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Deutschlands Wettbewerbsstärke : Forscher warnen vor Gaskrise – Speicher jetzt zu 60 Prozent gefüllt

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Bei BASF in Ludwigshafen: Die Chemieindustrie würde unter einer Gasrationierung stark leiden. Bild: Picture Alliance

Steigende Preise, ausbleibende Lieferungen: Deutschland ist in der Energieversorgung besonders verwundbar, warnen Fachleute. Für einen sofortigen russischen Lieferstopp sagen sie einen Wirtschaftseinbruch von bis zu 13 Prozent voraus.

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          Ein kurzfristiger Stopp russischer Gaslieferungen würde einer neuen Analyse zufolge im zweiten Halbjahr 12,7 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung (BIP) kosten. Besonders stark betroffen wären Branchen wie die Glasindustrie oder die Stahlverarbeitung, sagte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Bertram Brossardt, zu der Studie, die das Forschungsinstitut Prognos im Auftrag der vbw erstellt hat. Auch die Chemie-, Keramik-, Nahrungsmittel- und Textilbranche dürften einen Gas-Lieferstopp unmittelbar zu spüren bekommen.

          Dazu kämen indirekte Effekte, sollten die russischen Gaslieferungen am 1. Juli eingestellt werden. „Die Erdgas-Engpässe bewirken Dominoeffekte“, sagte Brossardt. „Diese treffen die gesamte Wertschöpfungskette empfindlich.“ Die Störungen in den Lieferketten hätten branchenübergreifend etwa die dreifache Auswirkungen im Vergleich zu den direkten Folgen. „In Summe droht damit ein Wertschöpfungsverlust in der zweiten Jahreshälfte von 193 Milliarden Euro.“ Sollte die Mangellage länger andauern, sei auch eine Zunahme der Arbeitslosigkeit kaum zu vermeiden.

          „Deutschland wird zu einer Hochpreisinsel“

          Die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas sei unterschätzt worden, sagte Prognos-Chefvolkswirt Michael Böhmer. Rund die Hälfte des Erdgases werde von geschützten Kunden verbraucht – dazu zählen Verbraucher, Krankenhäuser oder soziale Einrichtungen. Dieser Bedarf könne zu 93 Prozent gedeckt werden. Nicht-geschützte Kunden, zu denen die Industrie zähle, erhielten dagegen weniger als die Hälfte des benötigten Gases.

          Besonders kritisch werde der Oktober, sagte Böhmer: Hier sei die Deckungslücke besonders groß. In dem Monat beginnt üblicherweise die Heizperiode, in der der Bedarf ansteigt. Zugleich werde aber noch nicht auf Gas aus den Gasspeichern zugegriffen.

          Gerade Deutschland ist im internationalen Vergleich besonders anfällig, haben Fachleute des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW unterdessen in einer eigenen Analyse errechnet. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Bundesrepublik in der Stromversorgung gemeinsam mit den Niederlanden zu einer „Hochpreisinsel“ wird. Was die Anfälligkeit für ausbleibende Lieferungen betrifft, ist Deutschland demnach gemeinsam mit Italien besonders verwundbar.

          Beide Faktoren gefährden laut ZEW die Wettbewerbsfähigkeit und machen Deutschland für Industriezweige mit hohem Energieverbrauch unattraktiv. Auftraggeber war die Stiftung Familienunternehmen. Das ZEW nahm die Energieversorgung von 21 Industriestaaten unter den Gesichtspunkten in den Blick, wie sehr die Volkswirtschaften unter Preisanstieg und Lieferengpässen leiden würden. Die Ökonomen verglichen 16 EU-Staaten, außerdem die USA, Japan, Kanada, Großbritannien und die Schweiz. Demnach ist die Versorgungssicherheit der drei außereuropäischen großen Volkswirtschaften wegen des Ukrainekriegs gar nicht gefährdet. Die Preissteigerungen seien dort bislang „ausgesprochen moderat ausgefallen oder ganz ausgeblieben“, heißt es in dem Papier.

          In Europa ist demnach die große Mehrheit der Länder bei ausbleibenden Energielieferungen weniger verwundbar als das von russischem Gas besonders abhängige Deutschland. „Die Preiseffekte der Energiekrise bei Strom und Gas sind weitgehend auf europäische Standorte beschränkt“, erklärte Studienautor Friedrich Heinemann. Innerhalb Europas gebe es markante Unterschiede. „Deutschland wird zusammen mit den Niederlanden immer stärker zu einer Hochpreisinsel.“ Nicht nennenswert gestiegen sind die Strompreise laut ZEW-Analyse etwa in Frankreich oder der Schweiz.

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