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Galileo-Navigationssystem : Hoffnung auf den Milliardensegen aus dem All

Bild: F.A.Z.

GPS bekommt Konkurrenz. Galileo heißt das neue Navigationssystem der Europäer. Am Montag wird entschieden, wer es bauen darf. Die EU findet reichlich Argumente, warum die Welt ein zweites Navigations-System braucht.

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          Es ist ein Projekt der Superlative. Es soll besser und genauer sein als das GPS-System der Amerikaner. Es soll Milliarden kosten und noch viel mehr Milliarden wieder einspielen. Es ist europaweit das bislang größte Kooperationsprojekt zwischen Staat und Privatwirtschaft.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Montag fällt eine der wichtigsten Entscheidungen in der bislang vierjährigen Entwicklungsphase des künftigen europäischen Navigationssystems Galileo: Die für das Projektmanagement zuständige „Galileo Joint Undertaking“ gibt dann bekannt, wer den Satellitenreigen bauen und betreiben darf. Die Frage ist freilich schon halbwegs geklärt.

          Nord- und südeuropäisches Konsotium

          Im Rennen um das himmlische Geschäft sind heute noch zwei Firmenkonsortien. Inavsat steht unter der Führung von EADS, Thales und Inmarsat. Bei Eurely haben Alcatel, Finmeccanica und Hispasat das Sagen. Ein Konsortium ist also stärker nordeuropäisch geprägt, das andere südeuropäisch.

          Wie so oft bei europäischen Fragen spielt auch im Fall Galileo nicht nur die Ökonomie eine Rolle, sondern auch die Regionalpolitik. So ist vielleicht zu verstehen, warum am Ende plötzlich der Wettbewerb gestorben war: Die einstigen Konkurrenten Inavsat und Eurely waren plötzlich ein Herz und eine Seele. Vergangene Woche legten sie überraschend ein gemeinsames Angebot für die Konzession vor.

          Interessen der deutschen Industrie

          Ein geschickter Schachzug: Schließlich wäre es politisch ein Desaster gewesen, hätte ein Konsortium den kürzeren gezogen. So ist bei Eurely die deutsche Industrie nicht mit von der Partie. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe hatte diese Gefahr offenbar in letzter Sekunde erkannt und eine Drohkulisse aufgebaut: „Als größter Zahler für die Entwicklung des Navigationssystems muß die deutsche Industrie angemessen berücksichtigt werden.“ Deutschland ist mit einem Anteil von 20 Prozent an Galileo beteiligt.

          Die offen ausgesprochenen Forderungen belegen: Wie das übrige Europa mißt auch die Bundesregierung dem europäischen Navigationssystem eine hohe Bedeutung zu. Galileo eröffne als innovatives Raumfahrtprojekt der deutschen Industrie den Einstieg in einen neuen, weltweit rasch wachsenden Hochtechnologie-Markt, heißt es im Verkehrsministerium. Nicht nur Kritiker fragen sich da: Kann Galileo die hochgesteckten Erwartungen wirklich erfüllen?

          Technische eine relativ sichere Sache

          „Galileo ist zum Erfolg verdammt“, sagt ein Branchenexperte. Solche Aussagen waren vor zwei Jahren schon einmal zu vernehmen, bei einem ähnlich ambitionierten Projekt: dem deutschen Mautsystem von Toll Collect. Doch der Vergleich hinkt. Technisch betrachtet gilt Galileo als relativ sichere Sache.

          Im Gegensatz zur Maut ist ein Navigationssystem im Weltall schon deshalb weniger störanfällig, weil weniger komplexe Komponenten zusammenarbeiten müssen. Bei Galileo handelt es sich lediglich um 30 Satelliten, die auf drei Umlaufbahnen in knapp 24000 Kilometer Höhe ständig um die Erde kreisen. Sie senden Funksignale Richtung Erde und decken damit den gesamten Planeten ab.

          Ähnlich den GPS-Satelliten ermöglichen sie eine Positionsbestimmung - allerdings viel exakter und zuverlässiger, wie die EU-Protagonisten nicht müde werden zu erklären. Schließlich werde Galileo nicht von einer Militärbehörde wie dem amerikanischen Verteidigungsministerium betrieben, sondern von einer zivilen Organisation. Und stehe damit kontinuierlich zur Verfügung.

          Rauher Umgangston zwischen Europa und Amerika

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