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Gasmarkt : Wettbewerb auf Sparflamme

  • -Aktualisiert am

Kein allzu bunter Wettbewerb Bild: dpa

Genehmigt Wirtschaftsminister Müller den Einstieg von Eon bei Ruhrgas, würde das den überfälligen Wettbewerb auf dem Gasmarkt erschweren. Analyse.

          2 Min.

          Bundeswirtschaftsminister Werner Müller hat es in der Hand. Bis zum Sommer muss er sich entscheiden, ob er dem Zusammenschluss von Eon und Ruhrgas per „Ministergenehmigung“ grünes Licht gibt. Müller muss dabei abwägen, ob „gesamtwirtschaftliche“ Interessen schwerer wiegen als die wettbewerbsrechtlichen Bedenken, die das Bundeskartellamt vorgebracht hat.

          Definiert er „gesamtwirtschaftlich“ so, dass Unternehmen und Verbraucher möglichst billiges Erdgas bekommen, kann er einer weiteren Konzentration nicht zustimmen. Zu schwer wiegen die wettbewerbsrechtlichen Bedenken des Bundeskartellamtes, das vor einer „Zementierung der marktbeherrschenden Stellung“ von Ruhrgas und Eon auf dem deutschen Markt warnt. Der Preiswettbewerb, der erklärtes Ziel der Liberalisierung war, würde weiter auf sich warten lassen.

          Teures Deutschland

          Untermauert werden diese Befürchtungen durch die jüngsten Zahlen der EU-Kommission. In Deutschland liegen die Erdgaspreise 20 Prozent über dem europäischen Durchschnitt. Nirgendwo ist die Quote der wechselnden Gaskunden so gering wie hierzulande. „Die Konzentration auf eine oder zwei Erdgasimporteure bereitet Neueinsteigern große Mühe, Erdgas zu angemessenen Preisen einzukaufen“, stellt die Kommission fest. Nach Angaben der European Federation of Energy Traders haben erst 20 Unternehmen in Deutschland den Lieferanten gewechselt. Im Privatkundenbereich ist noch nicht ein Hauch von Wettbewerb zu spüren.

          Big is beautiful

          Doch Wirtschaftsminister Müller wird sich nach seinen bisherigen Bekundungen nicht davon abbringen lassen, Eon bei der Übernahme behilflich zu sein. Deutschland braucht nach Überzeugung des ehemaligen Veba-Managers mindestens einen Global Player, um international auf dem Energiemarkt mitmischen zu können. Bekäme Eon die Mehrheit bei der Ruhrgas, hätte der Düsseldorfer Konzern einen Fuß in der Tür des wichtigsten Erdgasproduzenten der Welt: Russland. Immerhin verfügt der Essener Konzern über eine Minderheitenbeteiligung beim russischen Monopolisten Gazprom. Eine ausbaufähige Verbindung.

          Erdgaspreise sind nicht sexy

          Trotz Müllers bisheriger Position ist der Zusammenschluss noch nicht unter Dach und Fach. Die Parteien könnten im beginnenden Wahlkampf das Thema für sich entdecken. Grüne und FDP haben schon bekundet, dass sie gegen ein Eingreifen Müllers sind. Dagegen spricht allerdings, dass Erdgaspreise, trotz ihrer wachsenden Bedeutung, nicht die emotionale Qualität eines Aufregers wie Benzin- oder SMS-Preise haben.

          Wahrscheinlicher ist, dass es mittelfristig anderen Importeuren gelingt, größere Mengen von Gas aus Fördergebieten nach Deutschland zu bringen, die nicht dem Zugriff der Ruhrgas unterliegen. Yello-Strom-Betreiber EnBW will in den nächsten Jahren über den italienische Öl- und Gaskonzern Eni den flüchtigen Energieträger aus Libyen und Algerien nach Deutschland holen. Experten schätzen, dass ein um fünf Prozent vergrößertes Angebot ausreichen könnte, um den Wettbewerb zu entfachen.

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