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Gamescom 2017 : Wo der Hardcorezocker den Gelegenheitsspieler trifft

Die Cosplayer speisen ihre Inspiration aus den unterschiedlichsten Spielen. Bild: AFP

Die Computerspielemesse Gamescom lockt Hunderttausende nach Köln – von Cosplayern bis hin zu Konsolenfanatikern. FAZ.NET zeigt die besten Bilder aus Köln.

          3 Min.

          Die Pfiffigen haben sich Campinghocker zur Computerspielemesse mitgebracht. Lucas Linfoot, 23 Jahre alt, und Maikel Herzog, 24, sitzen in der Schlange am Stand des japanischen Konsolenherstellers Nintendo. Sie vertreiben sich die Wartezeit auf der Gamescom in Köln mit ihren Smartphones, sie hocken gerade einmal ein paar Minuten hier und sind schon jetzt nicht mehr die Letzten in der Schlange. Bis sie drankommen, um für wenige Minuten noch nicht veröffentlichte Spiele auf der neuen Konsole Switch spielen zu können, wird es allerdings noch etwas dauern.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Dabei lief am Dienstag erst der Fachbesuchertag auf der Gamescom, der richtige Besucheransturm beginnt erst an diesem Mittwoch. Doch schon gestern warteten Fans mehr als 45 Minuten in Halle 6, um etwa „Far Cry 5“ auszuprobieren, eines der erfolgreichsten Spiele des französischen Unternehmens Ubisoft. Oder eben eine halbe Stunde, um in Halle 9 bei Nintendo den Klempner Mario auf seinen Abenteuern zu begleiten. „Ich finde es einfach spannend, neue Spiele zu testen“, sagt Herzog.

          Virtual-Reality-Spiele sind ein Schwerpunkt der Gamescom in Köln. Bilderstrecke

          Zeit genug für Linfoot, seinen Freund Herzog, den er aus dem Informatikstudium kennt, mit allen Tricks und Kniffen der Gamescom vertraut zu machen. Denn Herzog ist das erste Mal auf der Computerspielemesse, Linfoot kommt seit 2009 jedes Jahr hierher. Zur neunten Ausgabe hat sich die Gamescom zur größten Veranstaltung dieser Art entwickelt, gemessen an Besuchern und Ausstellerfläche. Rund 350.000 Zocker werden noch bis zum Samstag in den Messehallen in Köln erwartet, mehr als 900 Aussteller präsentieren sich auf 200.000 Quadratmetern. Dabei geht es nicht immer nur um Neuheiten. So wird die Retro-Ecke in Halle 10, in der gut 40 Spielefans und Computerspielmuseen besonders alte Konsolenschätze präsentieren, von Jahr zu Jahr beliebter.

          Mehr als eine Milliarde Euro Umsatz mit Computerspielen

          Doch der Großteil der Besucher will natürlich nicht die ersten Sega-Konsolen oder den Uralt-Nintendo anspielen, sondern auf gigantischen Bildschirmen in opulenten Grafiken in ferne Welten abtauchen. Gerne auch mit Virtual-Reality-Brillen; die Geräte gelten als Zukunftstrend einer ganzen Branche, die sich seit Jahren in einem konstanten Aufschwung befindet. In diesem Jahr kam sogar das erste Mal die Bundeskanzlerin zur Eröffnung und sprach der Entwicklerbranche gut zu. Während Angela Merkel auch über Spielsucht und Jugendschutz sprach, wurden keine 100 Meter weiter auf der Großleinwand Panzer von Raketen zerstört.

          Nicht nur als Merkel mit Maskottchen aus Spielen für ein Foto posiert und neben Batman, einer lächelnden Tomate und einem Fuchs in blauer Jeans im Wahlkampfmodus angekommen ist, wirkt die Kanzlerin noch etwas deplaziert. Doch macht die Politik keinen Fehler, wenn sie sich zunehmend für Computerspiele interessiert, die von Jahr zu Jahr mehr Besucher anlocken. Die jahrelang verbreitete Ansicht, Computerspieler als einsame Kellerkinder ohne Sozialleben anzusehen, hat sich ohnehin längst gewandelt.

          Rund um die Welt wurden im vergangenen Jahr 79 Milliarden Dollar für Software ausgegeben. Laut dem Branchenverband BIU waren es in Deutschland rund 2,9 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr ist der Umsatz mit Computerspielen in Deutschland über alle Geräte hinweg um 11 Prozent auf mehr als eine Milliarde Euro gewachsen. Rund die Hälfte des Umsatzes wird schon mit dem Verkauf von digitalen Spielen erzielt, insgesamt 509 Millionen Euro kommen dadurch zusammen. „Das starke Marktwachstum unterstreicht die weiter zunehmende wirtschaftliche Bedeutung von Games: Kein anderes Medium konnte in den vergangenen Jahren so kontinuierlich und dynamisch wachsen“, sagt Felix Falk, Geschäftsführer des BIU.

          Auf der Gamescom treffen sie alle aufeinander: die passionierten Zocker, die auch die zwölfte Weiterentwicklung ihres Helden verfolgen wollen, genauso wie die Familien, die sich um die Konsole versammeln, oder auch nur die Hobbygamer, die auf dem Weg zur Arbeit auf ihrem Smartphone mobil spielen. Lucas Linfoot fasziniert in Köln vor allem die Gemeinschaft der unterschiedlichen Spieler, die sich jedes Jahr auf der Gamescom treffen, und darunter vor allem die sogenannten Cosplayer.

          Das sind Computerspielefans, die sich wie ihre Idole verkleiden und oft Tausende Euro dafür ausgeben, möglichst echt auszusehen. „Und ich liebe die Indie-Developer, also Entwicklerstudios, die nicht aus 2000 Mitarbeitern bestehen, sondern nur zu zweit oder zu dritt ihre Ideen entwickeln“, sagt Linfoot. „In diesen Spielen spürt man viel mehr Kreativität.“ Auch solche kleinen Start-ups, die nur aus wenigen Entwicklern bestehen, stellen seit 2013 auf der Gamescom aus. Auch ihre Fläche hat sich mehr als verzehnfacht, und die Anzahl an Nachwuchsentwicklern hat sich deutlich erhöht.

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