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Umlage kommt : Vom 1. Oktober an müssen Verbraucher noch mehr fürs Gas zahlen

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Jeder Zweite heizt mit Gas: Dampfende Schornsteine über Kronberg im Januar 2021 Bild: AP

500 oder gar 1100 Euro mehr im Jahr könnte eine Familie bald für ihre Gasheizung bezahlen. In Berlin fürchtet man, dass Gasunternehmen sonst pleite gehen.

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          Die geplante Umlage für alle Gaskunden zur Abfederung des stark gestiegenen Einkaufspreises für Erdgas soll voraussichtlich ab dem 1. Oktober gelten. Wie viel Verbraucher genau mehr zahlen müssen, will die Bundesregierung Mitte oder Ende August im Internet veröffentlichen. Das verlautete am Donnerstag aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums – der Entwurf für die entsprechende Rechtsverordnung wurde heute in die Abstimmung zwischen den Ministerien geschickt.

          Die Höhe der Umlage hänge davon ab, welche Ausgleichsansprüche die Gasimporteure geltend machten, hieß es. Kanzler Olaf Scholz hatte in der vergangenen Woche eine Erhöhung der Gaspreise um 2 Cent pro Kilowattstunde genannt und von zusätzlichen Belastungen von jährlich 200 oder 300 Euro für eine vierköpfige Familie gesprochen. Etwa die Hälfte aller Wohnungen in Deutschland wird mit Gas beheizt.

          Man beachte die Mehrwertsteuer

          Das Vergleichsportal Check 24 hat dagegen bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden und 2 Cent Umlage Mehrkosten von 476 Euro vorgerechnet. Darin ist die Mehrwertsteuer enthalten. Wirtschaftsminister Robert Habeck rechnet ebenso mit mehreren hundert Euro mehr. „Wir rechnen damit, dass es zwischen 1,5 und 5 Cent pro Kilowattstunde sein werden“, sagte der Grünen-Politiker zur Umlage-Höhe.

          Wenn der durchschnittliche Verbrauch bei 20.000 Kilowattstunden Gas pro Jahr liege, sei man demnach in einem mittleren dreistelligen Euro-Bereich. Man wisse nicht genau, wie hoch die Gas-Beschaffungskosten im November und Dezember seien. „Aber die bittere Nachricht ist: Es sind sicherlich einige hundert Euro pro Haushalt.“

          Legt man die Check-24-Rechnung zugrunde, würde eine Höhe der Umlage von 5 Cent je Kilowattstunde eine Mehrbelastung für Familien von 1190 Euro im Jahr bedeuten. Eines scheint also klar zu sein: Es ist wahrscheinlich, dass die Verbraucher stärker zur Kasse gebeten werden, als der Kanzler in Aussicht gestellt hatte.

          Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), rechnet angesichts der Umlage damit, dass sich die Heizkosten eines Haushalts im Winter mindestens verdreifachen werden. Das könnten sich viele Haushalte in Deutschland nicht leisten. „Die Weitergabe der wirklichen Kosten an die Kunden muss zwingend mit einem dritten Entlastungspaket für Menschen mit mittleren und geringen Einkommen einhergehen – ansonsten würde diese Weitergabe zur sozialen Katastrophe führen“, ließ sich der Ökonom zitieren.

          Über die Umlage sollen sich Verbraucher an den stark gestiegenen Gas-Einkaufspreisen wegen der Drosselung russischer Lieferungen beteiligen. Die Umlage soll eineinhalb Jahre, also bis Ende März 2024, gelten.

          „Ohne Umlage wären Gasversorger gefährdet“

          Geplant ist nach früheren Angaben, dass Importeure 90 Prozent der höheren Beschaffungskosten über die Umlage weitergeben können. Bis Ende September müssen die Importeure ihre Kosten noch selbst tragen. Zahlen müssen die Umlage Unternehmen genauso wie Privathaushalte. Sie kommt zu den normalen Preiserhöhungen dazu, die nach und nach greifen.

          Die Umlage sei angesichts der angespannten Lage auf dem Gasmarkt notwendig, um die Gasversorgung auch im kommenden Winter aufrechtzuerhalten. „Ohne sie wären Gasversorgungsunternehmen in der gesamten Lieferkette gefährdet“, hieß es aus dem Ministerium.

          Das heißt: Ohne die Beteiligung der Verbraucher befürchtet man in Berlin, dass Gasversorger pleite gehen könnten. Die Umlage soll für alle Lieferanten gleich hoch sein. Damit gebe es eine faire Verteilung der Lasten auf viele Schultern.

          Die Einzelheiten sollen in einer Rechtsverordung auf Grundlage des Energiesicherungsgesetzes geregelt werden. Die Verordnung soll in Kürze vom Kabinett verabschiedet werden. Organisiert werden sollen die Erstattungen für die Importeure durch den sogenannten „Marktgebietsverantwortlichen“ Trading Hub Europe. Das Unternehmen ist für die Organisation des deutschen Gasmarktes zuständig. Die Importeure sind dabei verpflichtet, ihre Mehrkosten genau darzulegen. Diese werden über die Versorger dann auf die Endkunden umgelegt.

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