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„Klimaneutralitätsnetz 2045“ : Gaskraftwerke für Klimaschutz

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Eine Computer-Darstellung zeigt das geplante Gaskraftwerk neben dem früheren Atomkraftwerk Biblis. Bild: dpa

Um die Klimaziele der Bundesregierung nicht zu gefährden müssen viele Voraussetzungen stimmen, es drängt vor allem auch die Zeit.

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          Die verschärften Klimaziele der Bundesregierung lassen sich nur erreichen, wenn es beschleunigte Genehmigungsverfahren für Stromnetze gibt und wenn in den nächsten vier Jahren genügend neue Gaskraftwerke entstehen. Im Jahr 2030 brauche man regelbare Kapazitäten von 60 Gigawatt (GW), um sicherzustellen, dass die Ausfälle der Ökostromerzeugung in sonnen- und windschwachen Zeiten ausgeglichen werden könnten, teilte der Netzbetreiber 50Hertz am Freitag unter Verweis auf neue Studienergebnisse des Beratungsunternehmens Consentec mit.

          Der Politik sei die Notwendigkeit dieses doppelten Ausbaus im Wahlkampf nicht vollständig bewusst, monierte 50Hertz-Geschäftsführer Stefan Kapferer. Dabei dränge die Zeit: „Gaskraftwerke haben eine Bauzeit von vier bis sieben Jahren. Die nächste Legislaturperiode ist entscheidend, damit Investoren die nötige Sicherheit bekommen, um sich zu engagieren.“ Derzeit gebe es aufgrund unklarer Bedingungen nur neue Gasmeilervorhaben für 1,2 Gigawatt.

          Dem geänderten Klimaschutzgesetz zufolge will Deutschland schon im Jahr 2045 treibhausgasneutral sein. Kohle- und Kernkraftwerke mit 50 GW Leistung sollen vom Netz gehen, zugleich werden aber immer mehr Sektoren auf Strom umgestellt, etwa der Verkehr. Diese Elektrizität soll aus erneuerbaren Quellen stammen. Doch erfordert das neue Wind-, Solaranlagen, Leitungen sowie Umspannwerke ebenso wie fossile Kraftwerkskapazitäten im Hintergrund. Man setzt dabei auf Gas statt Kohle, weil es weniger CO2 ausstößt und sich Gaskraftwerke später auf „grünen“ Wasserstoff umstellen lassen.

          Wenn hingegen die Versorgungssicherheit nicht gegeben ist, wird die Bundesnetzagentur die Abschaltung der Kohlekraftwerke nicht zulassen – wodurch die Klimaziele gefährdet wären. Für die Prüfung sind die Netzbetreiber zuständig. Kapferer warnte: „Wenn wir, was gesicherte Leistung angeht, in den nächsten Jahren nicht vorankommen, dann wird es gegen Ende der Zwanzigerjahre schwierig sein, weitere Stilllegungen vorzunehmen.“ 50Hertz fordert die Errichtung eines „Klimaneutralitätsnetzes 2045“ mit beschleunigten Genehmigungsverfahren, das im Sinne des Klimaschutzes Vorrang in Politik und Behörden genießen müsse. Dass die Planungen für neue Gaskraftwerke stockten, hänge damit zusammen, dass Erzeuger derzeit nur für gelieferten Strom, aber nicht für vorgehaltene Kapazitäten bezahlt. Man sollte stattdessen über Kapazitätsmärkte nachdenken, in denen die theoretisch verfügbare Leistung honoriert würde.

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