unser Ergebnis kommt auch unter Druck, weil es für Kunden schwieriger wird, zu bezahlen“, sagte Birnbaum.

          Es ist tatsächlich so, dass Eon als Betreiber von Netzen und als Vertriebskanal kaum Energie selbst erzeugt. In der Branche gibt es gerade große Gewinner wie den ebenfalls in Essen sitzenden Konzern RWE, der mit seiner gleichbleibend günstigen Erzeugung aus Kohlekraftwerken und Erneuerbaren Energien bei steigenden Preisen eine ordentliche Sonderkonjunktur erfährt. Auf der anderen Seite stehen die Verlierer wie Uniper, das einst zu Eon gehörte und 2016 abgespalten wurde – und das wegen seiner Gas-Lieferverpflichtungen enorm unter Druck geraten ist, weil das Unternehmen die stark gestiegenen Preise nicht weitergeben kann. Eon steht als Versorger dazwischen, Birnbaum betonte abermals, wie wichtig die Unterstützung der Politik sei. „Diese Unternehmen müssen gestützt werden, damit ein Domino-Effekt in der gesamten Lieferkette, bis hin zu den Stadtwerken und privaten und gewerblichen Endkunden, vermieden wird“, sagte der Eon-Vorstandschef.

          Wachsendes Risiko

          Der Dax-Konzern wiederum hatte schon im März angekündigt, seine Preise wegen der stark gestiegenen Großhandelspreise anzuheben. Stabilisierend auf das Ergebnis werde das aber wohl erst im zweiten Halbjahr des Geschäftes werden, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Wie stark auch Eon die Preisanstiege treffen, zeigt sich etwa in der Materialbeschaffung, mit 63 Milliarden Euro hat sich dieser Posten in der Bilanz mehr als verdoppelt gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

          Zudem steigt auch für Eon das Risiko, dass Forderungen in Zukunft ausfallen könnten, wenn sich zunehmend mehr Menschen die gestiegenen Kosten für Strom und Gas schlicht nicht leisten können. Gleichwohl gebe es wegen der „guten Bonität und der Systemrelevanz großer Lieferanten“ weiterhin nur eine „sehr geringe Eintrittswahrscheinlichkeit“ für das Risiko, dass Lieferanten ausfallen könnten, wie es im angepassten Risikobericht heißt. Eon selbst ist freilich allein durch die Größe sehr stabil.

          Durch die hohen Preise gebe es zudem eine positive Wirkung. „Im Vergleich zum Vorjahr wurde bereits merklich Gas eingespart. Und Energie einsparen ist das Gebot der Stunde“, sagte Birnbaum. Das sei auch für die Versorgungssicherheit wichtig, weil einerseits insgesamt weniger verbraucht würde und durch die sinkende Nachfrage dann auch der Preis wieder zurückgehen könne. Das zeigte sich in den ersten sechs Monaten schon in den durchgeleiteten Gasmengen in Deutschland: Während die Strommenge nahezu auf Vorjahresniveau verharrte, sank das Gas von 107,3 auf 97 Milliarden Kilowattstunden, was neben der wärmeren Witterung im ersten Quartal maßgeblich am Krieg der Ukraine und den daraus folgenden Preiseffekten für Gas gelegen habe.

          Mehrere Analysten gingen am Mittwoch davon aus, dass die sich die beschlossene Gasumlage positiv auf Eon auswirken werde und das Risiko merklich verringere. In den ersten sechs Monaten war der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen um 15 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro zurückgegangen. Im Vorjahr gab es allerdings auch positive Sondereffekte. Das streng regulierte und stabile Netzgeschäft trug dabei den größten Anteil bei, auch wenn es vom milderen Wetter und sogenannten Netzverlusten belastet war. Zu denen kommt es, weil Netzbetreiber dazu verpflichtet sind, Energienetze mit einer Grundspannung zu versorgen, wofür Strom am Markt zugekauft werden muss.

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